Altstadtfest 2010: Ein Fest von Bürgern für Bürger

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ALTDORF — Der Kulturausschuss steht ohne Einschränkungen hinter dem Konzept „Altstadtfest 2010 – Ein Fest von Bürgern für Bürger“ von Kulturamtsleiterin Anke Dietz. Unter dem Strich soll das Altstadtfest ein frischeres, den Wünschen des Publikums näher kommendes, Image bekommen. Durch die räumliche Trennung des Angebotes auf verschiedene Bereiche will man stärker auf die Wünsche und Bedürfnisse des Publikums eingehen. Aber auch durch die Vielzahl der Veranstaltungspunkte und Bühnen erhalten deutlich mehr Künstler und Gruppen als in der Vergangenheit die Möglichkeit, auf dem Fest aufzutreten. Und vor allem die Partnergemeinden möchte Anke Dietz noch mehr als bisher einbinden, mit einem „Minimarkt der Partnerstädte“. Ihr schwebt vor, dass an die Partner nicht nur wie bisher ein Einladung zum Fest selbst ergeht, sondern auch die Bitte um aktive Teilnahme an der Veranstaltung. Denkbar wäre ein gesonderter Bereich für die Partnerstädte z. B. vor der Kirche, wo man die stadteigenen Holzbuden aufstellen könnte, aus denen die Delegationen der Städte Waren verkaufen können.  Zudem hat man heuer einen ganz besonderen Anlass, denn beim Altstadtfest soll die neue Partnerschaft mit der Gemeinde Wiesen offiziell besiegelt werden.
In den letzten Jahren hatte man feststellen müssen, dass der Zuspruch der Gäste immer verhaltener wurde, sich aber auch bei den Vereinen zunehmend Zurückhaltung bei der Frage nach der Teilnahme breit machte. Vielfach wurde das Argument geäußert, dass der Aufwand – in personeller und organisatorischer Hinsicht – in keinem Verhältnis zu dem subjektiven Erfolg stehe. Dabei war das Altstadtfest einst als Fest der Vereine konzipiert worden, bei dem sie sich nicht nur präsentieren sollten, sondern auch durch den Verkauf von Speisen und Getränken die Vereinskasse auffüllen könnten. Leider sei der Gedanke der Präsentation der Vereine und somit das Herausstellen ihrer Besonderheiten, in den letzten Jahren immer weiter in den Hintergrund getreten. Am Marktplatz zeigte sich eine Vielzahl uniformer Stände, die sich aus der Wahrnehmung der Besucher häufig nur durch das Vereinsschild unterschieden. Auch das Musikkonzept ließ zu wünschen übrig.
Anke Dietz machte deutlich, dass das Fest aus Sicht der Besucher wieder mehr Atmosphäre und Stil erhalten müsse, um langfristig eine Bereicherung des Kulturprogramms in Altdorf darzustellen.
Moderates Relaunch
Für 2010 soll das Altstadtfest nach ihren Vorstellungen ein moderates Relaunch erfahren. Anke Dietz: „Ziel ist es, wieder näher an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Besucher – aber auch der Vereine – zu kommen und dem Fest neue Attraktivität zu verleihen.“ Relaunch bedeute in diesem Zusammenhang, dass man eine Struktur finden müsse, die Altbewährtes und Neues zu einem attraktiven Ganzen zusammenbringe.
Dabei sei neben der Ideengebung durch das Kulturamt auch zwingend die Mitarbeit der Vereine – als eigentliche Veranstalter des Festes – gefordert. Vor diesem Hintergrund schlägt das Kulturamt vor, viel stärker auf die Bedürfnisse der einzelnen Besuchergruppen einzugehen. Und dies bedeute, dass man den jungen und älteren Besuchern auch unterschiedliche Angebote machen muss, die zum einen räumlich getrennt sind und zum anderen auch unterschiedlichen Freizeitgewohnheiten gerecht werden. Trotzdem soll das Altstadtfest ein Fest von Bürgern für Bürger bleiben. Anke Dietz: „Die Vereine müssen in ihrer Rolle als Gastgeber von diesem neuen Konzept überzeugt werden, da ohne deren Mitwirkung eine Neuausrichtung nur unter sehr erschwerten Bedingungen erfolgen kann.“ Diese Überzeugungsarbeit will man bei der heute Dienstag in der Stadthalle stattfindenden Vereinsvorsitzendenbesprechung leisten.
Die Chance der Neuausrichtung bietet sich auch deswegen an, weil das Altstadtfest 2010 erstmalig auf dem neuen Marktplatz stattfindet. Das heißt für viele Vereine, dass möglichst einvernehmlich zum Teil neue Standorte für die Stände gefunden werden müssen, die Vorgaben des Brandschutzes zwingend zu beachten sind und auch andere Dinge beim Standaufbau berücksichtigt werden müssen. Dietz kündigte an, dass das Kulturamt in enger Zusammenarbeit mit dem Bauamt einen Plan erarbeiten werde, der den Vereinen präsentiert wird.
Um besser auf die Bedürfnisse bzw. Erwartungen der Besucher eingehen zu können, aber auch um weitere Bereiche der Altstadt mit einzubeziehen, wird seitens des Kulturamtes vorgeschlagen, dass das Altstadtfest räumlich in drei unterschiedliche Bereiche aufgeteilt wird.
