Kunstfenster der Sparkasse

Starke Farben, aufgelöste Perspektiven

Druckstöcke von Holzschnittarbeiten im Stil expressionistischer Künstler, gefertigt von Teilnehmern des W-Seminars Kunst am Paul-Pfinzing-Gymnasium. Foto: U. Scharrer2015/02/5_2_3_2_20150211_SPAR.jpg

Ein Frauengesicht in Blau, Gelb und Grün- hat etwa der Fasching bereits das Kunstfenster der Sparkasse erreicht? Nein, das W-Seminar Kunst Q12 des Paul-Pfinzing-Gymnasiums hat keine Hommage an die momentan herrschende fünfte Jahreszeit geschaffen, sondern sich in ihrem Unterricht mit dem Expressionismus auseinandergesetzt.

Diese Stilrichtung des frühen 20. Jahrhunderts richtete sich gegen den Naturalismus in der Malerei. Stattdessen wollten die Maler ihre Gefühlsregungen bildlich darstellen. Dabei kamen ungemischte, starke Farben zum Einsatz, die Motive wurden häufig stark vereinfacht und kantig zugespitzt, die traditionelle Perspektive aufgelöst. Soweit die Theorie, die sich die Schüler mit ihrer Kunsterzieherin Karin Plank-Hauter auch einverleibt haben.

In einem W-Seminar soll es aber auch um Praxis gehen, und so hat sich jeder Seminarteilnehmer auch in Form und Farbe, mit Stechbeitel oder Bleistift mit einem Vorbild dieser Epoche auseinandergesetzt. Nicht, um eine Kopie eines expressionistischen Werkes zu schaffen, sondern um Arbeitsweise, Stilmittel oder Motivwahl ebenso zu „durchfühlen“, wie es den berühmten Vorbildern ein Anliegen war.

Die Ergebnisse dieser Annäherung sind bis zum 26. Februar im Kunstfenster der Sparkasse zu sehen, etwa die dynamischen Fußball-Skizzen von Tobias Wunderle. Sein Vorbild Ernst-Ludwig Kirchner übte sich im „Schnellzeichnen“ und so suchte sich auch Tobias Modelle, die rasch unterwegs sind: Fußballspieler auf dem Sportplatz. Die stolzgeschwellte Brust eines rasch laufenden Balljägers, der Kopfball und die dramatische Blutgrätsche hat er mit entschiedenem Strich erfasst. Katrin Gleich hat im Stil von Alexej Jawlensky den bereits erwähnten „bunten“ Frauenkopf gestaltet, noch etwas weniger gewagt und viel harmonischer wirkt Antonia Schutts „Haus und Baum“. Es orientiert sich an der Malweise Gabriele Münters, der langjährigen Lebensgefährtin Jawlenskys.

Jonas Kiefer wagte sich gar wie sein Vorbild Erich Heckel an eine Holzskulptur und durfte feststellen, wieviel Widerstand dieses Material bietet. Die heitere Verspieltheit im Spätwerk von Henri Matisse fängt Bettina Spießl mit ihrem Scherenschnitt-Leporello perfekt ein. Jennifer Gengs „Schlafende“ knüpft eher an das Frühwerk von Matisse mit den Einflüssen des Orients an. Lara Dienlin hat Paul Klees farbstarke Aquarelle in zarte Orientimpressionen umgewandelt. Theresa Böhms Arbeiten befassen sich mit den Auswirkungen des Expressionismus auf die Architektur und Christine Cirbus nähert sich mit ihren „Filmstills“ dem ästhetischen Grusel des expressionistischen Films à la „Dr. Caligari“ an.

Beim W-Seminar handelt es sich um einen wissenschaftspropädeutischen Kurs der Oberstufe. Jeder Seminarteilnehmer hat sich auch in der Technik des Holzschnitts versucht, der die bei den expressionistischen Künstlern so beliebte Reduzierung und Ausdruckskraft ermöglichte. Eine beeindruckende Collage aus den von Druckerfarbe geschwärzten Druckstöcken rundet das von „Kopf und Hand“ gestaltete Kunstfenster ab.

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N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer