Nachhollesung der Literaturtage Lauf: Nicola Förg mit Michaela May

Von „Bauernschädeln“ und Umweltsündern

Michaela May und Nicola Förg in der Aula der Bertlein-Schule. | Foto: Dorn2016/12/Michaela-Mey-und-Nicola-Foerg-2.jpg

LAUF — Nicola Förg ist eine fleißige Autorin, die neben neun „Weinzierl“-Krimis bereits ihren siebten „Mangold“-Krimi veröffentlicht hat. Um das letzte Buch aus dieser Alpenkrimi-Reihe, „Das stille Gift“, ging es bei der nachgeholten Lesung im Rahmen der Laufer Literaturtage. Mit dabei als Vorleserin: die mindestens ebenso fleißige Michaela May, die – wie verlautbart – bereits in über 200 Kino- und Fernsehfilmen zu sehen war. Ein potentes Duo also.

Die beiden Organisatorinnen Beate Hafer-Drescher und Renate Grabmeier können aufatmen, denn die nachgeholte Veranstaltung mit dem Duo Förg und May läuft rund, und die Aula der Bertleinschule in Lauf ist voll mit überwiegend weiblichen Fans – wen wundert’s, es geht ja schließlich um eine Krimi-Lesung.

Autorin Nicola Förg und Hauptinterpretin Michaela May präsentieren sich gut aufgelegt, prima aufeinander eingestimmt und praktisch zupackend: Gleich zu Anfang räumen sie eigenhändig die Tischdekoration ab, bevor sie mit ihrer Show beginnen.

Alpenkrimis haben so ihre Tücken; auf diesem Gebiet tummeln sich mehrere durchaus bekannte Schriftsteller und Autoren. Deswegen betonen beide sehr sympathisch, aber auch sehr dezidiert, dass Folklore und schenkelklopfende Oberbayerngaudi in diesem Krimi zugunsten eines ernsten, lebensnahen Themas zurückzustehen habe. Und überhaupt, Nicola Förg ist nun mal die Erfinderin dieses Genres, da beißt die Maus keinen Faden ab. Dann aber ins Eingemachte, und zwar schnell und präzise.

Intensiv und genau recherchiert hat die Autorin, daran bleibt im Verlauf der Lesung kein Zweifel, und mit der Thematik des Krimis – es geht inhaltlich um Umweltverschmutzung – setzt sie sich engagiert auseinander. Ihr persönlicher Hintergrund trägt dazu sicherlich bei; immerhin lebt sie mit einer ganzen Menagerie an Tieren auf ihrem Grundstück.

Ihr Appell an die Zuhörerschar in diesem Zusammenhang: Hinterfragen, zweimal hinschauen, nicht alles glauben, schon gar nicht, wenn es um die Ernährung geht.

Spannend und mit geschulter Stimme liest Michaela May Passagen aus dem Krimi vor, lässt die handelnden Personen Gestalt annehmen, zeigt ihre Macken und Eigenheiten – egal, ob es sich um die Kommissarinnen Irmi und Kathi oder um Betroffene und Verdächtige handelt. Nicola Förg gibt zwischen diesen Leseteilen eine komprimierte und fast immer humorvoll unterlegte Zusammenfassung dessen, was derweil passiert ist. So ist das Auditorium stets auf dem Laufenden.

Trotz der vielen Anwesenden – es herrscht konzentrierte Aufmerksamkeit, nur unterbrochen von Gelächter, wenn Michaela May wieder einmal die bäuerlich-derbe Fäkalsprache bedient und die für den Spannungsbogen notwendigen skurrilen beziehungsweise deftigen Situationen plastisch schildert. Ansonsten ist es ein ernstes Thema, wenn Nutztiere massenweise an einem Botox-ähnlichen Gift sterben (clostridium botulinum) und das auch einfühlsam und trotzdem brutal geschildert wird.

Mehr nebenher und doch intensiv geht es auch um Bauernstolz, Bauernschläue, Bauernschädel und was diese Mischung anrichten kann. Dennoch: Stereotype und Klischees werden klein gehalten, derber Humor und deftige Sprache reichen aus, um die Handlung unterhaltsam und dynamisch fortschreiten zu lassen.

Der freundlich-fröhlich-lockere Dialog auf dem Podest zeigt: Da haben sich zwei gesucht und gefunden, da schaffen beide vereint, das Publikum zu fesseln und die Geschichte kurzweilig und dennoch seriös zu erzählen. Was sie unterscheidet, fasst May prägnant zusammen, als beide gefragt werden, wo sie ihre besten Ideen hätten: „Bei mir muss es fließen, bei dir muss es stinken“.

Wie es sich gehört, endet die Lesung mit einer action-reichen Szene, doch die Auflösung wird nicht verraten. Dafür kündigt Nicola Förg an, dass bereits zum Frühjahr ein weiterer gesellschaftskritischer Krimi fertig sein wird, der den Titel „Scharfe Hunde“ trägt. Die Krimi- und Förg-Fans dürfen darauf gespannt sein.

N-Land Reinhard Dorn
Reinhard Dorn