Kirchengemeinde Hartmannshof

Abschiedsgottesdienst für Judith Felsner

In Hartmannshof hat sie gelernt, eine Pfarrerin zu sein. Jetzt verlässt Judith Felsner die Gemeinde Richtung Altdorf. | Foto: privat2021/07/20210707-150450.jpg

HARTMANNSHOF – „Hier bin ich zur richtigen Pfarrerin geworden“, sagt Judith Felsner über ihre acht Jahre in der evangelischen Kirchengemeinde Hartmannshof. Mit diesen ganzen Erfahrungen geht sie nun in ihre neue Stelle als zweite Pfarrerin nach Altdorf.

Sie freue sich auf die neue Aufgabe und die Arbeit im Team. „Hier war ich – trotz der Unterstützung durch die Mitarbeitenden – Einzelkämpferin, musste alle Vertretungen organisieren und konnte schwer eine Distanz zwischen Beruf und Privatleben schaffen, weil es gefühlt nie wirklich Dienstschluss gab.“ Ohne Geschäftsführung einer Pfarrei und mit dem Schwerpunkt Familienarbeit werde ihr das künftig leichter fallen. Dennoch betont sie: „Es fällt mir schwer, zu gehen.“

Denn sie sei hier sehr herzlich aufgenommen worden, obwohl sie das im Ort übliche Begrüßungsritual leider verpasst hatte: „Als der Umzug soweit durch war, sind wir noch losgefahren, um einen Schrank zu kaufen, und genau da standen Kirchenvorstand und Posaunenchor vor der Tür.“ Übel genommen hat ihr das scheinbar niemand: „Ich habe alle Unterstützung erhalten.“

Ab aufs Dorf

Und die war als frische Pfarrerin auch nötig. Nach dem Vikariat war Felsner ein halbes Jahr bei der Nürnberger Stadtmission. Dabei spürte sie, dass sie doch „lieber in eine Gemeinde“ gehen würde. So kam es zur Bewerbung in Hartmannshof. „Das lag näher an meiner Heimat und ich kannte den Ort über eine Hochzeit einer Freundin.“ Dass sie einmal genau in dieser Kirche landen würde, habe sie damals aber nicht gedacht.

Überhaupt war es kein geradliniger Weg bis in die Hartmannshofer Kanzel. „Ich war Krankenschwester und dachte, das sei mein Traumberuf.“ Doch Felsner merkte, dass sie doch noch nicht angekommen war. Also holte sie das Abi nach und studierte Theologie. „Ich habe mich immer in der Kirchengemeinde engagiert, das war mir also nicht fremd.“ Aber sie stamme eben nicht aus einer Pfarrersdynastie. Stattdessen sprachen sie viele darauf an, ob Theologie nicht etwas für sie wäre. Felsner versuchte es und sagt heute: „Es war genau das Richtige. Ich bin da gelandet, wo ich hingehöre – im Gemeindepfarramt.“

Erkenntnis vorm Dekan

Auf das sei sie im Vikariat von ihren Mentoren gut vorbereitet gewesen, doch als sie dann vor acht Jahren in Hartmannshof frisch in den Beruf startete, „bin ich schon geschwommen, bis mir bewusst wurde, dass ich es kann“. Bei der Einführung mit Dekan und voller Kirche habe es ihr gedämmert, dass sie hier Pfarrerin ist. „Das war ein großer Moment für mich.“

Auch deshalb, weil sie nun selbst für alles verantwortlich war und die Gepflogenheiten erst erlernen musste. „Es gab viele erste Male.“ Egal, ob Hochzeit, Taufe, Beerdigung oder die erste Sitzung mit dem Kirchenvorstand. „Die Einladung hatte ich etliche Male umgeschrieben, weil ich es perfekt machen wollte“, verrät sie schmunzelnd.

Aber die Hartmannshofer machten es Felsner leicht. „Ich habe nie gehört: Das haben wir noch nie so gemacht.“ Stattdessen seien der „fleißige Kirchenvorstand“ und die Gläubigen immer offen gewesen, neue Dinge zu probieren – bei aller Skepsis. So entstanden diverse Gottesdienste mit Vereinen und Konfi 3 oder wurde die Himmelfahrtsfeier wiederbelebt. Stets habe es viele Helfer gegeben und seien Entscheidungen mit dem Kirchenvorstand gemeinsam diskutiert und gefällt worden. Dieses Miteinander schätzte Felsner sehr.

Gerade auch in der Corona-Zeit. Fast liebevoll spricht sie vom „gallischen Dorf“ – wie sich Hartmannshof gerne selbst bezeichnet –, das nur im ersten Lockdown auf Gottesdienste verzichtet und diese sonst durchgezogen hatte. Dann eben in anderen Formaten wie Andachten oder Stippvisiten in den Außenorten. „Es ist immer schön, wenn Kirche zu den Menschen kommt und wir nicht auf sie warten.“ Aber jede Gemeinde habe da ihren eigenen Weg gefunden.

Musik von den Sternen

Gerne besuchte Felsner daher auch die Senioren in der Gemeinde und feierte die unterschiedlichsten Gottesdienste. „Die Vielfalt macht den Beruf aus. Und die ist zugleich die Herausforderung.“ Dieser bunten Mischung hatte sie aber viele unvergessliche persönliche Begegnungen zu verdanken. „Die Menschen hier haben mir ihr Vertrauen geschenkt und so konnte ich mich ausprobieren.“ Tolle Musiker hätten viel möglich gemacht – wie der Hartmannshofer Posaunenchor, der zur Konfirmation sogar einmal „Star Wars“ erklingen ließ.

Felsner glaubt, dass man ihr abgenommen habe, dass die, die sonntags predigt, die gleiche Person sei, mit der man anderntags beim Einkauf plaudert. Nur so könne jeder mit den ihm eigenen Qualitäten seinen Platz in einer Gemeinde finden, ist sie überzeugt. Diesen sucht sie sich nun in Altdorf.

Heimat auf Zeit

Warum? „Unsere große Tochter kommt im Herbst in die Schule und da wollten wir spätere Stellwechsel vermeiden.“ Klar wisse sie, dass regelmäßige Umzüge zum Pfarrer-Dasein gehören, aber sie kenne das eben nicht – als erste Geistliche in der Familie. „Erst als ich hier angefangen habe, wurde mir bewusst, dass das nur auf Zeit ist“, gibt Felsner zu. Dabei ist Heimat für sie ein großes Thema. Und diese möchte sie nun für sich und ihre Lieben privat in Leinburg und dienstlich in Altdorf finden.

Der Abschiedsgottesdienst von Judith Felsner findet am Sonntag, 18. Juli, um 15 Uhr auf dem Kirwaplatz Hartmannshof statt.

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