Fabian Lenk bei den Literaturtagen

Wie ein spannendes Match

Fabian Lenk ist ein echter Profi, nicht nur beim Schreiben, sondern auch beim Signieren. Foto: Krieger2014/11/91595_fabianlenkliteraturtagelesung-ik_New_1415289964.jpg

LAUF — Ein Nachmittag wie ein spannendes Match: Bestsellerautor Fabian Lenk hat bei der Kinderlesung der Laufer Literaturtage in der Stadtbücherei für ausgebuchte Stuhlreihen gesorgt. Der Autor der populären Reihe „Die Zeitdetektive“ interpretierte den Band „Das Wunder von Bern“ temporeich wie ein Sportkommentator. Schlagfertigkeit bewies er in der anschließenden Fragerunde.

3,5 Millionen verkaufte Bücher und eine Themenliste, die bereits bis 2017 vorausgeplant ist: Wer schon immer wissen wollte, wie der Jugendbuchmarkt funktioniert, ist an diesem Nachmittag bei Fabian Lenk auch als Erwachsener gut aufgehoben. 250 Lesungen pro Jahr; vor allem aus seiner beliebten Reihe „Die Zeitdetektive“ bestreitet der 51-jährige ehemalige Journalist und trifft damit den Nerv.

Weder flach noch trivial sind die Bände, von denen gerade aktuell Nummer 32 erschienen ist. Schnelle Lesekost auf 150 Seiten, doch angereichert mit historischem Wissen und vielen Fakten, sodass die Reihe bei Eltern und Kindern gleichermaßen gut ankommt. Julian, Kim, Leon und Kija heißen die Protagonisten, sie reisen als Zeitdetektive mittels Zeitfenster (im Buch lat. „Tempus“) mal ins Mittelalter, mal nach Ägypten, mal nach Griechenland, mal nach Rom – ein bisschen Erd- und Sprachenkunde ist auch noch dabei bei den sorgfältig und spannend aufbereiteten Kinderkrimis für die Zielgruppe acht bis zwölf.

Das kommt auch in Lauf gut an, wo Lenk bereits zum zweiten Mal zu Gast ist, nach dem Sommerleseclub im vergangenen Jahr nun im Rahmen der Literaturtage. „Das Wunder von Bern“, Band 31 und damit noch ziemlich neu, hat er mitgebracht und zur Einführung gibt es erst eine kleine Geschichtsstunde. Die Originalfußballmannschaft von damals ist auf der Leinwand zu sehen, Lenk ist es wichtig, den historischen Bezug seiner Krimis deutlich zu machen.

Auch Orte und Namen sind großenteils authentisch: Sepp Herberger, Fritz Walter, Max Morlock und Co. liefern den Rahmen rund um das „Wunder von Bern“, bei dem sich nach dem überraschenden Sieg der deutschen Mannschaft über die Ungarn 1954 nicht nur die selbigen fragten, ob da alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Für einen Film taugte die Geschichte des WM-Siegs schon lange. Warum sollte sich nicht auch ein Kinderkrimi um diesen Stoff drehen?

Lenk hat die Lesung und die Kinder gut im Griff. Geschult durch mehrere hundert Termine in den vergangenen Jahren, ist sein Auftritt in der Laufer Bücherei der eines Trainers, der seine Mannschaft auf die große Begegnung einschwört, im Notfall mit direkten Worten, so wie es im Fußball üblich ist. Im Stil eines Sportkommentators galoppiert er durch die relevanten Passagen seines Buches, flicht immer wieder zusätzliche Informationen ein, macht Scherzchen und reagiert blitzschnell auf Zwischenrufe.

„Action, Spannung, Fakten“ – das Motto seiner Bücher ist auch das des Nachmittags, bei dem das junge Publikum trotz des rasanten Tempos gut bei der Stange bleibt und im Anschluss den Spieß umdreht: Da muss der Bestsellerschreiber, der sich als Schalke-Fan outet, beweisen, dass er nicht nur eine Fußballreportage liefern kann, sondern auch harte Fakten.

Warum die Bilder im Buch nicht bunt sind, sondern nur schwarzweiß, will ein Mädchen wissen. Weil die Bücher sonst nicht mehr für unter zehn Euro verkauft werden könnten, erklärt Lenk. Und das sei der Preis, der noch bereitwillig gezahlt werde. Ob er bereits Millionär sei, lautet eine weitere. Da lässt sich der 51-Jährige lieber nicht drauf ein. Er verdiene gut, doch so viel, wie mancher meine, auch nicht, sagt der Schriftsteller.

Wichtig ist gute Vorbereitung

Einen Rat hat der Autor dann auch noch an sein junges Publikum: Gut vorbereiten solle es schulische Themen, dann brauche es sich keine Sorgen zu machen. Schließlich braucht der 51-Jährige zum Schreiben eines neuen Buches im Schnitt nur zehn Tage: dank guter Vorabrecherche und eines durchstrukturierten Exposes.

Ein lehrreicher Nachmittag, der nicht auch zeigt, was die meisten Erfolgsautoren heute sind: Teil einer großen Maschinerie, die sich Literaturbetrieb nennt. Ob die Jungen und Mädchen das an diesem Nachmittag verstanden haben, sei allerdings dahingestellt. Sie freuten sich im Nachgang vor allem auf die kostenlosen Autogrammkarten.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger