Pfarrer Konrad Ringl starb im Alter von 88 Jahren

Schnaittach verliert prägende Persönlichkeit

So behalten ihn die Schnaittacher in Erinnerung: Konrad Ringl bei einer Messe in Sankt Kunigund. Foto: PZ-Archiv2015/03/ringl_ehrenbu__rger_schnaitt1-neu.jpg

SCHNAITTACH — Er war eine hoch geschätzte starke Persönlichkeit, die Schnaittach und die Schnaittacher über Jahrzehnte maßgeblich prägte und das bei weitem nicht nur in Glaubensthemen, sondern auch in Fragen der Mitmenschlichkeit: Konrad Ringl, Geistlicher Rat der Erzdiözese und Ehrenbürger der Marktgemeinde, ist am Samstag im Alter von 88 Jahren gestorben.

„Er war als Mensch großartig, und das wussten die Schnaittacher wirklich zu schätzen“, sagt Heinz Wandner, der ihn von Anfang an in der katholischen Kirchengemeinde St. Kunigund erlebte und begleitete. Ringl kam 1966 als 39-Jähriger in die Marktgemeinde, also zu einer Zeit, in der das Zweite Vatikanische Konzil gerade umwälzende Reformen beschlossen hatte. Dazu zählte zum Beispiel, dass sich die bis dato abgewandten Priester während der Messe den Gläubigen zuwenden sollten.

Ringl begleitete stets der Ruf, die Reform-Ideen bereits als junger Kaplan in Nürnberg, Kulmbach und Gaustadt vorweggenommen zu haben. In Schnaittach, seiner ersten und einzigen Pfarrstelle, mied er schon frühzeitig den Hochaltar und zelebrierte mit den Gottesdienstbesuchern auf der gleichen Ebene. Der Priester stand fortan mitten in St. Kunigund, von drei Seiten umgeben von Kirchenbänken. Nicht die Pfarrer und Bischöfe, sondern „die Kirche, also die Gläubigen sind das Wichtigste“, war Ringls Credo.

Messe in Bergsteigerkluft

Das weckte erst einige Skepsis in der Gemeinde, sicher nicht nur bei Wandner, wie er zugibt. Wer war dieser Seelsorger, der Traditionen kippte und auch eine gewisse Vorliebe für einfache Berg-Messen mitbrachte?. Den Gottesdienst unter dem Gipfelkreuz zelebrierte er nicht im üblichen Chorhemd, sondern in einfacher Bergsteigerkluft – immerhin mit Stola. Das zweifelnde Staunen über ihn wich aber bald schon einer bis heute anhaltenden großen Wertschätzung für diesen „sehr modernen und fortschrittlichen Pfarrer“.

Konrad Ringl, der 1927 als ältestes Kind einer Bergmannsfamilie in Auerbach auf die Welt gekommen war und französische Kriegsgefangenschaft erlebt hatte, wusste genau, was er wollte. Seine Christengemeinde richtete er bald auf das aus seiner Sicht Wesentliche aus: „Tod und Auferstehung sind die Kernpunkte des Glaubens“, predigte er. Das Symbol dafür ist das Kreuz. Und darauf fokussierte er in St. Kunigund alle Aufmerksamkeit: Selbst wenn das nicht allen in der Kirchengemeinde gefiel, ließ er den bisherigen Blickfang, das große Kunigundengemälde, verhüllen und platzierte zentral über dem Altar ein großes, hängendes Kruzifix. Was nach seiner Zeit als Pfarrer aber wieder rückgängig gemacht wurde.

Eine typische Episode, die viel über Ringl aussagt, der kein Freigeist, aber immer ein selbstständiger Denker innerhalb der Papst-Kirche war. Auch in Predigten machte er kein Hehl aus seinen Ansichten, war dabei aber kein Don Camillo. Gemeindepolitik zum Beispiel hatte für ihn am Altar nichts verloren. Sein Auftrag sei es, das Evangelium zu verkünden, und darin gehe es vor allem um eines: um Vergebung. Maßgeblich war für ihn dabei sein Gewissen. Ringl verweigerte der römischen Kurie schon mal den Gehorsam. So unterschied er nicht, wem er Kommunion erteilte und wem nicht. Geschiedene und Wiederverheiratete waren bei ihm willkommen.

Mit seiner Grundhaltung war der Geistliche seiner Zeit voraus, wie die Weihnachtspredigt von Papst Franziskus vom Dezember 2014 zeigte, in der dieser die „mentale und spirituelle Erstarrung“ der römischen Kurie öffentlich kritisierte. Ringl hat immer gesagt: „Dogmen sind für die Menschen da, aber nicht der Mensch für Gebote.“

Sehr wichtig war dem Schnaittacher stets der Beistand für verlassene, alte oder kranke Menschen, die er zu Hause besuchte. Für das soziale Leben legte er Grundstrukturen in Schnaittach. Er förderte den katholischen Kindergarten, die Sozialstation, die Tagespflege und die Gemeindebücherei, die es alle ohne ihn in der heutigen Form nicht gäbe. Ebensowenig das „Haus der Begegnung“ unterhalb der Kirche. Er unterstützte die Jugend nach Kräften, forderte sie auf, sich in Feuerwehr oder Rotem Kreuz zu engagieren und prägte auch damit viele Lebensläufe bis zu seinem Ruhestand 1997.

Dies tat er auch mit den von ihm organisierten Israel-Reisen, ins „heilige Land“, das er als „fünftes Evangelium“ bezeichnete. Jeder Gläubige sollte es seiner Ansicht nach einmal gesehen haben. Auch im Ruhestand war Ringl noch als Pfarrersvertretung aktiv und wagte sich bis ins hohe Alter noch auf Skipisten, eine seiner lebenslangen Leidenschaften. Seit fünf Jahren zog er sich mehr und mehr mit gesundheitlichen Problemen zurück. Am Samstagabend wachte er aus einem Nachmittagsschlaf nicht mehr auf. M. Scholz

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