103 Operationen in drei Wochen

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Rummelsberg — Auch beim 13. Einsatz der Aktion „Feuerkinder“ konnte wieder vielen jungen Menschen in Tansania geholfen werden. Über 100 Operationen führte das Hilfsteam aus Franken während des dreiwöchigen Einsatzes in Ostafrika durch.

Schwester Marion Belzner war bereits vorab nach Tansania geflogen. Aus 291 Paketen, die aus Rummelsberg im Nkoaranga-Krankenhaus angekommen waren, hatte sie schon alle medizinischen Materialien in den neuen Operationssaal, das Gipszimmer und das Lager geräumt. Nach der Voruntersuchung von 166 Patienten am ersten Tag konnte schon am Folgetag mit den Operationen und konservativen Behandlungen begonnen werde.

Kurz vor Ankunft des „Feuerkinder“-Teams war der neue Operationssaal gerade fertig geworden, und so konnte ab dem zweiten Tag unter deutlich verbesserten und hygienischeren Bedingungen als bisher operiert werden.

An den 16 Operationstagen wurden 103 Operationen durchgeführt, davon 32 Klumpfußkorrekturen, 14 knöcherne Korrektur-Operationen an den Beinen, 7 plastische Operationen, 33 Metallentfernungen, 4 Tumoroperationen, 6 Korrekturen nach Fehlwachstum und mehrere kleinere Eingriffe. Neben den Kindern mit Verbrennungsfolgen und orthopädischen Krankheitsbildern wurden auch einige Patienten mit frischen Knochenbrüchen vorsorgt – unter ihnen auch ein 83-jähriger Patient.

Rekordverdächtig war bei diesem Einsatz die große Zahl von Gipsverbänden, die Schwester Anja Schnellbeck in den drei Wochen fertigte: 265 Gipse, davon 100 Ponseti-Gipse bei Klumpfußkindern. Mit großem Engagement führte Diakon Kurt Thierbach, unterstützt von Gottfried Pallangyo, wieder konservative Behandlungen, Gehschulen und anderes durch. Großer Wert wurde in diesem Jahr auch auf die Ausbildung einheimischer Schwestern gelegt.

Kurz bevor das 10-köpfige Team eintraf, waren die neuen Maschinen für die Orthopädische Werkstatt nach monatelanger Schiffsreise im Container in Usa River eingetroffen. Alfred Neuner aus Garmisch-Partenkirchen, der unendlich viel praktische handwerkliche Arbeit leistete, konnte die Bandsägen, Schleifmaschinen und anderen Geräte aufstellen, ausrichten und den enorm engagierten Orthopädietechniker Job einweisen.

Mit den neuen Maschinen fertigte Job schon Orthesen, also Hilfsmittel, die nur eingeschränkt funktionstüchtige Körperteile unterstützen, hier waren es Hilfsmittel vor allem für die nach der Ponseti-Methode behandelten Klumpfußkinder.

Allein am letzten Tag des Einsatzes baute er zehn Paar Schienen mit Schuhen für Kinder, die aus dem rund 1000 Kilometer entfernten Ifunda im Süden Tansanias und aus Ndolage im Westen des Landes kamen. Wenn den Kindern nun zu Hause ihre Gipsverbände abgenommen werden, können sie mit den korrekten Orthesen versorgt werden. Ein wesentlicher Fortschritt!

Während des dreiwöchigen Einsatzes hospitierte ein junger dänischer Arzt, Dr. Hendrik Juhl der in Ndolage westlich des Viktoria-Sees für drei Jahre in einem Krankenhaus arbeitet und dort begonnen hat, die Klumpfußbehandlung einzuführen. Er hatte fünf Kinder zur operativen Behandlung mitgebracht, für die – wie für alle anderen Patienten, die meist aus äußerst armen Familien stammen – die Behandlungs- und Transportkosten übernommen wurden.

Ein weiterer wesentlicher Gewinn für das „Feuerkinder“-Projekt: Ab Januar 2010 geht Dr. Annemarie Reeg, eine Orthopädin aus Berlin, für ein Jahr ins Usa River Reha Center und ins Nkoaranga-Krankenhaus, um die Klumpfußbehandlung nach Ponseti weiter zu verbreiten und einheimische Schwestern und Ärzte in dieser Behandlungsmethode zu schulen.

Mit einem großen gemeinsamen Essen aller Patienten und ihrer Angehörigen klang der 13. Einsatz im Nkoaranga-Krankenhaus aus. Alle genossen es sichtlich, einmal genügend warmes Essen zu bekommen, vor allem auch Fleischbrühe und Hühnchen, Obst und Gemüse. Obwohl sich in den vergangenen zehn Jahren im und um das Krankenhaus viel zum Positiven gewandelt hat, bleibt noch eine Menge zu tun. Deshalb bittet das „Feuerkinder“-Team weiterhin um Unterstützung .

Das Spendenkonto der Aktion „Feuerkinder“ bei der Commerzbank hat die Kontonummer 529 972 200, BLZ 760 400 61.

N-Land Dr. Annemarie Schraml/RA
Dr. Annemarie Schraml/RA