Schlosshofserenade Collegium musicum

Ungarische Klänge vor dem Schloss

Hironaru und Masako Saito (vorne) begeisterten mit Flötenklängen. | Foto: M. Ermer2019/07/IMG_5128.jpg

HERSBRUCK – Bange Blicke zum Himmel und dann ein erleichtertes Aufatmen, als das Wetter doch hielt: Die Schlosshofserenade des Collegium Musicum verbreitete mit Werken von Haydn, Liszt und Brahms sowie einem Flötenkonzert von Doppler klassische Klänge im Innenhof des Hersbrucker Amtsgerichts.

Die Serenade stand in diesem Jahr deutlich unter dem Einfluss ungarischer Musik. Mit ganz unterschiedlichen Stücken, von traditionellen Volksliedern bis hin zur Ouverture von „Armida“, eines als Kammeroper aufgeführten „Dramma erotico“ von Joseph Haydn nach einem Text des italienischen Dichters Jacopo Durandi, entführten die Musiker unter Leitung von Susanne Pflaumer in die Zeiten der Donaumonarchie.

Dreiteilige Ouvertüre

Mit der dreiteilig angelegten Ouverture eröffnete das Orchester den Abend mit einem vielgestaltigen, von den Streichern begonnenen Werk und erst nach einigen Takten einsetzenden Bläsern.

Danach gab es Applaus für die beiden Flötenspieler Hironaru und Masako Saito. Das Ehepaar, dessen Wurzeln in Japan liegen, ist inzwischen bei Ensembles und Projekten in Franken tätig und spielte bei der Serenade das d-Moll-Konzert von Albert Franz Doppler gemeinsam mit dem Orchester.

Virtuosität beeindruckte

Der Auftakt des „Allegro maestoso“ wurde dabei von diesem mit sehr ruhigen Klängen gestaltet, bevor die beiden Querflötisten einsetzten. Der zweite Satz „Andante“ hingegen zeigte sich eher getragen mit großen Teilen, in denen lediglich die Harfenspielerin des Collegium Musicum die Flöten begleitete. Mit ihrer Virtuosität beeindruckten sie im abschließenden „Allegro“ bei großen Soloteilen erneut und erhielten dafür vor nahezu ausverkauftem Publikum begeisterten Applaus.

Als Zugabe versprach das Ehepaar Saito ein japanisches Volkslied, mit dem die beiden Flötenvirtuosen als kleinen klanglichen Kontrast zu den Stücken des restlichen Abends ein Beispiel der Musik ihres Heimatlandes boten, wiederum begleitet von der Harfenistin. Neben ihrem verdienten Beifall gab es Blumen für die beiden.

In der Pause, bei der die Gäste die Möglichkeit auf Erfrischungen gerne wahr nahmen, begann es zu tröpfeln und erste Blicke gingen gen Himmel. Glücklicherweise hielt sich der Wettergott aber an die Vorhersage und so konnte nach kurzer Zeit weitergespielt werden.

Voller Körpereinsatz

Ein Abbruch wäre auch schade gewesen: Es folgte die Ungarische Rhapsodie Nr. 6, der „Pester Karneval“, um die Mitte des 19. Jahrhunderts komponiert vom Klaviervirtuosen Franz Liszt, in der Orchesterfassung von Doppler. Die charakteristischen ungarischen Melodien und Rhythmen versetzten die Zuhörer sehr gut in diese Zeit zurück. Und Orchesterleiterin Susanne Pflaumer dirigierte ihr Ensemble wieder einmal mit beeindruckender Intensität, nicht nur mit schwingendem Taktstock, sondern mit vollem Körpereinsatz und ganz im Einklang mit der aufgeführten Komposition.

Zum Abschluss folgten Johannes Brahms´ „Ungarische Tänze für Orchester“. An die vorangegangenen Melodien fast nahtlos anknüpfend, war trotzdem eine große Variabilität und Abwechslung in den Stücken spürbar. Stellte Liszt seine Stücke noch in rhapsodischen Kontext, erschuf Brahms eigene Originale, so dass diese zu Recht als idiomatisch adaptiert wurden.

Kräftiger Applaus

Beim Schlussapplaus verschafften sich die Streicher durch Klopfen ihrer Bögen auf die Notenständer Gehör – schon die Zugabe vorbereitend, kam Susanne Pflaumer fast nicht dazu, ihre Blumen als Dank anzunehmen. Zwischen den folgenden zwei Stücken vor der tollen Kulisse des Schlosses verlieh sie ihrem „Danke“ an ihre Orchestermusiker ebenfalls mit einer Blume für jeden Mitspieler Ausdruck. Und die Zuhörer spendeten ihrerseits noch einmal kräftigen Applaus für die Leistungen an diesem wunderbar klassischen Sommerabend.

N-Land Michelle Ermer
Michelle Ermer