Seniorenresidenz Hohenstadt

Wenn die Türme Hersbrucks verrutschen …

Fotokünstlerin Barbara Henning erklärt vor ihren „Türmen“, wie sie vom Ursprungsmotiv zur fertigen Arbeit kommt. | Foto: U. Scharrer2019/12/Barbara-Henning-Hohenstadt-19-1.jpeg

HOHENSTADT – Die Markgrafenresidenz in Hohenstadt kann sich über eine neue Optik im Eingangsbereich freuen: Private Sponsoren, die Diakonie vor Ort und Mitglieder des Verwaltungsbeirats haben Originale der Fotokünstlerin Barbara Henning aus Hersbruck angekauft und bekamen noch fünf Arbeiten als Dauerleihgabe für die Bibliothek obendrauf gepackt. Die Bilder bringen ein farbenfrohes, einladendes Flair in das Foyer der Seniorenresidenz.

Barbara Henning sorgt mit ihren künstlerischen Fotografien mit Hersbrucker Motiven dafür, dass ein Gefühl der inneren Verbundenheit mit der Kunst an der Wand entsteht. Dies gelingt bereits den Werken von Ernst Pflaumer, von dem seit längerem etliche Originale und Drucke im Haus verteilt sind.

Dem Engagement von Birgit Wülfert vom Verwaltungsrat ist es nun zu verdanken, dass erneut „Kunst vom lebenden Künstler“ angekauft wurde, die alles andere als beliebig ist und statt dessen für ein Heimatgefühl sorgen kann. Die Bewohner, die nicht selten einen Ort verlassen haben, an dem sie sehr lange gewohnt haben, könnten es zu schätzen wissen, von Abbildern der Heimat umgeben zu sein, die sie so gut kennen.

„Da stimmt was nicht“

Sieht man sich Hennings Fotografien an, dann merkt man allerdings ziemlich schnell: „Da stimmt doch etwas nicht!“ Die Motive, die man hundertmal gesehen hat, das Rathaus, die Türme Hersbrucks, die Sartorius’sche Mühle, sie alle verrutschen etwas, schieben sich übereinander und sorgen so für eine gewisse Irritation. Henning erzeugt diese manipulierten Arbeiten am Computer aus eigenen Fotografien, die sie kombiniert. Sehr bewusst wählt sie Motive aus, die sich ergänzen oder einen reizvollen Kontrast erzeugen.

Es stellt sich die Frage: Warum das Ganze? Die fränkische Szenerie ist schließlich auch ohne Manipulationen sehenswert. Der Moment der Irritation vor dem Bild ermöglicht dem Betrachter einen frischen Blick, wenn er die Bruchstücke seiner Erinnerung danach durchforstet, wie dieses Motiv „eigentlich“ auszusehen hätte. Das hat ein gewisses kommunikatives Element, einen „Ich sehe was, was du nichts siehst“-Effekt.

Bewohner und Besucher können sich darüber austauschen, was man sieht oder nicht sieht, was einem fehlt, was sich verschoben hat – und von da aus ins Gespräch kommen über andere Dinge, die sich verändert haben, die man vermisst oder die man mit frischen Augen zu sehen gelernt hat.
So wird die Kunst an der Wand zum Abbild des Lebens an sich, wo es mit zunehmendem Alter mehr Brüche und Lücken gibt, wo Dinge, Gewohnheiten, Erinnerungen, das Gedächtnis oder gar Menschen verloren gehen.

Hauch Frühling

In einer kleinen Feierstunde mit Hausbewohnern, der Hausverwaltung in Person von Harald Pohl, Bauherrn Walter Maisel und der Diakonie vor Ort mit Pflegedienstleitung Christine Pickel und Matthias Oursin erläuterte Barbara Henning ihren Bildfindungsprozess. Anschließend führte ein Wohnungseigentümer durch eine neu gestaltete Bildergalerie im ersten Stock, wo hervorragend gerahmte Fotografien englischer Gärten einen Hauch Frühling ins Wintergrau bringen.

Interessierte können sich tagsüber die Bilder im Foyer gerne ansehen, wer weiter ins Haus hineingehen möchte, sollte mit der Hausleitung der Diakonie einen Termin vereinbaren (09154/915230), um die Privatsphäre der Hausbewohner nicht zu verletzen.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren