Umjubeltes Gastspiel

Weltklasse-Jazz in Dehnberg

Zwei musikalische Größen: Dieter Köhnlein am Piano und Gitarrist Uwe Kropinski. Die beiden sorgen mit einer ungewöhnlichen Instrumentenkombination für ausgefallene Effekte. Foto: Stegmeier2013/10/70930_koehnleinkropinskidht_New_1381152667.jpg

Begeisterten Applaus für über zwei Stunden Jazz vom Feinsten, gespielt von zwei Ausnahmemusikern, gab es am Wochenende im Dehnberger Hof Theater nach dem Auftritt von Dieter Köhnlein und Uwe Kropinski.

Schon mit dem ersten Stück zieht Uwe Kropinski, einer der profiliertesten Jazz-Gitarristen Deutschlands, das Publikum in den Bann. Er trommelt rhythmisch auf seinem Instrument, bevor er in die Saiten greift und ihnen Töne entlockt, die eher an einen E-Bass erinnern als an eine klassische Gitarre. Dabei sind seine Haltung – der Hals der Gitarre ragt ähnlich wie beim Cello nach oben – und die Grifftechnik unorthodox.

Zur den Klängen des Saiteninstruments schleicht sich das Klavier dazu, und die beiden Musiker erzeugen eine höchst konzentrierte Stimmung. Das zweite Werk des Abends, „April“, ist eine Komposition von Kropinski und passt doch hervorragend zum Herbst – ein treibender Rhythmus und melancholische Melodik laden ein zum Träumen.

Musikalische Grenzen gibt es für die beiden nicht. „Fleurs de Sahara“ ist Dieter Köhnleins persönliche Erinnerung an Nordafrika. Der gebürtige Ansbacher tourt mittlerweile um die ganze Welt, ist regelmäßiger Gast bei großen Festivals. Kropinski imitiert bei dem faszinierenden Stück mittels seiner ausgefeilten Schlagtechnik auf seiner Gitarre afrikanische Trommeln, und ein Schellenkranz am Fuß gibt den Takt vor.

„Von f zu f und zurück“ ist trotz des witzigen Titels ein ernsthaftes und spannendes Experiment mit Tönen. Dazu singt Kropinski. Er bedient sich eines eindrucksvollen Obertongesangs, beginnt mit dem F, reiht nach und nach weitere Töne dazu. Gitarre, Klavier und Gesang verschmelzen zu einem archaisch anmutenden Gesamten. Und immer wieder überzeugen die beiden durch perfektes Timing, durch ein außergewöhnliches musikalisches Verständnis und großartiges improvisatorisches Können.

Die Soundeffekte, die sich mit der Gitarre erzeugen lassen, scheinen endlos: Kropinski schrappt über die Bünde, dämpft die Saiten oder kratzt darüber hinweg, dann benutzt er den Korpus wieder als Schlaginstrument oder erzeugt mit angefeuchteten Fingern quietschende Geräusche auf der Gitarrendecke. Doch nie sind diese Geräusche Selbstzweck, sie sorgen für überraschende Wendungen und geben die unterschiedlichsten Stimmungen wieder.

Das Publikum war restlos begeistert von den Künstlern und entließ die beiden erst nach zwei heftig geforderten Zugaben.

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