Klaviertalent Markus Schirmer will sich noch nicht auf Profi-Karriere festlegen

Preise am laufenden Band

Markus am Flügel – hier übt er schon mal vier bis fünf Stunden, wenn es der Terminplan zulässt2015/01/markus1_New_1422284701.jpg

ALTDORF/BRAUNSCHWEIG – Gerade mal 17 Jahre jung und schon eine ganze Anzahl an Preisen bei renommierten Klavierwettbewerben errungen: Markus Schirmer sammelt die Urkunden von „Jugend musiziert“, dem Steinway-Wettbewerb, dem Nürnberger Klavierwettbewerb oder diesen Monat wieder beim Grotrian-Steinweg-Klavierwettbewerb in Braunschweig wie andere Jugendliche DVDs oder Smartphone-Apps. Damit aber keine Missverständnisse entstehen: Dem Gymnasiasten geht es nicht darum, sich seine Wände mit Urkunden zuzupflastern. Die Teilnahme an einem Musik-Contest bedeutet für ihn vielmehr, eine Gelegenheit wahrzunehmen, strukturiert und konzentriert auf ein Ziel hinzuarbeiten und seine Musik vor Publikum positiv rüberzubringen.

Seit er fünf ist, erhält er Klavierunterricht. Dies ist nicht seinen ehrgeizigen Eltern zuzuschreiben, sondern der Tatsache, dass sein Großvater Christoph Dietrich Schirmer, noch vielen Protestanten als ehemaliger Dekan Altdorfs bekannt, den jungen Markus immer wieder an seinem Klavier erwischte, wo er nach Gehör auf den Tasten klimperte. So lange, bis der Opa dem Enkel das Instrument vermachte. Für Mutter Heidi war dann allerdings klar, dass es richtigen Unterricht geben sollte, zunächst bei Klavierlehrerin Beate Köhler in Altdorf. Die verstand es ausgezeichnet, den jungen Musikbegeisterten so zu fördern, dass sich seine Begeisterung für die Musik fortentwickelte, aber eben auch sein Können.

Als er zehn wurde, hatte sie ihm so ziemlich alles beigebracht, was man in dieser Altersklasse so spielt, also vermittelte sie ihm zusätzlich Unterricht bei der Musik-Pädagogin Nanette-Christine Galetzko in Nürnberg. Dass der Junge dies nicht als Druck oder gar Drill empfand, zeigt eine kleine Anekdote. Da er damals „in jeder freien Minute“ am Piano saß, fühlte sich die Schwester schon mal gestört. Um sie milde zu stimmen, schenkte ihr der Bruder einen Gutschein für 50 Vetos bei seinen Fingerübungen. 50-mal durfte sie ihm also das Üben verbieten. Geschadet hat’s der Karriere nicht: Mit 13 nahm er das erste Mal bei einem der renommierten „Jugend musiziert“-Wettbewerbe teil und marschierte gleich durch, erster Preis beim Regionalwettbewerb, erster Preis beim Landeswettbewerb und im gleichen Jahr auch noch Teilnahme beim Bundeswettbewerb in Neustrelitz. Mit Beethoven, Schubert, Chopin und zeitgenössischen Stücken von George Crumb überzeugte er die bundesweite Jury und heimste gleich beim ersten Mal einen zweiten Preis ein. Im selben Jahr gab es noch zweite und dritte Preise beim Nürnberger Klavierwettbewerb und beim internationalen Steinway-Wettbewerb in Hamburg. 2013 nahm er erneut bei „Jugend musiziert“ teil, dieses Mal mit seiner Musik-Partnerin Lorena Müller am Violoncello, und erzielte einen zweiten Preis in der Kategorie „Klavierbegleitung“.

Ebenfalls 2013 ging es das erste Mal nach Braunschweig zum Grotrian-Steinweg-Klavierwettbewerb, wo es in der mittleren Altersgruppe zum dritten Preis reichte.

Im vergangenen Jahr musste er das erste Mal erleben, dass die „Jugend-musiziert“-Jury ihn nicht platzierte, was ihm aber keineswegs den Mut nahm. Dafür spielte er beim Bayerischen Rundfunk eine Studio-Aufnahme in der Reihe „Junge Interpreten on stage“ ein, die dann im vergangenen Dezember gesendet wurde. „Ein komisches Gefühl, das eigene Kind im Radio zu hören“, erinnert sich Mutter Heidi, kann aber ihren Stolz nicht ganz verbergen.

Mit Schumann, Bach und Crumb

Der jüngste Erfolg, wiederum beim Grotrian-Steinweg-Wettbewerb, liegt erst wenige Wochen zurück: Am 11. Januar überzeugte er – gegen acht Mitkonkurrenten in seiner Altersgruppe, darunter etliche chinesische Klavierkünstler – mit Schumann, Bach und Crumb: Der erste Preis war ihm sicher.

Auch wenn die Schwester angesichts seiner Fortschritte wohl kaum noch etwas gegen die Übungseinheiten im Hause Schirmer einzuwenden hätte, übt Markus nun viel außerhalb – manchmal vier bis fünf Stunden am Stück. Zu Hause steht noch immer das Klavier des Opas, das allerdings bald durch ein neues ersetzt wird. Der junge Pianist bevorzugt aber den klassischen Flügel und übt daher gern im Wichernhaus, wo das Instrument aus der Stadthalle derzeit untergebracht ist. Denn es gibt Stücke, die sind „flügelabhängig“, wie Markus Schirmer bemerkt. Dazu gehören die modernen Stücke von George Crumb, die nur auf einem moderneren Tasteninstrument wohlklingend interpretiert werden können.

Neben den Wettbewerben glänzt der jungen Künstler natürlich bei anderen öffentlichen Auftritten, häufig auch bei den Benefiz-Veranstaltungen für Fukushima, die seine Klavierlehrerin Goletzko organisiert.

Die Frage drängt sich auf: Wer mit 17 schon so erfolgreich ist, beschäftigt sich doch sicher mit der Frage, ob er seine Leidenschaft nicht zum Beruf machen soll. Hier reagiert das bescheidene, junge Musiktalent zurückhaltend: Schließlich interessiert er sich auch für andere Dinge, spielt erfolgreich Tischtennis in der Bayernliga, hat die C-Trainer-Lizenz, liebt es, auf dem Rad durch die Gegend zu fahren und zu fotografieren. Außerdem weiß er aufgrund seiner Erfahrungen im Musik-Business, wie schwer es ist, in diesem Metier sein täglich Brot zu verdienen. Da hält er sich aufgrund seines jugendlichen Alters lieber noch alle Optionen offen: Er geht erst in die elfte Klasse des Leibniz-Gymnasiums, hat gute Noten und noch jede Menge Zeit, sich zu entscheiden.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler