Hersbrucker Krankenhaus und seine Angebote

Kurze Wege und ganz viel Vertrauen

Auf vier Etagen verteilen sich rund sieben Abteilungen.2013/02/5_2_1_2_20130223_KKH.jpg

HERSBRUCK – Mit seinem Beleg-Ärzte-System war es seiner Zeit bereits vor Jahren voraus. Dank diesem und der fortschreitenden Spezialisierung im Haus bei intensiver Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen, was eine ganzheitliche Wahrnehmung der Erkrankung ermöglicht, blickt das Krankenhaus Hersbruck trotz einiger Sorgen optimistisch in die Zukunft.

Es war bereits der vierte Abend, den die beiden CSU-Ortsverbände Hersbruck und Altensittenbach in der Reihe „Hersbruck erleben“ veranstalteten. Während die Zuhörer den parlierenden Ärzten im Foyer lauschten, piepste es regelmäßig aus den Stationen, Mediziner und Patienten huschten an den Stuhlreihen vorbei: Die Gäste erlebten das Krankenhaus also fast hautnah und bekamen so gleich mit, „was es alles zu bieten hat, nämlich mehr denn je“, wie Hersbrucks CSU-Ortschef Götz Reichel feststellte.

Das ist seit 2006 der Fall, seit der Wende, als das unrentable Krankenhaus vom Landkreis an den neuen Träger Klinikum Nürnberg veräußert wurde, wie Belegarzt Dr. Otto Wolze ausführte. Seitdem kommen die Hersbrucker als einzige im Verbund „mit einer schwarzen Null“ raus, mehr ist aber laut einer Studie bei der derzeitigen Gesundheitspolitik nicht drin. Nötige Investitionen sind damit nicht möglich.

Vor allem, weil sich die Vergütungen für die Krankenhausaufenthalte geändert haben – es gibt immer geringer werdende Fallpauschalen, egal wie lange ein Patient bleiben muss – und oft Honorare von den Krankenkassen nach „kritischer und bürokratischer Prüfung“ zurückgefordert werden. Außerdem lauert die Politik geradezu auf Wirtschaftlichkeit in Sachen Bettenreduzierung auf 400.000 in Deutschland (jetzt: 500.000) und Verweildauer, nur 5,5 Tage dürfen es im Schnitt pro Patient sein. Hier ist Hersbruck mit 5,4 Tagen „vorbildlich“: Waren es 2000 noch 1800 Erkrankte, die rund neun Tage blieben, sind es 2012 satte 3320 („Tendenz steigend“) in der Hälfte der Zeit.

Das geht nur mit dem seit 1953 bestehenden Beleg-Ärzte-System, das bei diesem Trend auch für das Klinikum Nürnberg der Weg zu sein scheint, sein Haus am Leben zu halten. „Die Besonderheit der Vernetzung von Ambulant und Stationär sorgt für kurze Wege und viel Vertrauen“, erläuterte Wolze, „Der Patient will auch im Krankenhaus zu seinem Arzt und der kann ihn eher entlassen, weil er ihn ja in seiner Praxis weiterbehandeln kann und ihn gut kennt.“ In Kombination mit dem hohen Anteil von 17 Fachärzten und der engen Zusammenarbeit mit den Nürnberger Spezialabteilungen sieht Wolze das alles als Stärken des Hersbrucker Standortes.

Denn: Auf den Etagen eins und zwei verteilen sich 70 Betten, davon sechs auf der Intensivstation mit drei Beatmungsgeräten, die die Praxen von Wolze und Dr. Hans Kolb samt Kollegen nutzen. Die Internisten weisen eine Auslastung von 90 Prozent im Jahr auf, der übliche Schnitt liegt bei 77 Prozent. Außerdem verfügt das Krankenhaus über Röntgen- und Endoskopieabteilungen, seit 1988 über einen OP, in dem auch die PsoriSol Tumore entfernt oder Hauttransplantationen vornimmt und in dem Dr. Hans-Heinrich Lauterbach schon über 1000 Menschen unters Messer gelegt hat, sowie seit 2008 über die „Hausärztliche Notfallpraxis“ im Erdgeschoss.

