Atmosphärisch dichte Chornacht in Rummelsberg

Warmer Klang in der Kirche

Harmonisch und ausgewogen: die gastgebende Kantorei Rummelsberg mit dem Kinderchor. | Foto: Spieß2016/06/kantorei-rummelsberg.jpg

RUMMELSBERG – Insgesamt vier Erwachsenen-Chöre, ein Kinderchor und ein Orchester gestalteten am Samstagabend in der Philippuskirche die erste Rummelsberger Chornacht. Beteiligt waren die Kantorei Rummelsberg, der Kammerchor Franconia Vocalis, die Kantorei Schwarzenbruck, der Fürther Pfadfinderkinderchor MTA 62, der Chor der Martin-Luther-Gemeinde in Postbauer-Heng mit Band und Orchester des Neuen Burgthanner Streichensembles.

Über 200 Sängerinnen, Sänger und Musiker erfreuten die Konzertbesucherinnen und -besucher mit Chorwerken großer Meister aus vier Jahrhunderten. Die voll besetzte Kirche wurde dazu dezent illuminiert – stimmig zu den unterschiedlichen Liedvorträgen.

Die Rummelberger Chornacht war in jeder Hinsicht sehr gelungen – einzig die Pause geriet mit einer dreiviertel Stunde zu lang.

Den Programmauftakt machte Thomas Greif mit der „Orgelfanfare“ von Robert Jones, die dieser extra für die Rummelsberger komponiert hat. Das mächtige Ende des Stückes zeigte deutlich, dass der Titel bestens gewählt ist.

400 Jahre Chorlieder

Den Chorreigen eröffnete dann die gastgebende Kantorei Rummelsberg unter Leitung von Klaus Bucka, die zusammen mit dem Fürther Kinderchor drei Chorsätze von John Rutter sehr ausgewogen und harmonisch präsentierten: Dankbarkeit und Respekt vor der Schöpfung kamen dabei überzeugend zum Ausdruck. Mit Orgelbegleitung und von der Empore aus folgten drei „Laudate Dominum“-Versionen von Christopher Tye, Robert Jones und Christopher Tambling – zwei gesangliche Lobpreisungen aus dem 16. Jahrhundert und ein zeitgenössisches Werk.

Eine „Promenade durch drei Jahrhunderte europäischer Chormusik“ bot die Kantorei Schwarzenbruck, geleitet von Manfred Meier-Appel: Felix Mendelssohn-Bartholdys Motette „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ intonierten sie in strahlend hohen Tönen, denen die Herrenabteilung in den tieferen Lagen aber durchaus ebenbürtig war. Muntere, fröhliche Volksliedsätze wie „O Täler weit, o Höhen“ nach einer Eichendorff-Dichtung und „Wie lieblich ist der Maien“, aber auch andächtig-ergreifende Lieder – u.a. „Hebe Deine Augen auf“, Bruckners „Locus iste“, Bruchs „Gebet“ und Regers „Abendlied“ – zeigten das große Spektrum des Chores, allesamt kontrolliert und sensibel interpretiert.

Nach der Pause war dann der ausdrucksstarke Nürnberger Kammerchor Franconia Vocalis unter Leitung von John Lidfors mit weltlicher Musik aus ihrem aktuellen Programm „Liebesfreud – Liebesleid“ zu hören.

Ausdrucksstarker Vortrag

Vom Nürnberger Barockmeister Hans Leo Hassler über Johannes Brahms, Claudio Monteverdi, Claude Debussy bis hin zu George Gershwins romantischem „Embraceable You“ spannte sich der stimmkräftige und ausdrucksstarke Vortrag der Sängerinnen und Sänger. Schöner können Wehmut und Schmerz, aber auch Freude und Glück kaum vermittelt werden. Seine verhalten-melancholische, aber auch dynamisch-dramatische Umsetzung macht den Chor zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Den Abschluss bildete schließlich der Martin-Luther-Chor Postbauer-Heng, dirigiert von Gunther Reichenbach, mit der Messe 2012 von Michael Schütz für Chor, Band und Orchester. Den Instrumentalpart steuerte das Neue Burgthanner Streichensemble bei. Schütz verarbeitete in dem Werk den lateinischen Messetext in einer modernen, pop- und jazzinspirierten Version: Stimmungsvolles „Kyrie“, poppig-rockiges „Gloria“ mit einem hymnischen „Amen“, ein feierliches „Sanctus“, das überraschend zum Gospel mutiert, und am Ende ein stimmiges, friedvolles „pacem“ – das mag hinsichtlich der wilden Stil-Mixtur nicht jedem gefallen, die musikalische Umsetzung durch den Chor und das Orchester war jedoch gelungen.

Dass die nach dem Konzert geplante Feuerjonglage vor der Kirche wegen des Regens ausfallen musste, das tat der überaus gelungenen Chornacht keinen Abbruch. Denn das gemeinsam gesungene „Nun ruhen alle Wälder“ nach dem Schlussgebet von Pfarrerin Gabriele Gerndt war ein ergreifendes und würdiges Ende eines stimmungsvollen Konzertes.Erich W. Spieß

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