Besonderes Konzept

Riffs und Licks und flotte Läufe

Michael Kusche, der Jüngste des Gitarren-Trios. | Foto: Gisa Spandler2019/05/Kusche-neu.jpg

Das Gitarren-Projekt Blues-Ox zeigt in der Burgthanner
Burg eine interessante Kombination aus Solo-Sets und Trio-Spiel.

Da hatte einer eine gute Idee: Wenn drei Könner an der Gitarre bei ihren Gigs den Leuten gefallen, dann müsste sich der Spaß doch potenzieren, wenn das Trio zusammen auftritt. Der Nürnberger Künstler Ray Hautmann wollte dies ausprobieren und lud zum Experiment die Kollegen Michael Kusche und Keili Keilhofer ein. Im Keller der Burg in Burgthann konnte man erleben, dass dieses Projekt, das sich Blues-Ox nennt, durchaus innovativ empfunden wurde und beim angegrauten Publikum auf große Anerkennung stieß.

Musik-Legenden
Der Trick dabei: Die Drei sind zwar Profis durch und durch und in der fränkischen Szene seit Jahrzehnten Musik-Legenden, aber sie haben sich nicht alle dem gleichen Stil verschrieben. Den Fehler, nacheinander ihre Greatest Hits herunterzuspielen, machen sie aber nicht. Sie haben sich schon ein Konzept ausgedacht, bei dem es Sets gibt, in denen einer im Fokus steht, ebenso wie Passagen, bei denen sie alle Drei gemeinsam vom Leder ziehen. Zu hören ist dabei absolut erwachsener Blues, flotter Rock’n’Roll, rhythmischer Bluesrock, traditionelle Südstaaten-Gesänge, dynamischer Funk, soulgetriebene Balladen und was die Genre-Schubladen, in die man Musik und Musiker gern steckt, sonst noch so hergeben.
Wieselflink am Griffbrett
Über die technischen Fähigkeiten der arrivierten Gitarreros muss man kein Wort verlieren. Dass sie wieselflink am Griffbrett sind, weiß man vorher. Aber dass sie diese Schnelligkeit nicht der Seele der Musik opfern, ist nicht ganz so selbstverständlich.

Der jüngste im Bunde, Michael Kusche, hat auch eine beachtliche Bluesröhre, die obendrein noch enorm vielschichtig ist. Er ist – leider – der einzige, der nicht unter der mangelhaften Technik zu leiden hat und dessen Gesang gut zu hören ist. Sein Repertoire reicht vom traditionellen „Tobacco Road“ von John D. Loudermilk oder „Messin’ with the Kid“ von Junior Wells über Reggae bis zu funkig-modernem Blues, bei dem auch die begleitende Rhythmus-Sektion mit Bassist Eddi Schweiger und Kusche-Sohn Vinzent an den Drums aus dem Schatten der gitarrenlastigen Arrangements tritt.

Keili Keilhofer kommt wie meist mit Kevin Coyne’s „Baby, Baby Blue“ in Fahrt und spielt – manchmal versunken, dann wieder temperamentvoll wie einst – große Nummern, groß interpretiert.
Wucht der Instrumente
Mit Fleetwood Macs „Albatross“ trifft er einen Nerv, psychedelisiert ein bisschen, manchmal schräg, aber zu Herzen gehend. Dass man kein ausgebildeter Heldentenor sein muss, um ein Feeling von ganz innen nach außen zu kehren, weiß man nicht erst seit Bob Dylan. Auch Keilhofer näselt und knödelt, tut dies aber stimmig und dem Song-Stil angemessen. Dass man ihn schlecht versteht, liegt aber auch an der schwierigen Aussteuerung.
Unter der hat am meisten Ray Hautmann zu leiden, obwohl er mit seinen fränkischen Texten vermutlich von den Gästen noch am ehesten verstanden worden wäre. Doch durch die Wucht der Instrumente säuft sein Gesang leider immer wieder ab und das Ganze klingt verdammt nach Schulturnhalle. Zum Glück aber gibt es ein begeistertes Publikum, das das nicht so eng sieht und das er zum Mitsingen animiert, was auch teils gut gelingt. Und die Gitarrenperformance ist sowieso ok – solider, ehrlicher Bluesrock, mal melancholisch, mal rasant trabend.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler