Doppelkonzert mit Bobmila und Monika Roscher

Soul Sisters im Zeichen des Jazz

Junge Sängerin mit großer Zukunft: Mila Fischer vom Duo BobMila mit ihrem Vater Bob.2015/07/roscher3_New_1437746701.jpg

ALTDORF – Am Anfang eines herausragenden Konzertes im Rahmenprogramm der Wallensteinfestspiele stand zunächst einmal Dank: Günther Kraußer von den SoulBuddies begrüßte mit Leo Kalavrouziotis bei angenehm sommerlichen Temperaturen das Publikum im nahezu ausverkauften malerischen Innenhof des Wichernhauses. Der Wallenstein-Sommer sei einfach ein großartiges Ereignis und darum galt Kraußers Dank dem Wallensteinfestspielverein, der die Vorarbeit zum vielfältigen Rahmenprogramm geleistet habe. Unter den Gästen waren an diesem Abend auch drei private Förderer des Konzertes, die zwar nicht namentlich genannt werden wollten, aber sich sicherlich über den großen Applaus gefreut haben.

Der Konzertabend gehört zwei jungen Musikerinnen: der sechzehnjährigen Mila Fischer von der Altdorfer Band BobMila und der Jazz-Gitarristin Monika Roscher, die mit ihrer 18-köpfigen Bigband gekommen war, um mit herausragendem Können musikalische Grenzen zu überschreiten.

Mila Fischer und ihr Vater Bob sind gemeinsam BobMila. Eine Einheit, hör- und nicht nur in ihrem berührenden musikalischen Vortrag spürbar, als sie das Konzert gemeinsam mit den musikalischen Altdorfer Urgesteinen Rolf Scharrer am Bass und Klaus Rickerl am Schlagzeug eröffnen. Mila singt zutiefst gefühlvoll von der Unvorhersehbarkeit des Lebens, von all den Unwägbarkeiten, die es bereithält, mit einer gigantischen Gänsehautstimme, die sie mit ihrem Geigenspiel bereichert. Spürbar setzt sie ihren ganz eigenen musikalischen Weg fort, den Bob Fischer behutsam mit ihr gemeinsam geht. Und so interpretiert sie den Song ihres Vaters „Silent Cry“ mit ebenso viel Hingabe wie ihre Eigenkomposition „I have seen a tiger“, bei der Bob Fischer sie das erste Mal am Piano begleitet. Es macht richtig Spaß, die jahrzehntelange Erfahrung eines Rolf Scharrer und gleichzeitig die immer sicher werdenden musikalischen Gehversuche von Mila Fischer zu erleben. „Pick up all the pieces of your heart and let me peer inside“ singt sie kurz vor Ende ihres Konzertes: „Heb’ all die Scherben deines Herzens auf und lass mich hineinsehen“. Eine berührende Stunde lang hat sie einen Blick in ihr Herz einem hingerissenen Publikum gestattet, dessen nicht endender Applaus danke dafür sagt.

Extrem experimentierfreudig

Und dann nimmt sie die Bühne ein und mit ihr die gigantische Anzahl von 18 Musikern: Die Jazz-Gitarristin, Sängerin, Komponistin und Echo-Preisträgerin Monika Roscher. Ihr Auftritt im Minikleid mit Cowboy-Stiefeln lässt eine Ahnung aufkommen, dass sie vor allen Dingen eines ist: freiheitsliebend und grenzenlos experimentierfreudig. 2010 gründete die Absolventin der Musikhochschule München eine Bigband mit Kommilitonen, die beinahe aus Versehen zu einem orchestralen Ereignis geworden ist, das neben der Rhythm-Section aus je vier und mehr Posaunen, Trompeten und Saxophonen besteht.

Roscher ist eine energiegeladene Allrounderin, die komponiert, dirigiert und deren Singstimme einen Blick in ihr Innerstes gestattet. Das erste Stück sei ein Stück über Vögel, erzählt die Künstlerin dem Publikum.

Mit dem Aufnahmegerät sei sie im Wald gewesen und habe erst den Sound nachgespielt, dann „runtergepixelt“, verlangsamt und erst danach musikalisch umgesetzt. Genauso ist ihre Musik: sehr viel Gefühl, das in einem herausragenden musikalischen Crossover mündet, der ungebremst Grenzen überschreitet. Sie begegnen sich dabei jugendlich-stürmisch: die Rhythm-Section und die Brass-Fraktion und das auf musikalisch höchstem Niveau. Gefällig plätschernde Sounds sind das ganz sicher nicht, das weiß Roscher, auch, als sie ihren erklärten Lieblings-Song, den „Terror-Tango“ anmoderiert, aber so ist Jazz in Reinkultur eben. „Jazz ist der spontanste Ausdruck menschlichen Seins“ hat der Trompeter Manfred Schoof einmal gesagt. So, als habe er geahnt, dass es irgendwann einmal eine Monika Roscher geben wird.

Die erzählt in Altdorf danach die Geschichte eines Wüstenreiters, der halluziniert; ein Titel, der offen lässt, ob er nun Agonie beschreibt oder am Ende ein Happyend hat. Auch wenn einige Zuhörer im Publikum die musikalische Herausforderung Monika Roscher zu groß finden, ist doch der Applaus frenetisch. Und darüber freut sich die gebürtige Langenzennerin aufrichtig und sehr sympathisch. Weil sie und ihre Orchestermitglieder nicht nur eine Band, sondern erkennbar Freunde sind, die die Zuhörer mit einer ganzen Reihe von Soli mitreißen. Irgendwann endet so ein fulminanter Abend im Zeichen von Musik, Freiheit und Jugend. Oder, um es mit Quincy Jones’ Worten zu sagen: „Ich will Musik, bei der ich eine Gänsehaut habe.“ Am 17. Oktober werden die SoulBuddies eine ganz besondere Stimme nach Altdorf holen: Ami Warning, die Sängerin mit den karibischen Wurzeln, die ihre Lieder mit viel Soul, Blues und Reggae-Anklängen im Betsaal des Wichernhauses präsentieren wird. Susanne Voss

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