Ausstellung im Stadthaus

Stadt, Land, Kunst, Stadthaus

Ingrid Pflaums PegniX – der Fluss steht im Mittelpunkt. Foto: Will2015/07/5_2_3_2_20150702_KUNST.jpg

HERSBRUCK – Dass Kunst und Kapital sehr wohl zusammenpassen, bewies die Sparkasse Hersbruck seit 1983 nahezu jedes Jahr: Sie bot in der Schalterhalle teilweise mehr als 70 Künstlern eine Plattform, um einmal im Jahr Bilder und Skulpturen regionaler Kunstschaffenden auszustellen. Doch die Bank musste umbauen und die Künstler fürchteten, obdachlos zu werden. Das passiert in dieser Stadt jedoch nicht: Den Malern, Bildhauern, Teppichknüpfern oder Holzschnitzern wurde das Stadthaus zur Verfügung gestellt. Kunst ist nun ohne Schwellenangst zwischen Standesamt und Bücherei vom Erdgeschoss bis zum Sitzungssaal zu bewundern.

Die Sparkasse bleibt als Sponsor bestehen, die Stadt – allen voran Bürgermeister Robert Ilg – freute sich bei der Eröffnung, dass die Kunst so nah ans Volk kommt durch die Ausstellung zwischen den Behördengängen.

Die Künstler haben sich neu aufgestellt, sie firmieren nun unter dem Zeichen eines filigranen Hirsch, der Slogan heißt Stadt, Land, Kunst. Das vorgegebene Thema der aktuellen Ausstellung war schlicht, einfach und dennoch äußerst interpretationsoffen „Pegnitz“. Das Heimatgewässer wurde von 67 Künstlern so unterschiedlich umgesetzt, wie keine Bengerz-Welle der anderen gleicht. Und da die Schau eine Jedermann-Schau ist, hängen die Produktionen der Autodidakten und die der Profis dicht nebeneinander.

Hobbykünstlerwerke (vom Typ Baumarkt-Deko-Ecke über großformatige Pegnitz-Farbstudien bis hin zum liebevollen Aquarell) also neben einer abstrakten Zeichnung vom „Studierten“ Christoph Gerling, ehemaliger Lehrer an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Auch dazwischen: das hintersinnige Pegni-X von Ingrid Pflaum, Leiterin des Hirtenmuseums, die früher einmal Porzellanmalerin gewesen ist. Oder die „PEGNIXe“ von Power-Maler Gerd Bauer, der diesmal auf Ziegen verzichtete, und noch eine Nixe von Schrottumwandler Reiner Zitta. Die Mischung macht s und das macht die Ausstellung im Ganzen sehr sehenswert.

Wie gewieft einige an das Thema Pegnitz herangingen, zeigte Ingeborg Löffler. Die Dame ist 85 Jahre alt, liebenswürdig, auf den ersten, oberflächlichen Blick würde man sie im vhs-Kurs für Naive Malerei vermuten. Weit gefehlt. Sie reduzierte das Thema Pegnitz aufs Äußerste: ein waagerechter Schnitt in die Leinwand, darüber ein nach oben aufsteigender Schnitt, dahinter tiefes Blau. Die Erklärung: Das Bild zeigt das Gefälle der Pegnitz, vom Ursprung bis zur Vereinigung mit der Regnitz maßstabsgetreu – Chapeau für Mut und Idee.

Holz, Pastell, Stoff, Wachs, Keramik, Tusche, kaum ein Material bleibt unbeackert. Ungewöhnlich auch der Gobelin von Grete Hoideger, deren Spaziergänger an der Pegnitz an Joan Miros Figuren erinnern. Schön auch, dass nach Jahrzehnten mittlerweile generationenübergreifend ausgestellt werden kann: So hängt ein Ölbild von Walter Plank ganz in der Nähe der witzigen Mal-Fotos seiner Tochter Ute: „Die Kahlfresser II: Die Dürers auf der Pengarz“ – erst beim zweiten Blick fällt auf, dass die Fotos von HZ-Fotograf Jürgen Ruppert mit gemalten Figuren von Ute Plank angereichert wurden.

Es war proppenvoll im Stadthaus, die Leut‘ schoben sich zu Klängen der Blechbläser „Die Blechstifter“ durchs Gebäude, blieben hier hängen, staunten und lachten da, wie bei der Holzskulptur von Andreas Hauter: „Bootstour“ heißt die und zeigt einen Untergang. Wer den beobachten möchte, hat bis 30. Oktober Zeit.

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