Band im Interview

„Shark Tank“ und ihr harter Musik-Stil

Gökan Sahiner, Philipp Pickel, Axel Schuhmann, Martin Grad und Daniel Geissler (von links) alias Shark Tank stellen am 25. Oktober ihr neues Album im Citykino Hersbruck vor. | Foto: Nioryn Fotografie2019/08/sharktank.jpeg

HERSBRUCK – „Shark Tank“ steht für Post-Hardcore und Metalcore made in der Hersbrucker Schweiz. Auch wenn die meisten der fünf Jungs mittlerweile weggezogen sind, treffen sie sich einmal pro Woche zum Proben in Hersbruck. Bald bringen sie ihr zweites Album heraus und gehen auf Deutschlandtournee. Auch bei Rock im Park waren sie dabei.

Sie sind bei Rock im Park auf der Bühne gestanden. Wie kam’s?
Axel Schuhmann: Das war ein Contest von Lidl und Radio Energy. Bands konnten sich im Vorfeld um einen Auftritt auf der Lidl Rock-Store-Bühne bewerben. Wer weiterkam, durfte auftreten. Wir waren Samstag dabei und den Organisatoren hat es anscheinend so gut gefallen, dass wir abends noch mal auftreten durften.

Haben Sie einen Blick hinter die Kulissen des Festivals werfen können?
Philipp Pickel: Nein. Die Organisation bei Rock im Park ist im Vergleich zu anderen Festivals echt streng. Im Backstagebereich darfst du dich kaum aufhalten.

Post-Hardcore und Metalcore ist Ihr Ding. Wieso gerade dieser Stil?
Gökan Sahiner: Weil’s geil ist.
Axel Schuhmann: Das ist eine reine Gefühlssache. Die Texte bleiben nicht an der Oberfläche wie bei anderen Genres, sondern sind tief gehend und gesellschaftskritisch. Die Musik ist pure Energie und es macht Spaß, diese auch rüberzubringen.

Die Technik macht’s

Bei dieser Musik wird viel geschrien. Wie funktioniert das, ohne sich die Stimmbänder kaputt zu machen?
Axel Schuhmann: Das Schreien oder auch Screaming ist eine Gesangstechnik, die man lernen kann. Wenn man sie beherrscht, kann man auch nach fünf Auftritten hintereinander noch normal reden.

Was drückt das Screaming aus?
Gökan Sahiner: Es verstärkt die Message des Liedes und die Emotionen.
Daniel Geissler: … und bringt mehr Aggressivität oder Ausdruck ins Lied.
Axel Schuhmann: Es gibt dem Lied auch eine andere Dynamik. Aber wichtig ist, dass man den Text trotzdem noch verstehen kann. Das unterschätzen viele.

Es gibt Leute, die sagen, dass das keine „richtige Musik“ sei.
Axel Schuhmann: Das haben die Leute in den 50ern auch über den Rock’n’Roll gesagt. Das muss sich einfach erst eingliedern. Es ist einfach Geschmackssache, so wie jeder Musikstil.

Will man als Hardrocker überhaupt zum Mainstream gehören?
Philipp Pickel: Es wäre schon schön, wenn mehr Leute die Musik hören würden. Aber man will eher seinen eigenen Mainstream bilden.

Themen aus dem Leben

Wie entstehen eure Texte?
Axel Schuhmann: Die stammen von mir. Ich verarbeite darin Themen aus dem Privat- oder Arbeitsleben aber auch solche, die man aus den Medien mitbekommt. Die anderen Bandmitglieder lesen dann drüber und wir überarbeiten den Text noch mal gemeinsam.

Sie singen unter anderem auch auf Hochzeiten. Wie geht das mit Metalcore zusammen?
Durch meine Berufsmusikerausbildung bin ich breit aufgestellt und mache eigentlich alles, außer Schlager und Klassik. Ich nehme die Einflüsse für die Musik mit Shark Tank aber nicht nur aus dem Hardcore, sie kommen beispielsweise auch aus dem Pop. Im Grunde kann man alle Musikstile auf ein paar Akkorde als gemeinsamen Nenner herunterbrechen.

Wie gut kann man hierzulande als Berufsmusiker leben?
Recht gut. Ich verdiene mein Geld hauptsächlich mit Gesangsunterricht. In Nürnberg, wo ich arbeite, hab ich mich gut etabliert. Auch auf Hochzeiten bin ich gut unterwegs. Und ich bin einer der wenigen, bei denen man das Screaming lernen kann. Das macht zirka ein Drittel meiner Schüler aus.

Phrasen über Phrasen

Ihr seid in den letzten Zügen für euer zweites Album. Um was geht es in den Liedern?
Gökan Sahiner: Es sind teilweise gesellschaftskritische Themen und auch die Vergangenheit spielt viel mit rein.
Axel Schuhmann: Ein Song erzählt zum Beispiel von Phrasen, die einen bis zu seinem Lebensende begleiten. Wie alles angefangen hat und dass die Träume damals zu groß erschienen, man aber trotzdem sein Schicksal herausgefordert hat. Aber auch davon, dass man nicht allein ist und nicht alles unbedingt schaffen muss. Und dass die Familie nicht nur aus Blutsverwandten, sondern auch aus Freunden besteht.

Womit sind Sie gerade beim Album beschäftigt?
Philipp Pickel: Zurzeit ist es ziemlich stressig. Jeder nimmt daheim seine Sets auf und im Studio in Nürnberg wird dann alles zusammengemixt.

Wird es noch ein drittes Album geben?
Gökan Sahiner: Ich glaube es wäre klüger, Singles rauszubringen. Dadurch bleibt man regelmäßiger im Gespräch. Und es kostet weniger.

Wie teuer ist ein Album und wie finanziert ihr es?
Axel Schuhmann: Inklusive Promotion, Vermarktung und zwei Videos kommt es auf zirka 10 000 Euro. Knapp 6000 Euro, das sind die Produktionskosten und die Videodrehs, wollen wir durch Crowdfunding im Internet finanzieren. Der Rest kommt von uns und aus der Bandkasse.

Noch bis 30. August kann das Crowdfunding-Projekt von Shark Tank im Internet unter https://bit.ly/31ovFiA finanziell unterstützt werden. Am 25. Oktober tritt die Band beim vierten „Sharkarama“-Festival im Citykino Hersbruck auf. An diesem Tag erscheint auch das neue Album.

N-Land Marina Gundel
Marina Gundel