Kunstmuseum Hersbruck

Neugierige Blicke auf Kunstwerke aus Privatbesitz

Die Geschichten, die die Besitzer zu ihren „Lieblingskunstwerken“ aufgeschrieben haben, stoßen bei den Besuchern auf großes Interesse. | Foto: U. Scharrer2019/09/Lieblingskunst-1.jpg

HERSBRUCK – „Geerbt, gekauft, geschenkt, gerettet – auf jeden Fall aber geliebt!“ Die Herkunftsgeschichten der Kunstwerke, die noch bis zum 10. November im Kunstmuseum in der Amberger Straße zu sehen sind, sind ebenso bunt und abwechslungsreich wie die Werke selbst. Alpenglühen und minimalistische Skulptur, klassisches Porträt und Fundstück vom Sperrmüll, der Bogen ist wirklich weit gespannt und lädt zum Staunen ein, was in Hersbruck so über den Sofas hängt.

„In so viele Häuser kann man gar nicht eingeladen werden, wie es nötig wäre, um all diese Kunstwerke zu sehen,“ erklärt Museumsleiter Uli Olpp den fast schon voyeuristischen Reiz der 35 Arbeiten von 33 Leihgebern.
Deswegen bücken sich die Ausstellungsbesucher auch vor den Bildern, um die Geschichten zu lesen, die die Besitzer ihren „Lieblingskunstwerken“ mitgegeben haben.

Von „zur Hochzeit geschenkt“ über „als Preis für eine deutsche Meisterschaft im Hochsprung gewonnen“ bis zu „auf dem Recyclinghof in München vor der Presse gerettet“ – die Arten, wie sich die Kunst in die Herzen ihrer Besitzer geschlichen hat, könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Gründe dafür, Originale an den Wänden zu haben, auch nicht.

Viele eines Namens

Barbara Leicht, die die Ausstellung kuratiert hat und mit einer Rede in die Ausstellung einführt, denkt über diese Gründe nach: In einer schnelllebigen Welt stellt Kunst einen Wert von Bestand dar, ist wertvoll, aber kein Konsumgut. Gehortet und gehütet, teils auch als Geldanlage angeschafft in der Hoffnung, das „Name-Dropping“ bekannter Künstler würde den Wiederverkaufswert in die Höhe schnellen lassen.

„Erkennen, was gut ist, und wissen, was gefällt“, das erhofft sich Leicht ebenso von dieser Schau wie „denjenigen, die vielleicht noch keine Lust auf Kunst haben, Lust auf Kunst zu machen“, sie zu mehr Wahrnehmung zu animieren und gegebenenfalls auch zu einer kritischen Haltung. Letztendlich könnte der Reichtum an Kunst vielleicht auch dazu anzuregen, die eigene Wand mit einem Lieblingskunstwerk zu schmücken, das nicht im Discounter oder im Möbelhaus tausendfach verkauft wird.

Unauffällig im Eck

Welche Bandbreite Originale dafür bieten, das lässt sich selbst auf dem kleinen Raum des Kunstmuseums leicht erahnen. Der „Kopf einer Frankfurter Bankiersgattin“ in Lebensgröße aus farbigem Polyesterguss von Volker Schildmann wäre mit ihrem intensiven Blick eine Bereicherung der besonderen Art für die eigene Wohnung. Viel unauffälliger lehnt eine Eisenplastik von Werner Knaupp in einer Ecke und verschließt sich der schnellen Deutung. Sonnenbeschienene Berggipfel fehlen ebenso wenig wie Blumensträuße, auch hier eine angenehm minimalistische Variante von Manfred Sonntag.

Ein zierliches Segelboot hinter Glas, weil gedacht für ein „Herrenzimmer, in dem geraucht wird“ und ein „Wollbild“ einer irischen Kunsthandwerkerin, das an den Urlaub dort erinnert. Eine offenbar polarisierende kleine Skulptur von Hubert Baumann, halb Stuhl, halb Bauwerk aus schwarzem Ton, die nur einer Hälfte des Besitzerehepaars „so richtig gefällt“, aber trotzdem bleiben darf, weil „das letztlich Undefinierte – trotz ganz klarer Formsprache – gedankenanregend und damit geradezu Merkmal heutiger Kunst“ ist, wie die Besitzerin zu dem Werk notiert hat.

Zone der Gemütlichkeit

Die Frage Leichts, warum so wenig zeitgenössische Kunst in deutschen Wohnzimmmern hängt, beantwortet obiges Zitat vielleicht ganz gut. Die Bereitschaft, sich herausfordern zu lassen, auch in die Gemütlichkeitszone der eigenen vier Wände zu lassen, bringt nicht jeder mit.

Museumsleiter Uli Olpp freut sich dennoch über diese Folgeausstellung des Formats, das als „Slow-Art“ bereits 2012 viele Besucher anzog. Die verborgenen Schätze der Region zu entdecken und, wenn auch nur für kurze Zeit, zugänglich zu machen, lohnt auf jeden Fall und ist dank der Großzügigkeit der Leihgeber auch diesmal wieder sehr facettenreich.

Das Kunstmuseum in der Amberger Straße 2 ist geöffnet Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag 15 – 18 Uhr und Sonntag 14 – 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, über freiwillige Spenden freut sich das ehrenamtlich arbeitende Team. Die Ausstellung dauert bis 10. November.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer