Erste Schreibwerkstatt in Hersbruck

Schreiben als Befreiung

Autor Peter Schön stellte sein "Häftlingsbuch KZ Hersbruck" vor. | Foto: A. Kopp2019/10/DSC_1596.jpeg

HERSBRUCK – Initiiert von Hans Jürgen Schulz und Eleonore Blaurock-Busch, fand die erste Veranstaltung der Schreibwerkstatt im Stadthaus Hersbruck statt. Schulz, Gründungsmitglied der Schreibwerkstatt Lauf, möchte auch in Hersbruck einen Ort des freien Schreibens und Diskutierens schaffen.

Als Einstieg wählten die Organisatoren einen Vortrag über das KZ Hersbruck von Peter Schön, Autor des Erinnerungsbuches „Häftlingsbuch KZ Hersbruck“. Zu Beginn veranschaulichte dieser anhand von Fotos kurz die elenden Umstände im Konzentrationslager, dann las er aus seinem Buch vor: aus dem Leben des Oskar Johannes „Hannes“ von Miller, dem unbekannten Onkel von Blaurock-Busch, wie sich später herausstellte.

Miller war noch ein Junge, als er seine Dienste als Führknecht den Nationalsozialisten zur Verfügung stellen musste. Mit seinem Pferdegespann transportierte der damals 12-Jährige Lebensmittel, Baumstämme und Leichen für das NS-Regime. Er hatte nicht verstanden, dass er von den Nazis benutzt wurde. Diese Erkenntnis kam erst später und er wollte seine Geschichte niederschreiben. Befreiend sei das Schreiben für viele Überlebende gewesen, so Schön. Opfer wollten Erlebtes verschriftlichen und sich zugleich davon lösen.

Er unterstützte sie dabei, überarbeitete und ergänzte Biografien wie die von Alfred Nerlich oder Hannes von Miller und begann so selbst zu schreiben. Es seien Aufklärungsarbeit und Erhalt der Erinnerungskultur, die ihm am Herzen lägen, so Schön, denn „sich nicht zu erinnern ist mangelnder Respekt vor dem Leid der Opfer“, zitierte er frei eine spanische Journalistin.

Zugegeben, es war eine schwere Kost zu Beginn der Schreibwerkstatt, doch sie regte zur Diskussion an, über Erinnerungskultur und Vertuschungsversuche und inspirierte zu eigenen Werken. Zuletzt wurden noch einige Schreibproben rezitiert, unter anderem von dem irakischen Autor Khaled Khudayda, der seit 2016 in Hersbruck lebt und sein Gedicht „Im KOMM“ vortrug. Die erste Schreibwerkstatt war gelungen, viele weitere sollen folgen – wann und wo, das ist laut Organisatoren noch nicht bekannt.       Anna-Lena Kopp

N-Land Hersbrucker Zeitung
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