Festival für Behinderte und Nichtbehinderte in der 8. Auflage

Roll over Bellhofen lockte 1000 Besucher an

Heimbewohner aus dem Oberland bei ihrer Tai-Chi-Vorführung.2014/09/88932_rolloverbellhofenzuschhoerer_New_1411318864.jpg

GROSSBELLHOFEN — Gelebte Inklusion konnte man beim „etwas anderen Konzert“, beim Roll over Bellhofen, mit über 1000 Besuchern auf dem Großbellhofener Sportplatz erleben. Menschen mit oder ohne Behinderung waren gleichermaßen angetan von dem 8. Open Air Event und lobten die prima Organisation der Veranstaltung.

Trotz des Regenwetters am Samstagnachmittag war das Festival wieder ein voller Erfolg. Hier erlebte man Inklusion wie es besser nicht sein konnte. Das Festival ist fester Bestandteil im Veranstaltungskalender von „Vereint e.V“ und bei den von der Löwschen Einrichtung betreuten Personen nicht mehr wegzudenken. Neben den heimischen Gästen wie der Lebenshilfe Lauf oder vergleichbaren Einrichtungen aus der Umgebung, besuchte auch eine Gruppe aus Tschechien diese besondere Spätsommerparty. Auch Gäste vom Altdorfer Wichernhaus kamen mit ihrem Betreuer zum Festival.

Dass solche integrativen Veranstaltungen unterstützt werden müssen, dies war durchweg die Meinung der Gäste, die nicht durch Behinderungen eingeschränkt leben müssen. So sahen das auch der Laufer Waldemar Burger, der mit seiner Frau zum ersten Mal als Gast zu Besuch war. Schade fanden die beiden nur, dass nicht mehr Einheimische das Festival besuchten. „Viele Leute haben halt doch Berührungsängste mit Menschen die etwas anders sind“, sagt der 66-jährige, dem die Musik gefiel und der im nächsten Jahr wieder kommen will.

Die Begrüßung erfolgte durch den 1. Vorsitzenden des Vereins „Vereint e.V.“ Klaus Tyrach. Wie alljährlich ließ es sich Guido Winter, ein Heimbewohner in Oberachtel, nicht nehmen ebenfalls ein paar Worte an die Gäste zu richten. Man konnte nicht alles verstehen, aber der Mann mit der Schirmmütze erhielt nicht weniger Applaus. Bürgermeister Pitterlein und Gemeinderäte sowie Pfarrer Hans Eisend mischten sich am Nachmittag unter die Gäste.

Neben Rock und Pop hatten die Organisatoren, allen voran Erwin Walter, viel Abwechslung in den Programablauf integriert. Ein Highlight war, vor allem für die 17 Akteure, eine Tai-Chi Vorführung. Hierzu hatte Rüdiger Schramm mit den Bewohnern aus dem Oberland ein kleines Programm einstudiert. Kombiniert mit Qi Gong und kreativen Tanzelementen verstärkten zusätzlich mystische Musikstücke den Effekt der Musical Vorführung. Dazwischen beeindruckte eine Pantomimeneinlage einer Gruppe mit selbst hergestellten Masken. Harri Schemm, Nürnberger Kulturpreisträger, hatte auch für dieses Jahr das Motiv der „Roll over Bellhofen“-Shirts entworfen. Das letztjährige Krokodilmotiv wurde heuer durch tanzende Affen ersetzt.

Die Eröffnung des Festivals übernahm traditionsgemäß der Männergesangsverein Großbellhofen, unter Leitung von Manfred Brieger. Dem folgte ein musikalischer Kontrast wie er krasser nicht sein konnte. „The Chase Band“ folgte und da spielten fünf gestandene Männer Vintage Folk und Rock als Covers nach eigener Art. Lieder wie Mary Jane`s last dance von Tom Petty oder auch Stücke von Bob Dylan. Allesamt spielen die Jungs nur noch aus Spaß an der Freude. Am Schlagzeug „Olders Frenzel“ der von 1969 bis 1972 bei der ersten bekannt gewordenen Deutschrockband „Ihre Kinder“ seine große Zeit hatte.

Nachdem auch die tschechischen Freunde unter Leitung von Eva Lorenzova, mit ihren Rollstühlen und Betreuen eingetroffen waren, spielte bereits die Band „Ummananda“. Mit ihren andalusisch-fränkischen Folk belebte die Bühne einen etwas anderer Musikstil der durch den Einsatz der Geige auch an irische Musik erinnerte. Die vier Musiker spielen seit zwei Jahren zusammen und neben ihren Touren durch Ostdeutschland war die fränkische Band auch schon zweimal in Spanien.

Mit eigenen Kreationen aus der Richtung Elektro Pop startete „Wrongkong“. Bereits seit 2007 kennt man die Band, sei es als Kulturpreisträger der Stadt Nürnberg, vom Taubertalfestival oder vom Morgenmagazin des ZDF. Im Sommer 2007 erhielten sie in den USA beim Cravefest in Kanada mit dem von den Bandmitgliedern selbst produzierten Video zu Real Boy den Award für den „Best Unsigned Electronic Music Act“. Die Melodien der kanadischen Sängerin Cyrena Dunbar gingen ins Ohr und die Rhythmen in die Beine. Auch für Wrongkong, wie alle anderen Bands ebenfalls, war es selbstverständlich bei Roll over Bellhofen dabei zu sein, auch um damit die Möglichkeit zur Integration und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben für Menschen mit Behinderung zu erweitern.

Als letztes trat die Punkrock Band „Endlich schlechte Musik“ auf die Bühne. Sie spielt nach eigenen Angaben eine Mischung aus Punkrock und ‚Rosettencore‘. Die vier Mitglieder machten über eineinhalb Stunden, mit Liedern wie ‚Vollkorntampons‘, melodischen Rock‘n‘Roll und brachten gute Laune unter die Gäste.

Neben Bandmitgliedern aus der Metropolregion stand hier auch der Kleinbellhofener Sebastian Merkel auf der Bühne, der sich bei seiner Mama für einen frechen Song entschuldigte. Seit September 2012 trifft man immer wieder mal auf die junge Band mit eigenen Liedern. Damit sorgte die Band nochmals für viel Stimmung bei den Zuhörern, die an diesem Samstag gleich zweimal einen Regenbogen in den kräftigsten Farben sehen konnten, bevor die Gäste die Heimreise antraten.

N-Land Udo Schuster
Udo Schuster