Anonymes Schreiben in der Post

Asylhelferin unflätig beleidigt

Betreten, aber nicht in Panik (v.l.): Gisela Hirschmann, Jürgen Dreutter, Christine und Paula Lippert. | Foto: Spandler2016/07/altdorf-drohbrief-asylhelfer-als-Smart-Objekt-1.jpg

ALTDORF – Was steckt dahinter, wenn Zeitgenossen engagierten Helfergruppen so negativ gegenüber eingestellt sind, dass sie sich nicht nur zu Beschimpfungen, sondern auch zu anonymen Einschüchterungsversuchen hinreißen lassen? Diese Frage stellte sich vor knapp einem Jahr eine Familie, die im Unterferriedener Asylhelferkreis mitarbeitet und solche unwillkommene Post im Briefkasten fand. Nun steht ein Mitglied des Altdorfer Unterstützerkreises vor dem gleichen Rätsel. Inzwischen ermittelt die Polizei.

Vor einigen Wochen besuchte Gisela Hirschmann mit ihrem Mann das Altdorfer Schwimmbad und nahm dazu vier junge Männer mit, die sie in ihrem Unterstützerkreis betreut. Um etwaigen Konflikten vorzubeugen, instruierte Alfred Hirschmann die Asylbewerber genau, welche Gepflogenheiten in einem öffentlichen Bad herrschen. Die beiden Altdorfer garantieren, dass sich die Vier vollkommen korrekt und unauffällig verhielten.

Dennoch stieß der Besuch zunächst bei einem Badegast auf so große Ablehnung, dass er das Ehepaar mit Verwünschungen überzog und sie als „Gutmenschen“ beschimpfte. Immer wieder wurde gerufen: „Und euch wünsche ich das auch!“, wobei nie weiter präzisiert wurde, was dieser Badegast den Hirschmanns wünschte, und auch nicht, was er befürchtete. Schlimm daran: Nach einiger Zeit wurde der Mann auch von anderen Badenden unterstützt, die sich wohl ebenfalls belästigt fühlten. Einen Grund dafür kann sich das Ehepaar mit dem besten Willen nicht vorstellen. Bei Zusammenkünften der Asylunterstützer wurde der Vorfall diskutiert, Gisela Hirschmann schickte dem Boten einen Leserbrief, in dem sie ihren Frust über solches Verhalten mitteilte.

Als sie zwei Wochen später ihren Briefkasten leerte, fiel ihr ein anonymes Schreiben in die Hände, das sich ausdrücklich auf ihren Leserbrief bezog und unflätigste Beschimpfungen enthielt: „Würde mich lieber auf einen Misthaufen setzten, als mit den von Ihnen ins Schwimmbad mitgenommenen Personen im gleichen Wasser zu schwimmen. Du bist ja tolerant und holst solche Leute in das Land. Doch schneidet er Dir ab den Kopf, dann jammere nicht, Du blöder Tropf. Allen so genannten Gutmenschen wünsche ich 1000 Kamelflöhe in den After“, heißt es da.

Auf Spuren untersuchen

Die Empfängerin war ob solcher Aggression doch mehr als überrascht und ging mit dem maschinengeschriebenen Brief zur Polizei. Zwar verspüre sie keine Angst, aber sie sei stark verunsichert, berichtet sie. „Man weiß ja nicht, was solchen Leuten als nächstes einfällt.“ Altdorfs Polizeiinspektionsleiter Reimund Mihatsch riet ihr zur Anzeige. Ebenso wie sein Stellvertreter Bernhard Distler bestätigte er, dass man das Pamphlet erkennungsdienstlich behandeln werde. „Das ist ein Spurenträger, der kann DNA oder Fingerabdrücke enthalten, die weiterhelfen können“, so Distler. Von einer eindeutigen Bedrohung könne man zwar nicht sprechen, jedoch ist wohl der Straftatbestand der Beleidigung erfüllt.

Im Altdorfer Helferkreis ist man unterdessen gelassener, als sich der anonyme Autor der perfiden Zeilen das wohl vorgestellt hatte. Jürgen Dreutter ist froh, dass man in Altdorf ansonsten keine derartigen negativen Erfahrungen als Reaktion auf die Arbeit der Asylhelfer machen musste. Außerdem ist er sicher: „In unserer Stadt gibt es einen großen und starken Unterstützerkreis. Wir können uns gegenseitig stützen und werden das aushalten.“

Christine Lippert, die bei den Asylhelfern im Team für Kinder aktiv ist, hat noch nie erfahren, dass ihre Arbeit dort irgendwo auf Ablehnung gestoßen ist. „Manchmal wird im Bekanntenkreis zwar über die Folgen der Asylwelle diskutiert, aber schon manches Mal sind skeptische Personen einfach mit in die Heime gegangen, um sich vor Ort ein Bild von den Leuten zu machen“, kann sie sich erinnern, und genau das habe dann Verunsicherten ihre Sorgen nehmen können. Ein wenig gruselig findet sie die Vorstellung allerdings schon, dass hier jemand ganz gezielt gegen eine Person aus dem Helferkreis agitiert. Ihre Tochter Paula sieht das ebenso: „Man kann ja mal anderer Meinung sein“, findet die Schülerin, die sich auch selbst schon um Kinder von Asylbewerbern gekümmert hat und zu den Treffen der Helfer mitkommt. Aber einen solchen Brief zur Einschüchterung zu schreiben, das geht gar nicht, findet auch die Dreizehnjährige.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler