Laufer Literaturtage: Horst Evers

Wortwitzig und charmant

Kabarettist und Autor Horst Evers unterhielt das Publikum bei der Lesung in Lauf aufs Beste. | Foto: Stegmeier2016/11/Horst-Evers.jpg

LAUF — Vor etwa zwanzig Jahren war Horst Evers schon einmal in Lauf, um seine im Fahner-Verlag erschienene Geschichtensammlung „Wedding“ in der Stadtbücherei vor einem noch ziemlich überschaubaren Publikum vorzustellen (die PZ berichtete). Seither, so Büchereileiterin Beate Hafer-Drescher in ihrer Begrüßung, ging es mit seiner Karriere steil nach oben – was nicht zuletzt die proppenvolle  Bertleinaula bewies.

Sobald der auf den ersten Blick eher unauffällige Autor – eigentlich Gerd Winter aus Evershorst – die Bühne betritt, verwandelt er sich in einen versierten Profi, der mit Wortwitz und starker Präsenz das Publikum aufs Beste unterhält.

Wenn er aus seinem Buch „Alles außer irdisch“ vorliest, dann tut er das mit sonorer Stimme und verteilten Rollen, gestenreich und pointiert. Dazwischen erläutert er in groben Zügen die Handlung seines Science-Fiction-Romans. Die ist schräg, geradezu aberwitzig, wenn nicht gar verworren: Es geht um die Rettung der Welt durch den Durchschnittsberliner Goiko Schulz, um Außerirdische und um eine Zeitreise, bei der unter anderem geklärt wird, warum Nietzsche den Verstand verloren hat, sowie um das große ungelöste Rätsel der Menschheit, nämlich wie es zur Pannenserie beim Bau des Großflughafens Berlin kommen konnte.

Diese Reihe peinlicher Pannen ist eine realsatirische Steilvorlage für den Autor und Kabarettisten Evers. Und obwohl sein Roman in einer fernen Zukunft spielt, am Tag der Eröffnung jenes Flughafens, steht im Mittelpunkt das Hier und Heute, die Menschen mit ihren Unzulänglichkeiten.

Im Januar erscheint ein neues Buch mit neuen Geschichten von Evers. Im zweiten Teil des Abends gibt er daraus Kostproben zum Besten und läuft dabei zur Höchstform auf. Quasi nebenbei erfahren die Zuhörer, warum der „kategorische Imperativ keine Stellung beim Sex“ ist: der Buchtitel geht auf eine Stilblüte in einem seiner Schulaufsätze zurück.

Typisch für Evers ist, wie er diese Begebenheit aufgreift, literarisch verarbeitet und mit wie viel Charme und Witz er sie dem Publikum vorträgt. Alltägliche Situationen treibt er auf die Spitze, führt sie ad absurdum und schließlich zu einer unerwarteten Pointe. Ob der missglückte Unterhosenkauf für seine Tochter, eine romantische Begegnung mit weniger romantischem Ende in Mannheim oder seine Versuche, mit den aktuellen SMS-Kürzeln klarzukommen, seine Storys kreisen ums tägliche digitalisierte Leben, sind  hinreißend komisch, regen zum Nachdenken an und sind dabei stilistisch gewandt erzählt.

Das Publikum amüsierte sich von Anfang an prächtig über Evers‘ skurrile Einfälle, seine sprachlich geschliffenen Exkursen ins Absurde sowie die gestenreich vorgetragenen Geschichten aus seinem Leben – kein Wunder, dass nach dem lang anhaltendem, begeisterten Applaus viele der Besucher nicht nur ein Buch von ihm erwarben, sondern sich ihr Exemplar gleich vom Autor signieren ließen.

N-Land Anne Stegmeier
Anne Stegmeier