Wettbewerb für Landwirte

Ackerwildkräuter: Kein Unkraut, sondern ein Naturschatz

Die Schuppenmiere ist eine von vielen Wildkräutern, die auf Äckern wachsen | Foto: privat2022/04/a456795909i0015_max1024x.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Ackerwildkräuter sind wichtig für viele Insekten, aber gefährdet. Über ihr Vorkommen auf den Feldern und wie ein Wettbewerb ihnen helfen soll.Wer hat die größte Vielfalt auf dem Acker? Noch bis Samstag, 30. April, können sich Landwirte in Mittelfranken für den Ackerwildkraut-Wettbewerb anmelden.

Krummhals, Lämmersalat, Schuppenmiere oder Blauer Gauchheil – hinter diesen ungewöhnlichen Namen verstecken sich bunte, meist recht kleine Pflanzenarten, die besonders auf mageren, oft steinigoder sandigen Äckern in Mittelfranken zu Hause sind. Oftmals vorschnell als „Unkraut“ abgehandelt, verdienen die von Fachleuten anerkennend als „Schätze“ bezeichneten Pflanzen einen genaueren Blick. Bei den spontan auf den Äckern wachsenden Kräutern handelt es sich nicht nur um selten gewordene Naturschätze, sondern auch um uraltes Kulturgut.

Angepasst an die Störungen

Die auch als „Ackerwildkräuter“ bezeichneten Pflanzen können bei uns nur auf Äckern wachsen, weil sie an diesen Lebensraum mit seinen häufigen Störungen durch die Bewirtschaftung der Bauern optimal angepasst sind. Die meisten stammen von Pflanzen ab, die mit dem Getreide und dem Ackerbau vor 8000 Jahren aus Kleinasien nach Mitteleuropa importiert wurden. Ein weiterer Teil kam mit Gemüse und Salat, die die Römer vor 2000 Jahren eingeführt haben. Der Rest stammt von ursprünglich bei uns heimischen Arten.

Von den bekannten 300 Ackerwildkrautarten sind viele klein und unscheinbar, aber ein genauer Blick offenbart die oft prächtigen Blütenfarben und vielfältige Blüten- und Wuchsformen. Allerdings geht die Zahl bunt blühender Äcker seit Jahren zurück.

Gefährdete Wildkräuter

Während Mohn und Kornblume sowie einige konkurrenzstarke Arten wie Acker-Kratzdistel und Weißer Gänsefuß auf den Äckern häufig zu finden sind, ist mehr als ein Drittel der Ackerwildkräuter heute gefährdet. Diese Arten, die alle keine Schäden anrichten, konnten sich an die starken Veränderungen im modernen Ackerbau – vor allem an den Herbizideinsatz – nicht anpassen und finden nur noch wenig geeigneten Lebensraum. Außerdem ist eine Vielzahl an Insektenarten von den Ackerwildkräutern abhängig, die wiederum als Futter für Vögel, Fledermäuse und zahlreiche andere Tierarten dienen.

Dass es in Mittelfranken noch einige dieser kostbaren Schätze gibt, stellt der Ackerwildkraut-Wettbewerb 2022 unter Beweis. Info-Flyer liegen bei den Ämtern für Landwirtschaft und den Landschaftspflegeverbänden aus. Eine Anmeldung ist bis zum 30. April erforderlich, vorzugsweise online unter www.dvl.org. Eine Anmeldung ist auch möglich, wenn das Vorkommen von Ackerwildkräutern nur vermutet wird.

Der Wettbewerb wird gemeinsam vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL), Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Biolandverband und dem BUND Naturschutz in Bayern (BN) durchgeführt. Ein Projektmitarbeiter wird im Mai und Juni alle gemeldeten Ackerflächen kartieren und sich dazu vorab mit den Flächenbewirtschaftern in Verbindung setzen.

In beiden Kategorien „Ökolandbau“ und „Konventionelle Landwirtschaft“ gibt es für den jeweils 1. und 2. Platz Gutscheine für einen Aufenthalt in einem Biohotel, die Drittplatzierten und alle weiteren Preisträger erhalten Sachpreise sowie eine Artenliste ihres Ackers.

Info

Für Rückfragen: Marion Ruppaner, BN, Tel.: 0911/81878-20, Maike Fischer, DVL, Tel.: 0981/1800 99-23, Franziska Mayer, LfL, Tel.: 08161/8640-5821 , Katharina Schertler, Bioland Bayern, Tel.: 0821/34680-121

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