Neue Pläne für das Baugebiet

Altdorf Nord wird gestückelt

Das rot umrandete Gebiet am Ernhofer Weg kann als erster Bauabschnitt beplant werden. Weitere Flächen weiter östlich bis zur Riedener Straße sind ebenfalls Bestandteile von Altdorf Nord. Bei Bedarf kann die Stadt hier in den kommenden Jahren zusätzliche Bebauungspläne aufstellen. | Foto: Google Maps2020/09/Bauabschnitt1-scaled.jpg

ALTDORF – Für das Baugebiet Altdorf Nord zeichnet sich mit einer abschnittsweisen Beplanung eine Lösung ab. Die Stadt will für die Entwicklung des Nordens die Nordtangente als Entlastungsstraße bauen.

Seit Jahren arbeitet sich die Stadt an ihrem 20 Hektar großen Baugebiet Altdorf Nord ab und ist keinen Meter voran gekommen. Topographie, Probleme bei der Entwässerung, Umlegungsverfahren, mögliche Rechtsstreitigkeiten mit Grundeigentümern – all das hat sich zu einem gordischen Knoten verwoben, der eine Realisierung des Gebiets auf Jahre hinaus unmöglich macht. Deshalb wird es Altdorf Nord in der bisherigen Planung nicht mehr geben. Im Stadtentwicklungsausschuss sind sich die Stadträte einig, das große Gebiet abschnittsweise zu realisieren. Begonnen werden soll mit einem ersten Bauabschnitt nordwestlich des Bahnhofs am Ernhofer Weg mit Zufahrt von der Hersbrucker Straße.

Bauamtsleiter Bernhard Dotzer erläutert den Fahrplan für das Gebiet: Mit dem ersten Bauabschnitt kann Altdorf relativ kurzfristig neuen Wohnraum schaffen, auch Sozialwohnungen, außerdem kann ein Grundstück für einen neuen Kindergarten vorgesehen werden. Entlang der Bahnlinie könnten Mehrfamilienhäuser entstehen, in anderen Bereichen Reihenhäuser, Doppelhäuser und Einfamilienhäuser. Bis 2022 könnte die Planung abgeschlossen sein.

Keine Mehrkosten für die Bauherren

Die weiter westlich gelegenen Bereiche von Altdorf Nord könnte man in mehreren Bauabschnitten je nach Bedarf in späteren Jahren realisieren, wenn bis dahin die Nordumgehung gebaut ist, für die Verwaltung der Dreh- und Angelpunkt weiterer Bebauung.

Bislang hatte die Stadt vorgesehen, die Nordumfahrung als Erschließungsstraße für Altdorf Nord vorzusehen. Die Baukosten in Höhe von rund drei Millionen Euro hätte sie dann zum Großteil auf die Grundeigentümer im neuen Baugebiet umlegen können. Hier kündigten aber einige Betroffene juristischen Widerstand an. Jetzt geht die Stadt einen anderen Weg.

Die neue Straße soll nicht mehr als Erschließungs- sondern als Entlastungsstraße für die Innenstadt gebaut werden. Dafür könnte es unter Umständen hohe Zuschüsse geben. Ein Verkehrsgutachten soll Klarheit bringen, ob das Verkehrsaufkommen Zuschüsse rechtfertigt. Sollte das nicht der Fall sein, will die Stadt die Straße trotzdem bauen. 100 000 Euro für das Gutachten sollen in den Haushalt eingestellt werden. Auf jeden Fall soll die Straße zuerst geplant und die weiteren Bauabschnitte daran ausgerichtet werden – und nicht umgekehrt.

Hätte die Stadt weiter an einer Gesamtplanung für Altdorf Nord festgehalten, wären die Vorleistungen gewaltig gewesen. Für Erschließungsmaßnahmen wären mindestens zehn Millionen Euro fällig gewesen. Nun also alles Schritt für Schritt. „Wir hätten ja auch massive Probleme bekommen, wenn wir in kurzer Zeit 1000 Neubürger angesiedelt hätten“, sagt Bürgermeister Martin Tabor, der nach eigenen Angaben die Neuplanung des Gebiets angestoßen hat.

Viel freie Fläche und viel Grün draußen am Ernhofer Weg. Wenn mit den Planungen alles ganz schnell geht, könnte hier ab 2022 schon gebaut werden. Foto: Alex Blinten2020/09/Altdorf-Ernhofer-Weg.jpg

Für Michael Gleiß (SPD) hat die Verwaltung jetzt ein sehr gutes Konzept für den Altdorfer Norden vorgelegt. Für ihn stellt sich dabei die Frage, warum man das nicht schon viel früher gemacht hat. Ein fraktionsübergreifender Workshop könnte nach Gleiß‘ Vorstellung die Marschrichtung für die weitere Planung des ersten Bauabschnitts festlegen. Thomas Kramer, ebenfalls ein Workshop-Fan, betont für die CSU, dass seine Fraktion auf jeden Fall die gesamten 20 Hektar von Altdorf Nord als Bauland entwickeln will. Er spricht sich für eine Gesamtplanung aus, die dann in einzelnen Abschnitten umgesetzt werden könnte. Selbstverständlich soll das gesamte Gebiet entwickelt werden, macht Bauamtschef Dotzer an die Adresse von Kramer klar: „Dabei stellen wir mehrere Bebauungspläne auf, nicht mehr einen Gesamtbebauungsplan.“

Die Grünen sind zwar gegen die Umgehungsstraße, das betont Dieter Pletz. Abzuwarten sei aber, welches Ergebnis das Verkehrsgutachten bringt. „Irgendeinen Tod müssen wir dann sterben“, räumt er ein. Vielleicht sei ja auch eine Halb-Tunnel-Lösung wie vielfach in Österreich gebaut, die Lösung.

Baugebiet als autofreie Zone?

Einen gänzlich unorthodoxen Vorschlag macht Grünen-Stadtrat Eckart Paetzold. Weil das jetzt zu planende Baugebiet in Bahnhofsnähe liege, solle man doch für Leute ohne Auto planen, ein autofreies Gebiet also. „Dann haben wir weniger Verkehr.“ Die Umgehungsstraße lehnt Paetzold ab.

Bürgermeister Tabor steckt das weitere Vorgehen ab: In den Fraktionen sollen die Stadträte sich beraten. Im Dezember soll Grosser-Seeger dann konkrete Pläne für den ersten Bauabschnitt vorlegen. Damit sind die Ausschussmitglieder einverstanden, ebenso mit den Beschlussvorschlägen der Verwaltung, die 20 Hektar des Gebiets Altdorf Nord abschnittsweise zu planen, mit den Arealen am Ernhofer Weg zu beginnen und die Nordtangente als Entlastungsstraße zu bauen. Einstimmig empfiehlt der Stadtentwicklungsausschuss nun dem Stadtrat, ebenso zu beschließen. Der gordische Knoten im Altdorfer Norden kann durchschlagen werden.

 Foto: Google Maps

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