Sportgericht hat Strafe noch erhöht

SC-Schock: Pasko sechs Spiele gesperrt

Ungläubiges Staunen: Feuchts bester Stürmer Szymon Pasko muss noch fünf Mal zuschauen. | Foto: Meier2018/09/PaskoSzymon-SC-Feucht.jpg

FEUCHT – Es gehört seit Jahren zu den Klassikern des mittelfränkischen Amateurfußballs, das Duell SC Feucht gegen den TSV Buch. Ende der letzten Saison war es sogar die packendste Begegnung der kompletten Saison, als die Zeidler nach hochdramatischen 90 Minuten beim 3:2 drei Punkte aus dem Nürnberger Knoblauchsland entführten. Wenn die beiden Teams am heutigen Freitagabend (Anpfiff 19 Uhr) im Waldstadion nun erneut aufeinander treffen, ist diesmal jedoch alles anders. Denn aufgrund von Ereignissen, die sich unter der Woche im 150 Kilometer entfernten Augsburg abgespielt haben, ist die Partie bereits vor Anpfiff leider zur Randnotiz verkommen.

In der Schwaben-Metropole wurde am vergangenen Dienstag eine Entscheidung getroffen, die den Sportclub aus der Zeidlergemeinde noch lange beschäftigen wird und die womöglich sogar das Saisonziel gefährden könnte: Ihr bester Torschütze Szymon Pasko wurde jetzt für seine Tätlichkeit im Spiel gegen Memmelsdorf vor zwei Wochen (Der Bote berichtete mehrfach) nachträglich für sechs Spiele gesperrt. Damit fällt Feuchts mit bislang acht Toren treffsicherster Angreifer bis zum Ende der Hinrunde aus.

Spieler Szymon Pasko (0337-8366), 1. SC Feucht, wird gemäß § 67 Abs. 2 RVO wegen einer Tätlichkeit ab 25.08.2018 für 6 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Landesliga-Mannschaft des Vereins 1. SC Feucht gesperrt.“

So steht es in dem Urteil des Sportgerichts Bayern, das dem SC dieser Tage zugestellt wurde. Für die Verantwortlichen und den Spieler ist diese Entscheidung natürlich ein Schock – und überhaupt nicht nachvollziehbar. Denn mit den sechs Spielen Sperre hat sich der Sportrichter deutlich über den Vorschlag des Verbandsanwalts, der als ausreichendes Strafmaß „nur“ vier Spiele vorgesehen hatte, hinweggesetzt.

Ein höchst ungewöhnlicher Vorgang, der zumindest in der langen Geschichte der Feuchter noch nie vorgekommen ist. Da ist sich SC-Macher Manfred Kreuzer ganz sicher: „Normalerweise haben wir mit einer Stellungnahme immer eher eine Verminderung der Strafe erreicht. Wie beispielsweise bei Paskos erster Roten Karte in dieser Saison, als die Strafe dann auf das Mindestmaß reduziert wurde, weil wie von uns beschrieben auf den Videoaufnahmen deutlich zu sehen war, dass er sich nur losgerissen hatte.“

Opfer von Geltungsdrang

Diesmal hat das Sportgericht als letzte Instanz jedoch nicht wie üblich den Vorschlag übernommen oder minimiert, sondern noch zwei Spiele draufgesattelt und damit jede Menge Ärger und Wut rund ums Waldstadion ausgelöst. Denn beim SC sind sie felsenfest überzeugt, dass sie in diesem kuriosen Fall Opfer des Geltungsdrangs eines Verbandsfunktionärs geworden sind. Namentlich von Dr. Christoph Kern.

Ganz frisch, am 1. Juli, hat der Thierhauptener (Landkreis Augsburg) das Amt des Vorsitzenden des Sportgerichts Bayern übernommen und Kreuzer ist sich deshalb sicher: „Das sind ganz neue Töne. Der Vorsitzende wollte sich mit diesem Fall wahrscheinlich nur profilieren.“ Anders ist Kerns Entscheidung, dessen Unterschrift das Urteil auch trägt, tatsächlich kaum zu erklären.

Faktenlage ist eindeutig

Die Faktenlage ist auch dank des Web-Videos eindeutig. Paskos Foul, der Stürmer wurde umgerissen und trat im Fallen nach seinem Gegenspieler aus, wurde damals vom Schiedsrichter sachlich korrekt als Tätlichkeit gewertet. Paskos Gegenspieler wurde dabei nicht ernsthaft verletzt, sondern erlitt nur ein paar Stollenstreifen am Unterarm und stand nach einer einminütigen Behandlungszeit am Spielfeldrand sogar bereit, um wieder auf den Platz und ins Spiel zurückzukehren. Zuvor wurde die Partie jedoch vom Schiedsrichter abgepfiffen.

Außergewöhnliche Begründung

Diesen Sachverhalt bestätigten sowohl der Memmelsdorfer Spieler Daniel Krüger als auch der Unparteiische David Kern (nicht verwandt mit dem Vorsitzenden) in einem Telefonat mit dem Sportgericht, dessen Abschrift dem Boten vorliegt. Auch das der Memmelsdorfer behauptet, die Streifen an seinem Unterarm noch zwei bis drei Tage gespürt zu haben, hält Kreuzer für irrelevant:. „Stollenabdrücke hat so ziemlich jeder Spieler nach einem Spiel. Das ist nicht außergewöhnlich.“

Außergewöhnlich ist da dagegen die Begründung des Dr. Kern: „Bei der Strafzumessung hat das Sportgericht Bayern insbesondere bedacht, dass die Gefährdung aufgrund des unerwarteten, unkontrollierten und atypischen Tritts nach oben auf Höhe des Gesichts – ohne erkennbare Absicht und Möglichkeit den Ball zu treffen – enorm war. Nach nochmaliger Abwägung aller tat- und täterbezogenen Strafzumessungsgesichtspunkte sieht das Sportgericht Bayern die tenorierte Strafe für angemessen, ausreichend aber auch erforderlich an.“

Darüber hinaus formuliert Dr. Kern in seiner Begründung, dass der SC mit diesem Urteil sogar noch Glück habe, da „ein derartiges Fehlverhalten eine Sperrstrafe von mindestens 3 Wochen bis zu 2 Jahren“ vorsehe.

Die große Erleichterung will sich beim SC Feucht noch nicht breitmachen, eher regiert der große Frust. „Theoretisch können wir in Berufung gehen, aber das ist völlig zwecklos und kostet nur viel Geld“, schimpft Kreuzer. Pasko muss eh schon zusätzlich zu seiner Sperre 150 Euro Strafe an den Verband zahlen und der SC hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Sportliche Katastrophe

Abgesehen von der Ungerechtigkeit ist Paskos Mega-Sperre natürlich sportlich eine absolute Katastrophe für die Zeidler. Da auch sein Sturmpartner Stephan König mit Oberschenkelproblemen auf unbestimmte Zeit ausfällt, stehen die Feuchter im Moment und wahrscheinlich auch noch länger ohne Stoßstürmer da. Und das bei einer Personallage, die mit angespannt schon freundlich umschrieben ist. Am Ziel Aufstieg wird laut Kreuzer dennoch nicht gerüttelt: „Das muss die Mannschaft eben kompensieren.“ Am besten gleich heute beim Derby gegen Buch.

So könnte der 1. SC Feucht spielen: Sponsel – Schäf, Leikam, Mbetssi, Kaya – Ahmed – Eckert, Klose, Spielbühler, Oltean – Wessner

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann