Stief bleibt bei Windkraft skeptisch

Mögliche Windkrafträder beschäftigten den Gemeinderat. Foto: J. Ruppert2012/06/5_2_1_2_20120607_WIND.jpg

KIRCHENSITTENBACH – Große Verunsicherung machte sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung breit, als Bürgermeister Peter Stief über mögliche Windräder am Rande oder auf dem Gebiet sprach.

In der 17. Änderung des Regionalplans Mittelfranken sind die größeren Vorrangebiete für Windenergie bei Offenhausen und Altdorf eingetragen. Neu hinzugekommen ist eine Fläche bei Alfeld. Dieser Änderung stimmte der Gemeinderat zu und nahm auch zur Kenntnis, dass im Naturpark Fränkische Schweiz / Veldensteiner Forst, zu dem Kirchensittenbach gehört, keine Vorranggebiete ausgewiesen sind.

Aber Stief legte dar, dass seiner Meinung nach der Regionalplan schon wieder Schnee von gestern sei, weil weitere Flächen zur Windkraftnutzung von Reichenschwand und Hersbruck beantragt werden (Die HZ informierte mehrmals ausführlich, siehe auch Bericht rechts.)

Die möglichen Standorte oberhalb von Leuzenberg auf der Oberkrumbacher Höhe und zwischen Kleedorf und Großviehberg lägen beide unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Kirchensittenbach und seien aus naturschutzrechtlicher Sicht zwar keine Ausschlussgebieten, aber zumindest sensible Bereichen, so Stief. Dazu komme, dass es auch in Schnaittach eine Interessengruppe gebe, die ein Windrad auf der Bondorfer Höhe errichten lassen wollte, dort an den Grundstückseignern scheiterte und nun ihr Glück bei Grundstückseignern auf Kirchensittenbacher Gemeindegebiet versuche. Der Bürgermeister sprach von einer „Goldgräberstimmung“, die sich überall breit mache, aber von der man nicht so recht wisse, wohin sie führt. Es gebe keine klaren Regelungen, wo Windräder gebaut werden dürfen und noch sei auch das Leitungsproblem nicht geklärt. Stief plädierte für einen Gemeinderatsbeschluss für einen Mindestabstand zur Wohnbebauung: „Wir können uns nicht gegen die Windräder der Nachbarn stellen, aber zumindest den Standort beeinflussen."

Diese Aussagen wurden im Gemeinderat sehr kontrovers diskutiert. So meinte Robert Müller (UBB): „Wenn jemand in Windkraft investieren will, dann kann er das überall in Deutschland tun. Mir geht es um den Schutz der Bürger vor Beeinträchtigungen.“ Georg Scharrer (Wählergemeinschaft) meinte, jetzt alles zu blockieren, sei zu kurzfristig gedacht: „Wir brauchen noch mehr Informationen“. Lisbeth Stiegler (CSU) sagte: „Wenn rings um uns herum Windräder gebaut werden, dann haben wir ja nichts davon, z.B. keine Gewerbesteuereinnahmen.“

Bürgermeister Stief versprach, sich weiter zu informieren. Auch ein eigenes Windrad mit Bürgerbeteiligung sei noch nicht vom Tisch, wenn sich entsprechende Interessenten im Gemeindegebiet finden würden.

Keine großen Diskussionen gab es zum Antrag des Verschönerungsvereins Hohenstein, der für die Dachsanierung der Kapelle und die Komplettsanierung des Langen Hauses an der Burganlage 10 000 Euro Förderung braucht. Die rund 1,4 Millionen Euro teure Baumaßnahme, die größtenteils aus Leader-plus-Mitteln finanziert wird, soll vom Frühjahr 2013 bis zum Sommer 2015 durchgeführt werden. Noch gibt es allerdings kein Nutzungskonzept für das Lange Haus.

Das Ingenieurbüro, das den Straßenausbau in Kleedorf verantwortet, soll auch die Sanierung des Mischwasserkanals in einer Nebenstraße planen. Damit die Schüler im Sommer auch draußen Hausaufgaben machen können, werden Holztische und Bänke im Wert von 1200 Euro angeschafft, die von Bewohnern der Dorfgemeinschaft Münzinghof hergestellt werden.

Elke Bodendörfer

Erst mal genau messen

HERSBRUCK (gz) – Seit einem Dreivierteljahr berichtet die HZ immer wieder vom Projekt der Gemeinden Hersbruck und Reichenschwand sowie der Hewa, die Chancen eines Windrades oberhalb von Reichenschwand oder Hersbruck zu erkunden. Daran hat sich nichts geändert. Endgültige Messerergebnisse gibt es aber erst im Spätsommer.

Wie Hewa-Geschäftsführer Harald Kiesl der HZ bestätigte, waren die Messungen in den Wintermonaten erfolgversprechend, jetzt wird nochmals von Mai bis August oberhalb von Leuzenberg gemessen. Die Ergebnisse werden dann rechnerisch auf einen zweiten möglichen Standort oberhalb von Großviehberg übertragen, dazu kommen 30-jährige Daten vom Nürnberger Flughafen. Sollten die Ergebnisse positiv sein, so wollen sich die beiden Gemeinden für einen Standort entscheiden. Investor soll die Hewa sein, aber auch private Bürger aus den Gemeinden und dem Umland. Happurg und Kirchensittenbach wurden die Pläne mehrmals vorgestellt, im kleinen Kreis und bei Bürgerversammlungen.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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