Ausstellung im Feuchter Rathaus

Warum Menschen fliehen

Eindringliche Zitate regen in der Ausstellung zur kritischen Auseinandersetzung mit einer schwierigen Thematik an. | Foto: Voss2019/04/asylausstellung.jpg

FEUCHT – Bis zum Freitag, 12. April, zeigen der Markt Feucht und der Helferkreis für Flüchtlinge und Asylsuchende die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“. Eindringliche Bilder und Hintergrundinformationen vermitteln im Atrium des Rathauses, warum Menschen fliehen und welche Hindernisse sie auf ihrer Suche nach Schutz überwinden müssen. 

Der Nigerianer Victor Nnamadim hat die Flucht über das Mittelmeer überlebt. Über den Nachbarstaat Niger flieht er zunächst nach Libyen. Sechs Tage und Nächte ist der Schweißer dort auf einem Pick-Up-Truck durch die Wüste unterwegs. In der Heimat ist sein Leben in Gefahr, eine Rückkehr bleibt damit ausgeschlossen.

Nach seiner Flucht über das Mittelmeer („Ich dachte, hier solltest du nicht sein, Victor. Aber es ist gut gegangen.“) ist Nnamadim inzwischen in München, das Asylverfahren läuft. Er hat nur einen Wunsch: „Mein Traum ist, dass meine Familie zu mir nach Deutschland ziehen kann.“ „Asyl ist Menschenrecht“ erzählt Nnamadims Geschichte.

Für Thema sensibilisieren

Ernst Klier vom Helferkreis für Flüchtlinge und Asylsuchende war es ein Anliegen, auf die Nöte der Menschen aufmerksam zu machen, die gezwungen sind, ihre Heimat mit ungewissem Ziel zu verlassen. Bei seiner Recherche stieß er auf die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“.

„Wir können nur hier vor Ort etwas für die Menschen tun“, betont auch Klaus-Peter Päuser, Sprecher des Helferkreises. Mit der Ausstellung wolle die Unterstützergruppe die Besucher weiter für das Thema Asyl sensibilisieren. Päuser weiß die unbürokratische Hilfe durch den Markt Feucht zu schätzen, der für die Ausstellung das Rathaus Atrium zur Verfügung stellt.

Im Metzhaus neben dem Rathaus hat der Markt schon 2016 dem Helferkreis Räumlichkeiten für dessen regelmäßige Treffen überlassen. Seit seiner Gründung im Jahr 2015 sind im Helferkreis ehrenamtlich engagierte Menschen aktiv, die Wert darauf legen, überparteilich und überkonfessionell zu arbeiten. Um ein Koordinationsteam gruppieren sich thematisch gegliederte Arbeitsgruppen, die sich unterschiedlichsten Fragen bei der Unterstützung Asylsuchender widmen.

Die Zielsetzung: Menschen auf der Flucht sollen die Ankunft und das Einleben in der Gemeinde erleichtert werden.

Viele neue Fragen

Nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe war die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, noch nie so hoch wie heute. Mitte 2018 waren 68,8 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Die hitzigen Debatten zur Marschrichtung der Asylpolitik in der Europäischen Union dauern an.

Die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ führt anschaulich und nachdrücklich vor Augen, wie ernst die politische Gesamtsituation nach wie vor ist. „Jedes Bild spricht für sich“, betont dritter Bürgermeister Gerd Steuer anlässlich der Ausstellungseröffnung am vergangenen Wochenende. Bei deren musikalischer Untermalung setzten Nathalie Haas und Dr. Michael Tschöpe auf internationale Liedtexte mit Tiefgang.

Neben Informationstafeln lebt die Ausstellung von intensiven Fotografien, die durch Zitate ergänzt werden: Sätze wie: „Man kann nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zu einem großen Friedhof wird“ rütteln den Betrachter auf und werden zum Anreiz, mehr zum Thema erfahren zu wollen.

Die Schautafeln ergänzen QR-Codes, die zusätzliche Erläuterungen liefern. Steuer ist sich sicher, dass das Thema Asyl so unter anderem auch interessant für Schulklassen unterschiedlicher Altersgruppen wird. „Asyl ist Menschenrecht“ beantwortet viele Fragen und wirft zweifelsohne neue auf.

N-Land Susanne Voss
Susanne Voss