Werke von Hubertus Pauli

Neue Kunstgalerie „Wilde Rose“ in Reichenschwand

Die Vorbilder von Hubertus Pauli – wie Paul Gauguin – sind deutlich zu erkennen. | Foto: A. Pitsch2019/09/IMG_6796.jpg

REICHENSCHWAND – Da hängt ein Gauguin neben einem Warhol, ein Monet neben einem Lichtenstein und die blauen Pferde von Franz Marc neben Dante: Nein, dieses Stelldichein von prominenten Künstlern findet man nicht in Louvre, Tate modern oder Museum of Modern Art, sondern in der neuen Galerie „Wilde Rose“ von Hubertus Pauli.

Von außen wirkt es wie ein normales, etwas in die Jahre gekommenes Wohnhaus. Eine kleine Skulptur und ein paar expressionistische Frauenporträts verraten, was innen wartet: Auf drei Stockwerke hat Pauli seine „wahrscheinlich 300 Bilder“ aus seinem Fundus verteilt. „Ich male seit meinem zehnten Lebensjahr“, erinnert er sich, „das erste Bild war ein Düsenjäger, den ich abgemalt habe“.

Jetzt ist er 75 Jahre alt und wagt den Schritt zu einer Galerie. Mutig sei das nicht, eher erstaunlich, findet er: „Viele denken beim Erwerb einer Wohnimmobilie an Gewinnmaximierung – ich nicht.“ Er hat rund drei Jahre lang ein Zuhause für „alle meine Kinder“ gesucht. Denn: Pauli verkauft seine Bilder nicht: „Ich vermisse sie, wenn ich sie nicht bei mir habe.“ Per Zufall stieß er nun auf das Haus in der Reichenschwander Rosenstraße.

Und in diesem hat er jeden Quadratzentimeter Wand mit kleinen, großen und teils fast raumhohen Leinwänden gepflastert. Alle sind farbenfroh, ausdrucksstark und teils lasziv – auch wenn die Anregungen von Cranach, Dürer, Pechstein oder der Barockzeit stammen: Da fordert der Tod das kleine Kind einer Mutter – „das ist das Leben“. Und das stellt Pauli auch in satirischen Szenen dar, sei es der Mann als Hahn oder ein Schaf, das an die Liebe des Wolfs glaubt.

Auf rosa Wandfarbe hat Pauli, der zu seinen Bildern immer eine flotte Erklärung parat hat, Märchen-Malereien gruppiert – „weil er den Kindern immer Geschichten vorgelesen hat“. Jetzt bevölkern Sterntaler, Froschkönig und Einhorn die frühere Küche, in die Pauli noch eine Dschungelecke mit Holzelefant, -gepard und -giraffe als Deko gepackt hat. Familienporträts sowie Tücher & Hüte runden das Erdgeschoss ab.

Das Leben auf Leinwand

Während das Treppenhaus ein Sammelsurium an Amazonen, Christusabbildungen und Hexen ist, gehört das Dachgeschoss einigen sinnlichen Picassos und Clowns. „Dieser Gegensatz von Clownerie und Herzlichkeit, das ist das Leben.“ Nicht nur Christus hat Pauli – „wie Warhol“ – in Serien gemalt, auch die Madonnen, deren Blattgold in einem extra Zimmer im ersten Stock schimmert. Landschaften und Blumen findet man kaum bei Pauli: „Für mich ist es die größere Herausforderung, Menschen zu malen und dabei deren Charakter zu erfassen.“

Eine Person, die der Betrachter sofort erkennt, ist Marilyn Monroe in Warhol-Manier. Sie hat Pauli mitten unter die Fränkinnen im ersten Stock platziert. Warum? „Die Fränkinnen sind eben meine Ikonen.“ Gut ist der Reiz der Dauerausstellung an der Monroe zu spüren: Er liegt darin, dass Pauli zwar Motive und Stile bekannter Meister erkennbar abgekupfert hat, ihnen aber seinen eigenen „wilden“ Pinselstrich verliehen hat.

Heißt seine Galerie deshalb „Wilde Rose“? Nein, denn wild seien seine Werke nicht, sondern „farbintensiv und expressiv“. Die Rose komme natürlich vom Straßennamen. „Und die wilde Rose, die sei manchmal im Charakter der Frauen zu erkennen.“

Die Galerie in der Rosenstraße 25 in Reichenschwand ist bis Ende November immer samstags von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch