Große Bedenken

Geplante Autobahnausfahrt bei Schupf beunruhigt Bürger

Nadelöhr: Die enge Ortsdurchfahrt in Schupf ist nur einer der Gründe, warum eine Handvoll Bürger aus Kainsbach und Schupf sich gegen die von Landrat Armin Kroder und seinem Neumarkter Amtskollegen ins Spiel gebrachte Autobahnausfahrt bei Traunfeld wenden. Ihre Befürchtung: Der dadurch zunehmende Verkehr auf der LAU 25 könnte zu einer erhöhten Lärm- und Schadstoffbelästigung in einem der schönsten Täler im Kreis führen. | Foto: Porta2017/02/7852966.jpeg

KAINSBACH/SCHUPF – Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen, doch in Kainsbach und Schupf regt sich Widerstand gegen die von den Landkreisen Nürnberger Land und Neumarkt ins Auge gefasste Autobahnausfahrt an der A 6 bei Traunfeld. In einem offenen Brief an Landrat Armin Kroder äußern fünf besorgte Bürger aus den beiden Orten Bedenken gegen das Vorhaben.

Wie berichtet, erhoffen sich Kroder und sein Neumarkter Amtskollege Willibald Gailler von einer zusätzlichen Ausfahrt zwischen den rund 15 Kilometer auseinanderliegenden Abfahrten Altdorf/ Leinburg und Alfeld neue und gute Entwicklungschancen für Gemeinden wie Traunfeld, Schupf, Kucha oder Deinschwang. Zudem wären damit das Mittelzentrum Hersbruck und das Oberzentrum Neumarkt besser und leistungsfähiger an das bundesdeutsche Autobahnnetz angebunden.

„Verkehr wird zunehmen“
Obwohl das Projekt noch ganz am Anfang steht (derzeit prüft das Bundesverkehrsministerium, ob das Vorhaben überhaupt weiter verfolgt werden soll), bereiten die Pläne einer Handvoll Bürger aus Schupf und Kainsbach große Sorgen – zumal, wenn im Zuge der neuen Abfahrt die Kreisstraße LAU 25 als „Zubringer“ aus Hersbruck ausgebaut würde, wie es in einer vom Landkreis Neumarkt in Auftrag gegebenen Verkehrsstudie von Professor Harald Kurzak (TU München) anklingt: „Niemand weiß, wie sich Verkehrsströme entwickeln“, sagt Wilhelm Scheuerlein aus Schupf, „aber die Zahl der Autos würde mit der neuen Ausfahrt zunehmen, wohl auch die der Lkw.“

In einem offenen Brief an Landrat Kroder, die Sprecher der Kreistagsfraktionen, Happurgs Bürgermeister Bernd Bogner und die dortigen Gemeinderäte haben Scheuerlein sowie Heinz Bremsthaler, Jörg Meister, Uwe Raum und Robert Vogel aus Kainsbach ihre Bedenken und Sorgen zusammengefasst und eine ganze Reihe an Fragen formuliert. Zugleich wollen sie die Bürger in ihren Wohnorten über das Vorhaben und dessen mögliche Auswirkungen informieren. „Bislang ist das nicht so richtig passiert“, sagt Meister.

Er und seine vier Mitstreiter halten die LAU 25 für eine denkbar ungeeignete Anbindung an eine neue Autobahnauffahrt bei Traunfeld – aus einer Vielzahl von Gründen: Auf dem Abschnitt entlang des Happurger Stausees sind nach mehreren schweren Unfällen auf der Kreisstraße seit etlichen Jahren nur noch 70 Stundenkilometer erlaubt, heißt es in ihrem Schreiben. Dazu kommen die schlecht einsehbaren Abzweigungen nach Happurg und zu den Seeterrassen.

Gleiches gilt für Kainsbach, zudem sind die Seitenstraßen wegen der Hanglage des Ortes meist sehr steil, das Einbiegen in die Kreisstraße schon bei wenig Verkehr nicht einfach. Wegen der engen, an einigen Stellen nur vier Meter breiten und verwinkelten Ortsdurchfahrt in Schupf fürchten die fünf zudem, dass dort früher oder später „mit erheblichem Kostenaufwand“ eine Umgehung gebaut werden müsste. Für Jörg Meister hätte diese „die Zerstörung eines der schönsten Täler im Nürnberger Land“ zur Folge.

Steigt das Verkehrsaufkommen, sei auch mit einer höheren Schadstoff-, Feinstaub- und Lärmbelastung zu rechnen – letztere träfe in besonderem Maße die Einwohner von Kainsbach und Mosenhof, weil die Motorengeräusche an den verhältnismäßig steilen Steigungen am Schupfer Berg oder in Kainsbach deutlich zunähmen. Als weiteren Aspekt führt die Gruppe auch die Sicherheit der Schulkinder an, weil in Schupf und Kainsbach viele von ihnen die Kreisstraße queren müssen, um zum Schulbus zu kommen – und damit eine „bereits vorhandene Gefahrensituation verstärkt“ wird, wie es in ihrem Schreiben heißt.

Die Auswirkungen würden sich aber nicht nur auf das Happurg-Kainsbacher Tal beschränken, argumentieren die fünf Bürger. Die geplante Autobahnausfahrt könnte bei den häufig auftretenden Staus am Kreuz Nürnberg als willkommene, weiträumige Ausweichroute genutzt werden – von der Abfahrt Hormersdorf durchs Sittenbachtal hinauf nach Traunfeld. Auch viele Lkw-Fahrer könnten sich so Mautgebühren sparen.
Weitere Kritikpunkte sind die zu befürchtende Zersiedelung der „intakten Landschaft auf der Hochfläche zwischen Schupf und Traunfeld“, wenn dort wie von den beiden Landräten erhofft ein Gewerbegebiet entsteht (zumal es nur fünf Kilometer weiter in Alfeld bereits eines gibt), oder die Auswirkungen auf den Tourismus.

Auf ihren Imagebroschüren werbe die „Outdoor- und Genussregion“ Nürnberger Land mit Aufnahmen vom Happurger Stausee für eine ihrer Hauptattraktionen, bei Waller unterhält der DAV Hersbruck ein in der Region sehr geschätztes Loipennetz. „Wie verträgt sich das mit einem direkt daneben verlaufenden Autobahnzubringer?“, fragt Heinz Bremsthaler.

Im Gespräch mit der HZ-Redaktion machten die besorgten Anwohner trotz aller Kritik an den Plänen deutlich, dass sie mit ihrem offenen Brief „niemanden auf die Füße treten wollen“. Ihnen gehe es vielmehr darum, der breiten Bevölkerung ihre Ängste näherzubringen und mehr Informationen über das Vorhaben zu bekommen. Letzteres sei bislang ein großes Manko gewesen – entsprechend „verwundert“ war Wilhelm Scheuerlein denn auch, als er Ende November 2016 in der HZ erstmals von diesem Vorhaben las: „Warum müssen die Bürger der betroffenen Gemeinden davon aus der Zeitung erfahren?“

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta