Christoph Gerling stellt im kleinen Kunstmuseum aus

Wenn der Raum zur Kunst wird

Ina Schönwald (Leiterin des Laufer Stadtarchivs), Bürgermeister Robert Ilg, Christoph Gerling und Kunst-Kollege Hubertus Hess bei der Eröffnung.2015/07/5_2_3_2_20150702_KUNST1.jpg

HERSBRUCK – Das war ganz große Wertschätzung: „Ein Mensch, der horizonterweiternd unterwegs ist“ (Bürgermeister Robert Ilg), „eine Triebfeder in der Künstlerszene“ (Kollege Hubertus Hess) und dazu „unprätentiös“ (Ina Schönwald, Leiterin des Laufer Stadtarchivs) – schöner konnte die neue Ausstellung von Christoph Gerling im Kunstmuseum für ihn wohl nicht eröffnet werden.

Das winzige Kunstmuseum am Spitaltor ist ein Unikum in der fränkischen Kunstszene: klein, schrägwinklig, bucklig. Es stellt Künstler vor eine Herausforderung: Wie können die beiden Räume und der Treppenaufgang bestückt werden, so dass sich die Kunst ins Kleine fügt? Für Christoph Gerling ist das Kunstmuseum Teil seiner Kunst, wenn er sie dort – wie jetzt – ausstellt. Der 78-Jährige ist der Meister des Details, er liebt die Akkuratesse. Haargenau und wasserwaagengeprüft fügen sich seine schwarzen Kohlezeichnungen, die an Vollmonde erinnern, auf den weißen Wänden zu den fast gleichformatigen Fenstern, so dass der Eindruck entsteht, man schaue in einen Nachthimmel mit mehreren Monden. Es wirkt: poetisch. Und plötzlich: eine Fliege auf dem Putz. „Die muss hier weg“, verscheucht der Künstler vom Deckersberg das Tier – es stört das Arrangement.

Schrullig ist das nicht. Für den Künstler spielt der Raum eine fast ebenso große Rolle wie die Kunst selbst. Auch auf dem Papier: Der Raum, der ihm das Format für Tusche, Radierung oder Druck bietet, ist nie willkürlich ausgefüllt. Bestens zu beobachten ist das auf den von ihm mit Tusche verfremdeten Fotos. Wer nah rangeht, wer das Detail sucht, verirrt sich im Dickicht, wer den verzweigten Linien folgt, verliert den Blick fürs Große aus den Augen. Der allerdings findet sich wieder, wenn man Raum und Abstand zwischen sich und das Bild lässt – mit Abstand betrachtet ist das Eigentliche wieder sichtbar.

Abstand im Kunstmuseum auf einer Vernissage zu bekommen ist selbstverständlich utopisch: Dicht standen die Besucher in den Kammern, glänzend unterhalten von der Klezmer-Band „Bachmaier & Waag“, bei sardischen Köstlichkeiten, ausgeschenkt unterm Tor. Natürlich, Sardinien, die zweite Heimat des 78-Jährigen. Aus Italien hat er auch Studien ausgestellt, feinste Tuschezeichnungen von Bäumen, hier war es das Licht, das ihn faszinierte und das er mit haargenauen Strichen einfing, indem er das Weiß des Papiers stehen lässt. Anders dagegen die Zeichnungen, die 1981 entstanden sind: Sie zeigen die Kraft und die Eleganz von Ballett-Tänzern, die Dynamik scheint aus dem Bleistift zu fließen. Wer bei den teilweise sehr aufwändigen, weil vielfarbigen Drucken im Erdgeschoss an Landschaften erinnert wird, könnte Recht haben, sagt Gerling. Er mag es, wenn seine Gäste interpretieren, viel erklären mag er nicht.

Raum für Interpretationen ließ die Rede seines Künstler-Kollegen Hubertus Hess aus Nürnberg nicht: Er ist ein bekennender Gerling-Fan. Hess ist aus der Künstlergruppe „Der Kreis“, die älteste noch bestehende Vereinigung bildender Künstler der Nachkriegszeit in Franken, in der auch Gerling, einst Lehrer an der Akademie der Bildenden Künste, mitmischt. „Er hat immer das Frischfleisch aus der Akademie für den Kreis besorgt“, auch ihn holte er in die renommierte Truppe, zu der auch der Kettensägen-Holz-Künstler und Neu-Professor Christian Rösner gehört.

Als weiterer Gerling-Fan outete sich auch Bürgermeister Ilg, der zu Hause einige Werke des Künstlers hängen hat. „Ballett auf der Bühne mag ich nicht – aber die Ballett-Zeichnungen von ihm sehr.“

Die Ausstellung ist Mi, Do, Fr von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 16 Uhr vorerst bis zur Sommerpause ab 17. August geöffnet.

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