Marktplatz als Flaniermeile
Der neue Marktplatz soll dabei zur Flaniermeile werden. Er spielt eine zentrale Rolle und nimmt somit nicht nur räumlich den größten Bereich ein. Hier soll die Besucher ein breites gastronomisches Angebot und ein ebenso kurzweiliges Unterhaltungsprogramm erwarten, welches an unterschiedlichen Kleinbühnen stattfinden wird. An den einzelnen Ständen selbst wird es kein separates Musikprogramm mehr geben.
Wie in der „Langen Nacht“ sollen verschiedene Gruppen unterwegs sein und an unterschiedlichen Standorten abwechselnd für Unterhaltung sorgen. Gedacht wird in erster Linie an kleinere Spielmannszüge, Jazzbands oder auch Chöre. Weiterhin sollen Feuerspucker, Jongleure, Stelzenläufer, Clowns und Tanzgruppen für Abwechslung sorgen. Deren Auftritte sollen auf Kleinbühnen geschehen. so dass die Besucher ein ständig wechselndes Programm vorfinden werden. So sind zwar die einzelnen Programme in der Wahrnehmung des Publikums präsent, aber dominieren die Stimmung am Markt nicht. Vielmehr sind sie als angenehme Hintergrundunterhaltung zu verstehen.
Den Schlossplatz und den Parkplatz hinter dem Jugendzentrum möchte Anke Dietz tagsüber den Familien und abends der Generation „18 plus“ anbieten. Der Schlossplatz biete genügend Möglichkeiten, auch hier Stände aufzubauen, die die gastronomische Versorgung der Gäste übernehmen.
Gleichzeitig sollte es hier tagsüber ein attraktives Angebot für Kinder geben, wobei man sich wieder der Mitarbeit der Fachakademie versichern will. Dieser Bereich soll am Nachmittag als Kinder-Altstadtfest deklariert werden, wobei das Kinderprogramm gegen 18 Uhr endet.  Die große zentrale Bühne soll auf dem Parkplatz Neubaugasse errichtet werden. Dieses in Richtung Wichernhaus leicht abfallende Gelände biete genügend Platz für die große Bühne und das party- und tanzfreudige Publikum. Vom Marktplatz sei man weit genug weg, um nicht (akustisch) zu stören. Hier sollten wieder die bewährten Bands wie z. B. Dillberg auftreten und interessierte Vereine die gastronomische Versorgung sicherstellen.
Wer ko, der därf
Ein alternatives Programm für gemischtes Publikum will man im Bereich der Oberen Wehd verwirklichen. Auch hier soll eine weitere kleine Bühne errichtet werden, auf der „lokale“ Talente auftreten können und für Unterhaltung sorgen. Denkbar sei nicht nur die Darbietung von Musik, sondern auch Lyrik, Comedy, etc., frei nach dem Motto „Wer ko, der därf!“. Auch in diesem Bereich sollen die Vereine die gastronomische Versorgung der Gäste übernehmen. Um eine optische Anbindung dieses Bereiches an den Marktplatz als Mittelpunkt zu erhalten, will man aber auch gastronomische Stände in der Oberen Brauhausstraße aufstellen. Zentrale Anlaufstelle für die Bewerbung der einzelnen Künstler und Gruppen ist das Kulturamt. Hier werden die Anmeldungen gesammelt und bewertet und dann das Programm zu einer bunten Mischung zusammengestellt.
In der Diskussion zeigten sich die Mitglieder des Kulturausschusses voll des Lobes über das von Anke Dietz erdachte Konzept. Auch die Kosten hat man im Griff, da dem Kulturamt ein bestimmtes Budget zur Verfügung steht, das ausreicht, um die neuen Vorstellungen zu verwirklichen.
Übereinstimmend war man  der Ansicht, dass der neu gestaltete Marktplatz eine Chance sei, das Altstadtfest wieder attraktiver für die Besucher zu machen. Allerdings sollte man behutsam zu Werke gehen. An der Frage, ob marktplatzfremde Gastronomie bzw. Bewerber von außen zum Zuge kommen, entzündet sich ein lebhaftes Für und Wider. Bürgermeister Erich Odörfer sprach sich entschieden sowohl gegen marktplatzfremde Gastronomen als auch gegen fremde Anbieter aus, ebenso gegen den Vorschlag, eventuell den Wichernhaushof mit einzubeziehen. Den sollte man dem Weihnachtsmarkt vorbehalten, denn der entwickle sich dort prächtig und sei eine Besonderheit.
Lücken vermeiden
Auf jeden Fall sollte man am Marktplatz Lücken vermeiden, war der Tenor. Wenn dies der Fall sei, dann sollte man heimische Gastronomen zum Zuge kommen lassen, war der Vorschlag von Dr. Peter Wack. Sollte es tatsächlich Lücken geben, so der einstimmige Beschluss, dann wird man erst die Gastronomen am Marktplatz zum Zuge kommen lassen. Sollten diese abwinken, können andere Altdorfer Gastronomen einspringen.
Keine Chance hat hingegen der Vorschlag, weitere Gassen in der Altstadt mit einzubinden. Die müssen als Zufahrten für die Feuerwehr frei bleiben, was Peter Schlerf ausdrücklich betonte. Nicht aus den Augen lassen will man hingegen den Vorschlag von Ernst Bergmann, bei genügender Beteiligung der Vereine auch den Bereich der beiden Weiher vor dem Oberen Tor mit einzubeziehen. Er bat auch darum, die Vereine in die Pflicht zu nehmen, sich entsprechend ihrer Besonderheiten zu präsentieren. Die einzige Unterscheidung dürfe nicht darin bestehen, welches Bier man ausschenke oder was man verkaufe.     

N-Land LORENZ MÄRTL
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