Kreativer Alltag eines angehenden Heilerziehungspflegers

Ausbildung mit Herz

Julian Schleicher ist sehr zufrieden mit seiner Berufswahl. Seinen Job findet er richtig cool. | Foto: Bartsch2016/08/Julian-auf-dem-Sofa-2.jpg

ALTDORF – Es ist ein sonniger Augustmorgen. Vor dem Haupteingang des Wichernhauses in Altdorf treffe ich Julian Schleicher. Der 22-Jährige absolviert die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger (HEP) in der Fachschule in Ebenried bei Allersberg und hat den ersten Teil erfolgreich bestanden.

Der Schüler führt mich durchs Treppenhaus bis zur Wohngruppe, in der er mit seinen Kolleginnen und derzeit neun Jugendlichen arbeitet. Gerade sind Sommerferien und die Station ist unbewohnt.

Jeden der großzügigen Bereiche darf ich begutachten: die Wasch- und Pflegeräume mit bunt gestalteten Anleitungsplakaten, den langen Gang, welchen liebevoll dekorierte Türen und Pinnwände zieren.

Der Höhepunkt ist der Wohn- und Essbereich. Eine gemütliche Sofalandschaft, gemusterte Kissen und Decken sind perfekt arrangiert. „Für eine gute Organisation der Fernsehzeiten haben wir einen Stundenplan. Oft schauen wir auch zusammen eine Serie oder zocken auf der Spielekonsole FIFA“, schmunzelt Julian. „Es läuft ähnlich wie in einer WG.“

Zweimal in der Woche wird gemeinsam gekocht. Jeder hat seine Aufgabe.

Zusammen mit seinem besten Kumpel hat Julian nach seinem Schulabschluss ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Wichernhaus gemacht. „Ich kann nur jedem jungen Menschen ans Herz legen, nach der Schule ein FSJ zu machen“, erklärt der 22-Jährige. „Auch die Bezahlung ist wirklich gut.“ Für beide war klar, dass sie die Ausbildung in Ebenried beginnen.

Gemeinsame Interessen

Mit strahlenden Augen erzählt mir Julian von seinen Tagesabläufen und den Schulwochen. Er ist begeistert, dass er all seine Interessen mit den Jugendlichen teilen kann. „Immer mittwochs leiten ein Kollege und ich das Fußballtraining“, erzählt der HEP-Schüler stolz.

Dieses Jahr durfte er sogar mit dem gleichaltrigen Rollstuhlfahrer Philipp Schmitt „Rock im Park“ besuchen: „Diese Erfahrung möchte ich auf keinen Fall missen!“

Auf meine Frage, ob es auch Nachteile in der Ausbildung gibt, muss Julian überlegen. „Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Schule schlecht zu erreichen. Zu Beginn des Schuljahres lassen sich aber immer Fahrgemeinschaften organisieren. Dafür ist die fachliche Betreuung in Ebenried wirklich einwandfrei“, berichtet er.

Die Arbeit mit Menschen bringt immer wieder Herausforderungen mit sich. Manchmal kommt man an seine Grenzen, ob es die ergreifende Geschichte hinter einem der Jugendlichen ist oder die körperliche Arbeit in der Pflege. „Es gibt leider viel zu wenige männliche Pfleger. Für einige Bewohner, wie auch Philipp, ist eine männliche Begleitung ganz wichtig“, merkt Julian an.  Was der 22-Jährige noch loswerden will: „Der soziale Bereich umfasst  eine große Vielseitigkeit. Es gibt unzählige Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln. Habt keine Angst, ihr werdet nur belohnt! Die Anerkennung des eigenen Umfelds ist immens und die Bezahlung ist besser als viele denken.“

Daniela Bartsch

N-Land Der Bote
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