Mit Schlagbaum zwischen Franken und der Oberpfalz

Zwei Grenzgänger

Michl Gölling hält den Schlagbaum an der Grenze, Christian Oberlander fotografiert.2014/08/5_2_3_2_20140806_GRENZE.jpg

HERSBRUCK – Dort, wo Mittelfranken endet und die Oberpfalz anfängt, windet sich eine 42 Kilometer lange Grenze, der man in der Regel kaum Aufmerksamkeit schenkt. Nicht so Michl Gölling. Denn dem ist irgendwann, vor ein paar gefühlten Jahrzehnten, aufgefallen, dass die Wanderwege entlang dieser Grenze mal in die Oberpfalz, mal nach Mittelfranken führen – und keiner diese Grenzübertritte bemerkt. Damals hatte er die Idee, mal den Grenzgänger zu spielen. Es sollte Jahre dauern, bis er in Fotograf Christian Oberlander den perfekten MIt-Wanderer gefunden hatte, der die Grenzübertritte eindrucksvoll festhielt. Daraus ist jetzt eine Sonderausstellung im Hirtenmuseum entstanden, die am Freitag eröffnet wird.

„Das schönste an dieser Grenze ist, dass man sie nicht sieht“, weil doch Grenzen normalerweise negativ behaftet seien, so der 66 Jahre alte Gölling. Er, der Drucker aus der Hersbrucker Bücherwerkstatt, und Oberlander, ein Nürnberger Fotograf, schritten in drei Etappen die Grenze ab, auf den Wanderwegen zählten sie 17 Grenzübertritte. Um die zu dokumentieren, schleppte Gölling eine selbst gebaute, rotweiße Schranke bei Wind und Wetter durch die Region.

Sie sind dabei auf Kuriositäten gestoßen, wie auf einen Bauern, dessen Hof in Franken steht, er von sich selbst aber behauptet, definitiv ein Oberpfälzer zu sein – und dennoch für eine fränkische Gemeinde im Gemeinderat sitzt. Oder der ewige Grenzbeweis zwischen Hartmannshof und Weigendorf: Am Högenbach, der früher einmal das Ende der Reichsstadt Nürnberger markierte, da ab hier der pfalzbayerische Sektor anfing, steht heute noch ein Grenzstein.

Oder aber der Metallbauer Stephan Riehlein, der in der Fallmühle zuhause ist. Doch seine zuständigen Ämter sitzen in Regensburg, die Handwerkskammer dagegen in Passau – und alles wegen ein paar Metern. Oder ein Bauer, durch dessen Acker die Grenze verläuft, da wollen die Ämter in Sulzbach-Rosenberg und in Lauf „ihr Pulver“, wie es Gölling formuliert.

Zwischen 5000 und 6000 Bildern, so genau weiß es Oberlander nicht, hat er während der Wanderung 2012 fotografiert. Ein viel zu kleiner Teil davon ist nun im Hirtenmuseum ab Freitag zu sehen. Es zeigt nicht nur die Grenzübergänge, sie sind auch Zeugnis dessen, was die beiden am meisten bei der Wanderung beeindruckt hat: „Wir leben hier im Vorparadies, was Natur und Gastronomie angeht – egal ob in Franken oder der Oberpfalz.“ Und augenzwinkernd fügen sie hinzu: „Die grenzwertige Idee war doch nur eine Ausrede, um endlich mal wieder vor die Tür zu kommen. Wir wollten doch nur unseren persönlichen Triathlon machen: Essen, trinken, wandern.“ Zum Glück für die Daheimgebliebenen gibt es jetzt die Fotos samt pointierter Anekdoten zu sehen und zu lesen, von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren