Neues Leben in der Mühle

Lis Graf ist in der Simmelsdorfer Mühle gut angekommen – die Stühle hat sie aus Schnaittach mitgebracht, ihre Helfer haben weihnachtliche Dekorationen aufgehängt. Mitte Dezember findet das erste Konzert statt, dann treten Ferenc Babari und sein Salonorchester auf. Foto: Sichelstiel2010/11/11758_New_1290618664.jpg

SIMMELSDORF — Nach dem Aus für die Schnaittacher Kulturscheune gibt Lis Graf, die Gründerin des gleichnamigen Vereins, nicht auf: In der Simmelsdorfer Mühle will sie wieder Konzerte veranstalten. Zum Auftakt am 17. und am 18. Dezember spielen Ferenc Babari und sein Salonorchester.

Noch gibt es viel zu tun in der Simmelsdorfer Mühle, die die Kabarettistin Andrea Lipka in diesem Herbst verlassen hat, um sich ausschließlich um das „Tausendschön“ in Schnaittach zu kümmern: In fast jeder Ecke steht eine Kiste, deren Inhalt ausgepackt werden muss. Aber dass hier bald wieder Konzerte stattfinden, ist schon zu sehen: Lis Graf und ihre zehn Helfer vom Verein Kulturscheune Schnaittach – der diesen Namen vorerst auch in Simmeldorf behalten wird – haben Stühle und Tische aufgestellt, haben Plakate aufgehängt und die weihnachtlichen Lichterketten rausgeholt.

Erstes Konzert im Advent

Schließlich findet das erste Konzert in der neuen Spielstätte mitten im Advent statt: Ferenc Babari und sein Salonorchester, dessen Musiker alle am Nürnberger Staatstheater arbeiten, treten am 17. und am 18. Dezember in der Mühle auf. Und fürs neue Jahr haben sich schon die Folkmusiker von „Solid Ground“ und „K.B.s Jungle Band“ mit klassischem Jazz angekündigt.

Die Erleichterung über diesen Neuanfang ist Lis Graf anzumerken. In Schnaittach hatte es die 65-Jährige, die dort in ihrer Scheune seit 13 Jahren Konzerte organisiert hat, am Ende schwer.

Die strengen Brandschutzauflagen, die das Landratsamt stellte, hätte sie zwar erfüllen können, aber der Betrieb hätte dann laut Genehmigung nur bis 22 Uhr gehen dürfen, weil Nachbarn immer wieder über den Lärm geklagt hatten. Hinzu kam noch eine große Geldsumme, die für die Ablöse von 16 Stellplätzen fällig geworden wäre – zu viel für die Witwe des 2007 gestorbenen Bauingenieurs Volker Graf, der in seiner Freizeit alte Häuser aufgekauft und mit viel Liebe zum Detail saniert hat.

Fahrräder, dann Kabarett

 

Die Simmelsdorfer Mühle ist, genauso wie die Kulturscheune, eines jener Gebäude, die Graf vor dem Verfall gerettet hat. Die Hammermühle aus dem 16. Jahrhundert erwarb er 1976 aus dem Besitz der Tucherschen Stiftung, renovierte das Anwesen und setzte sogar das große Wasserrad wieder in Betrieb. Ein Fahrradhändler eröffnete in der Mühle ein Geschäft, später zog Andrea Lipka ein. Als diese mit ihrer Kabarettbühne nach über zehn Jahren nach Schnaittach umzog, witterte Graf ihre Chance.

Nach dem Aus für die Kulturscheune „habe ich zunächst eigentlich gar nichts mehr machen wollen“, sagt die Konzertveranstalterin. Ihre Leidenschaft für Musik war schließlich größer als die Resignation. Hinzu kommt die Unterstützung, die Graf von ihren Mitstreitern bekommt: „Meine Freunde wollten alle mitmachen, ich kann mich auf die wirklich verlassen.“

Gemeinsam haben sie viele Stunden geschuftet, um den Saal in der Mühle wieder für Veranstaltungen flottzubekommen. Die Voraussetzungen sind immerhin gut: Es gibt in der Gebäude Künstlergarderoben, einen Lagerraum und eine eigene Küche. Deshalb will Graf den Raum, in dem gut 100 Personen Platz finden, auch wieder für Hochzeiten anbieten.

Die Kulturscheune in Schnaittach übrigens soll verkauft werden. Denn billig ist der Erhalt der Mühle in Simmelsdorf nicht, das lässt die 65-Jährige durchblicken.Aber jetzt freut sie sich erst einmal auf das nächste Jahr: Geht es nach Graf, findet jeden Monat ein Konzert in der neuen Spielstätte statt. Wie immer ist der Eintritt frei, aber der Verein bittet um Spenden.

Plätze für den Auftritt des Salonorchesters am Freitag, 17. Dezember, um 20 Uhr und am Samstag, 18. Dezember, um 19.30 Uhr kann man telefonisch unter 0172/8108357 oder per E-Mail an [email protected] reservieren. Die weiteren Veranstaltungen werden regelmäßig auf der Kulturseite der Pegnitz-Zeitung angekündigt.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel