Einblick in Ortsgeschichte

Neuer „Kulturweg“ in Kirchensittenbach

25 kleine Schilder erklären an unterschiedlichen Stellen, wie das Dorf „damals“ ausgesehen hat. Über den Sittenbach führte bis in die 60er Jahre hinein beispielsweise eine gemauerte Bogenbrücke. | Foto: M. Gundel2020/10/DSC-1713.jpg

KIRCHENSITTENBACH – „Damals sah es hier noch ganz anders aus“ – diesen Satz hört man von älteren Mitbürgern oft, wenn sie von „früher“ erzählen. Um sich ein Bild machen zu können, wie es denn wirklich aussah, und das auch anderen weiterzugeben, haben sich drei Kirchensittenbacher auf Spurensuche begeben. Heraus kam ein „Kulturweg“, der mit Fotos und Texten kleine, aber feine Einblicke in die Geschichte ihres Heimatdorfes gewährt.

„Hier führte früher eine steinerne Bogenbrücke über den Bach. Und dort wurden die Stiere der Reihe nach aufgestellt und der Beste zur Zucht ausgesucht – Körung nannte man das.“ Wenn Erich Pörner von vergangenen Zeiten erzählt – egal, ob er sie schon selbst miterlebt hat oder nicht – kann er gar nicht mehr aufhören zu reden. Mit leuchtenden Augen erklärt der Kirchensittenbacher, wie dieses oder jenes Haus vor 80 oder 90 Jahren aussah, wie die Straße durch den Ort führte und wie sich der Bach ursprünglich hindurchschlängelte.

Jahrelange Sammlung

Schon seit rund 20 Jahren sammelt Pörner alte Bilder und Ortsansichten seines Heimatdorfes. Zum „Tag der Regionen“ und für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ sei ein kleiner Teil schon einmal ausgestellt gewesen. „Die ehemalige Kreisheimatpflegerin hat uns dann vorgeschlagen, ob wir nicht einen kulturhistorischen Weg anlegen wollen“, sagt Bürgermeister Klaus Albrecht. Seitdem verging etwas Zeit, doch schließlich hatte die Gemeinde alles Organisatorische für ihren neuen „Kulturweg“ unter dem Titel „Wie’s damals war…“ zusammen.

Vor allem Pörner war es, der teilweise von Haus zu Haus ging und die Bewohner nach alten Aufnahmen und Geschichten fragte. Gemeinsam mit Albrecht und Designer Michael Horn verfasste er die kurzen Texte, Horn gestaltete die Schilder grafisch und aus der Kunstschmiede Seybold in Aspertshofen kamen die Eisenstelen. So sind bis jetzt 22 Hinweistafeln entstanden, die an verschiedenen Plätzen im Dorf aufgestellt wurden und mit einem Spaziergang erkundet werden können. Drei Tafeln kommen demnächst noch hinzu. „Ich habe versucht, die Tafeln so zu platzieren, wie der Fotograf damals gestanden war“, erklärt Pörner.

Gefühl für Veränderung

Und tatsächlich fühlt sich der Betrachter dank der gut erhaltenen Aufnahmen ein bisschen zurückversetzt in eine Zeit, als es noch keine geteerte Straße gab, als Pferdegespanne durch den Ort zogen und die Bauern ihre Milch in Kannen für die Molkerei vor die Tür stellten. „Mir ist es wichtig, dass auch die jungen Leute wissen, wie sich unser Dorf verändert hat und welche Traditionen es früher gab“, erklärt Albrecht.

Traditionen wie das „Trud-Auspatschen“ zum Beispiel: Dabei sind jedes Jahr am 30. April die Kinder des Dorfes auf Töpfen hämmernd, pfeifend und lärmend durch den Ort gezogen, um die „Trude“, einen weiblichen Naturgeist, auszutreiben. Den spielte ein Freiwilliger, der mit einem Fichtenbaum in der Hand den Zug anführte. Sobald er das Bäumchen weggeworfen hatte, jagten die Kinder die „Trude“ bis zum alten Sportplatz, wo der Baum im Lagerfeuer verbrannt und der Frühlingsbeginn gefeiert wurde.


Jedes Schild ein Thema

So beschäftigt sich jedes Schild mit einem Thema. Einmal geht es um die Dorfstraße, in der laut Ortschronik die vier ältesten Häuser Kirchensittenbachs stehen, einmal um das Badhaus in der Dorfmitte, das früher zum Schloss gehörte oder um die Alte Schmiede, wo die Pferde ihre Hufeisen bekamen. „Vieles hat sich mit der Bachregulierung und der Straßenerneuerung geändert“, erklären Albrecht und Pörner. Denn weil der Sittenbach früher sehr hoch lag, sei er bei Starkregen oft über die Ufer getreten. Anfang der 60er Jahre wurde schließlich die alte Bogenbrücke abgerissen und eine neue gebaut, der Bach wurde tiefer gelegt und sein Lauf begradigt. Auch die Ortsdurchfahrt wurde in dieser Zeit erneuert, weshalb einige Häuser weichen mussten.

Diese sowie den ursprünglichen Bachlauf hat Pörner auf einem Übersichtsplan eingezeichnet, der in der Ortsmitte aufgestellt ist. Daneben zeigt ein historischer Lageplan, wie Kirchensittenbachs Häuser anno 1569 standen. Und Erich Pörner wird nicht müde. Er ist weiter auf der Suche nach alten Fotografien und Geschichten und dankbar für jeden Tipp, der ein Stückchen davon erzählt, „wie’s damals war…“.

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