„Acoustic Blue Mama“

Wenn in der Kirche die Plätzchen tanzen

Wenn Renate und Jochen Braun von „Acoustic Blue Mama“ das „Gloria“ anleiten, singen die Hersbrucker gerne mit. | Foto: U. Scharrer2019/12/Acoustic-Blue-Mama-3.jpeg

HERSBRUCK – Renate und Jochen Braun alias „Acoustic Blue Mama“ luden zu sich nach Hause an den Kamin ein. So heimelig fühlte es sich zumindest an, als die beiden mit Gitarre und Gesang amerikanische Weihnachtslieder zum Besten gaben.

Ganz ohne Ironie sind die englischsprachigen Weihnachtsklassiker ja nicht: Wenn ein Kind mitbekommt, wie seine Mutter den Weihnachtsmann küsst („I saw Mommy kissing Santa Claus“), Bob Dylan gleich ankündigt, sich bis nach den Feiertagen zu verkrümeln ( „Christmas Blues“) oder eine noch voll dem Konsumrausch Erlegene den Weihnachtsmann umschmeichelt, ihr Zobel, Yacht und Cabrio unter den Christbaum zu legen ( „Santa Baby“), ist die Feiertags-Idylle schon gebrochen. Dennoch, die aufmerksame und einfühlsame Begleitung durch Jochen Braun an der himmelblauen E-Gitarre ließ durchaus Stimmung entstehen – auch wenn das gleichmäßig helle Licht im Saal der Evangelisch-methodistischen Kirche nicht gerade kuschelig wirkte.

Bei einem Konzert unter Freunden und langjährigen oder erst zu erobernden Fans darf auch einmal ein Ton schräg klingen; Renate Braun überzeugte allerdings neben ihrer warmherzigen und zugewandten Art des Singens vor allem mit feinem Humor, nuanciertem Gesang zwischen Jazz und Blues und erstaunlichen Imitationen der knarzigen Stimme Bob Dylans oder des sandigen Baritons von Louis Armstrong. Auch die Einlagen mit Mundharmonika und Kazoo waren ganz im Stil der festlichen Americana.

Als „automatische Besinnlichkeitsbremse“ schob Thomas C. Breuer die textlastigeren Teile des Abends zwischen die Musik. Seine ziselierten und ausgefeilten Gedichte und Wortspielereien las der Hüne im christbaumkugelroten Zweiteiler mal mit betont stoischer Miene, mal mit meisterhaft nachgeahmten Akzenten und Dialekten ab.

Aus der Prinzenrolle

Die neue Medienwelt („Alexa, lass es schneien!“), die Deutsche Bahn, die europäischen Königshäuser („Elton John als Nachfolger der Queen Mum“, „Prince Andrew fällt aus der Prinzenrolle“), die rapide schrumpfende Anzahl des ursprünglichen Dutzends „Heiliger Könige“, das Wetter („Tief Donald“ und die „Orkanspende“) – an diesem Abend bekamen so einige ihr (Braten-)Fett ab, zum Gaudium des Publikums. Hersbruck wurde kurzerhand zur „Glühweinmetropole“ gekürt, wo die Bürger „zimtsternhagelvoll“ das Fest begehen.

Die Kombination aus Weihnachtsliedern, auch gerne einmal französisch oder neapolitanisch mit Banjobegleitung, und beißenden Texten erwies sich als verdaulicher als manche vorweihnachtliche Süßwarenüberdosis.

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