Crowdfunding-Aktion

Von Hersbruck in die weite Filmwelt

Konzentration an der Kamera: Für Hannes Linhard (Mitte) kein Problem. | Foto: privat2020/07/Linhard.jpg

OFFENHAUSEN/BERLIN – Einfach mal etwas ganz anderes machen und sich dabei einen Traum verwirklichen: Das möchte der gebürtiger Hersbrucker Hannes Linhard mit seinem Filmprojekt „Generation Tochter“.

„Schon während meiner Schulzeit habe ich Filme gedreht“, erzählt Hannes Linhard, der bis zum Abitur in Offenhausen gewohnt hat. Dann zog es den 23-Jährigen nach Berlin – „das Ziel, wenn man sich für Medien und Film interessiert“. Zunächst für ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Defa-Stiftung, die sich ums deutsche Filmerbe kümmert, erklärt er.

Linhard blieb gleich in der Hauptstadt, um dort Filmwissenschaft zu studieren. „Das Studium ist aber sehr theoretisch, weil es um Analyse und Geschichte geht.“ Das allein reicht ihm nicht. Nebenher schneidet er Streifen, arbeitet mal als Beleuchter bei einem Horror-Film und lernt an Uni und über Partys immer mehr Leute aus der Branche kennen.

Zusammen mit seinem theoretischen Wissen und eigenen Erfahrungen wächst vergangenen Sommer eine Idee in ihm heran: ein Action-Thriller mit weiblichen Hauptrollen als No-Budget-Produktion. „Action-Filme sind meist Hollywood-Blockbuster mit muskelbepackten Typen. Wird mal einer mit Frauen gedreht, ist es eher ein Drama, denn Dramen sind im Kontext Film tendenziell weiblich konnotiert“, erläutert Linhard seine Gedanken.

Die gesellschaftlichen Veränderungen seien in der Filmlandschaft noch nicht angekommen, findet er. „Aber für mich ist ein Film mit einer gesellschaftlichen Wirkung verbunden.“ Gemeinsam mit „erfahrenen Co-Produzenten, denn das bin ich nicht“, kristallisierten sich nach und nach Projekt, Story und Umsetzung heraus: Es geht um Clara, ihre Mutter, ihre Ziehmutter – „die beiden sind wie Ying und Yang“ –, die RAF, eine Romanze mit einer Frau und einen männlichen Bösewicht, „der Claras Vater sein könnte“.

Ideen lieferte und steuert noch immer ein Kollektiv aus über 40 Menschen bei, führt Linhard aus. „Corona war eine riesige Herausforderung, weil sonst trifft man Leute, die fürs Team in Frage kommen, auf Partys oder in Cafés.“ Doch letztlich halfen digitale Medien. Eine straffe Organisation, Kommunikationsportale und Excel-Listen machen den geordneten Austausch im Kollektiv möglich.

Schnitt oder was?

Zudem habe im Kernteam jeder seine spezifischen Aufgaben. „Ich bin einer von vier Executive Producern und stehe rechtlich und finanziell für das Projekt ein.“ Außerdem hat Linhard den Drehbuchprozess begleitet und durfte das kreative Team aus Regisseurin, Mitarbeitern für Kostüm, Maske etc. zusammenstellen. „Die arbeiten nun alle selbstständig in ihren Bereichen, da sie darin erfahrener sind als ich.“ Linhard könnte nun neue Dinge übernehmen. „Ich hätte schon große Lust, den Film zu schneiden, aber das entscheidet die Regisseurin.“

Doch vorher muss der Action- Thriller erst einmal in Berlin und Umgebung sowie in Sachsen-Anhalt gedreht werden. „Die Finanzierung eines Einsteigerprojekts, zumal einer No-Budget-Produktion, ist unglaublich schwer“, verrät er. Denn auch wenn die Beteiligten ohne Lohn arbeiten, koste so ein Streifen dennoch viel Geld. Der Grund: Fahrtkosten, Genehmigungen und mehr.

„Die Filmförderung hier ist keine Kunst-, sondern eine Wirtschaftsförderung“, bemängelt Linhard. Ein ehrenamtliches Projekt, das nicht auf Kommerz ausgelegt ist und in zwei Etappen realisiert werden soll, passe von der Struktur her nicht in die Förderung. Linhard & Co. hätten auch nach Co-Produktionsfirmen gesucht, „aber die waren wegen der Angst vor einer zweiten Corona-Welle zurückhaltend“. Außerdem wolle das Kollektiv unabhängig bleiben. So blieb am Ende nur das Crowdfunding, über das bis 3. August 9000 Euro für Festplatten, Transport, Requisiten und den ersten Drehblock zusammenkommen sollen.

Reif für die Festivals

Derzeit werkeln die Verantwortlichen noch an Konzept und Storyboard, gibt Linhard einen Einblick in die Planung. Im November soll dann „so viel wie möglich gedreht werden“. Anschließend sind eine zweite Finanzierungsrunde – 18 000 Euro für die Kulisse – sowie der erste Teil der Postproduktion vorgesehen. Dreh zwei soll am Jahresanfang erfolgen. „Wir wollen bis Oktober 2021 fertig sein, weil da viele Einreichungsfristen für Filmfestivals enden. Und die sind der einzige Weg, den Streifen unter die Leute zu bringen.“ Der Traum: die Berlinale.

Und auch persönlich träumt Hannes Linhard – davon, Kinofilme zu schneiden. „Perspektivisch werde ich mich an der Filmhochschule für Schnitt und Montage bewerben.“ Doch eigentlich reizen ihn, den Allrounder, viele Dinge am Film: „Ich möchte nicht den Rest meines Lebens im Büro hinter der Schneidemaschine sitzen.“

Die Crowdfunding-Kampagne läuft noch bis 3. August unter www.startnext.com/generation-tochter

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