Dillberg bei Kunst im Riedner

Neopop unplugged

Kluge Songs und mitreißende Beats: Die Band Dillberg bei ihrem Open-Air Konzert vor dem Café Riedner. | Foto: Susanne Voss2019/06/Altdorf-Dillberg-Kultur-im-Riedner.jpg

ALTDORF – Vor dem Gig gibt es Schnaps für die Musiker. Bei subtropischen Temperaturen sicher nicht zum Aufwärmen, sondern als Einstimmung auf das Open-Air Konzert der Formation Dillberg beim Café Riedner. Zahlreiche Besucher, Freunde und Weggefährten erleben Songs mit gewohnt klugen Texten und leisen Zwischentönen.

Man habe sich ein junges Nachwuchstalent gegönnt, erzählt Gitarrist Oliver Spieß launig. Felix Vestner folgt an den Drums auf Johannes Voltz, Beat und Songs werden mit ihm eins. Das erreicht die Zuhörer, die amüsiert erleben, wie pragmatisch der Drummer diesen Beat gedämpft hat: Ein Gaffa-Tape und eine Geldbörse nehmen dem Sound die Lautstärke, nicht aber die Tiefe.

Dillberg ist an diesem Abend nur moderat verstärkt. Geplant ist das nicht, ein Problem genauso wenig. Bassist Rolf Scharrer, Oliver Spieß, Felix Vestner und Leadsänger Dominik Hinney am Keyboard überzeugen auch nahezu unplugged mit ihrer Neopopularmusik, die mitten ins Herz geht. Hinney sieht genau hin, wenn er textet; er schreibt über Selbstreflexion, ernüchterte Bilanzierung und Liebe in all ihren Facetten. Ins Machoeske driftet er niemals ab.

Am Rand des Zeitgeistes

Subtext erschließt sich manchmal erst auf den zweiten Blick. Die Songs der Altdorfer Urgesteine verweisen Mansplaining sehr entspannt auf eine Randposition des Zeitgeistes. Die Geschichte vom Raketenmann, der seinen Flug verschieben muss, macht auch Jahre nach seiner Kompositon nachdenklich.

Tiefflieger gibt es hier unten in der Tat noch immer genug. Und wenn Eisbären weinen könnten, würden sie es inzwischen tun. Leider nicht metaphorisch. Das Publikum hört still zu, weil Dillberg viel zu sagen hat und das in akzentuierte Sounds packt.

Wenn Eisbären weinen könnten

„So einfach tickt die Welt“, stellt Dominik Hinney fest. Ein leiser und intelligenter Impuls, um die eigene Sicht auf Beziehungskonstellationen und das bisweilen unerträglich breit anmutende Spektrum an Tieffliegern zu hinterfragen.

Die letzte Zugabe des Konzerts ist dann wirklich unplugged: „Es ist gut so, wie es ist.“ Die Musiker tauchen in die Stimmung ein und stellen sich direkt vor ihr Publikum.

N-Land Susanne Voss
Susanne Voss