Hier leisten die Mediziner aus dem Umkreis mittwochs von 17 Uhr bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von zehn Uhr bis 12 Uhr und von 16 Uhr bis 18 Uhr ihre Bereitschaft ab. „Das ist für den Kranken eine enorme Erleichterung, weil er sich nicht erst erkundigen muss, wer wo Dienst hat“, sagte Wolze stolz. Außerdem hat sich zwei Stockwerke darüber die neurologische Intensivabteilung eingemietet, die in 30 Betten Schwersthirngeschädigte künstlich ernährt und beatmet.

In der dritten Etage hat die Verwaltung der spezialisierten ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV) ihren Platz gefunden. Von hier aus werden sechs Fachärzte vermittelt, die die Hausärzte im ganzen Landkreis bei der Betreuung von Schwerstkranken in deren letzter Lebensphase unterstützen. Während dort der Publikumsverkehr eher gering ist, sieht Wolze oft den Gang zur chirurgischen Praxis von Dr. Johannes Seitz und Kollegen „schwarz vor Menschen“.

Seit 2006 herrscht zwischen den vier Chirurgen und den Internisten im Haus laut Seitz „ein freundschaftliches Miteinander“. Sollten bei den Belegärzten einmal chirurgische Fragen aufkommen, werden die Kollegen im Erdgeschoss gefragt; wird bei einem derer Patienten aus einer ambulanten doch eine stationäre Behandlung, ist er auf Station willkommen. Das Quartett, das ab 1. April um den Orthopäden Dr. Frank Riedel erweitert wird, hat sich u. a. auf Gefäßchirurgie, Osteoporose, chronische Wunden und Sportmedizin fokussiert. Doch trotz der Spezialisierung ist für den Erkrankten wichtig, dass „man ihn als Ganzes wahrnimmt“, so Seitz, und das geht hier eben dank der guten Zusammenarbeit im Haus und den Synergien zwischen Hausärzten und Großklinikum.

Dass die Bürger der Umgebung gut versorgt sind, sieht auch CSU-Gesundheitsexperte und Landtagskandidat Norbert Dünkel so. Dennoch müsse dem Problem des (Haus-)Ärzte-Nachwuchses auf Seiten der Politik begegnet werden, beispielsweise über eine Koordination von Praxisgründungen durch den Landkreis und Teilzeitmodelle für Ärztinnen.

HERSBRUCK (ap) – „Wenn der Piepser geht, dann haben wir zwei Minuten und los geht s“, erzählte Dr. Hans Kolb im Rahmen der CSU-Reihe „Hersbruck erleben“ über den Alltag der Notärzte. 13 hauptamtliche Rettungsassisenten und 36 Mediziner stehen in ihrer Freizeit in 12 Stunden-Schichten rund 40.000 Einwohnern von Hammerschrott bis Kucha und Alfeld bis Reichenschwand in Notfällen zur Verfügung.

Aufgrund der Gebietsgröße liegt die Anfahrtszeit oft über den vorgeschriebenen 15 Minuten, vor allem dann, wenn sich die drei Standorte (Lauf und Altdorf) gegenseitig aushelfen. Der Hersbrucker Notarztdienst in der BRK-Wache ist einer von 125 in Bayern und einer „der kleinen und eher einsatzschwachen Standorte“. Er verfügt über ein sehr teures und durch Spenden mitfinanziertes Notarzteinsatzfahrzeug, eine „kleine rollende Intensivstation“ alias Rettungswagen und ein Krankentransportfahrzeug. Zwei Helikopter können aus Nürnberg angefordert werden.

Alarmiert werden die Ärzte von der Integrierten Leitstelle in der Großstadt. „Egal ob es sich um einen eingewachsenen Zehennagel oder einen schweren Unfall handelt“, für einen Einsatz bekommen Kolb und Kollegen 90 Euro bzw. 103 Euro nachts. Pro Stunde gibt s als Aufwandsentschädigung 4,80 Euro bzw. 6,80 nachts. „Die Ausbildungsanfordernisse sind aber sehr hoch“, erklärt Kolb. Das alles lockt den Nachwuchs nicht an.

Zudem haben sich die Notärzte mit Abrechnungsbürokratie herumzuärgern: „Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigung hinterfragen, ob der Einsatz tatsächlich ein Notfall war!“ Wenn nicht, gibt s kein Geld. Der Patient denkt daran sicher nicht, für ihn ist im Moment des Notrufes die Situation akut.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch