Schau bis 5. Mai

Nachwuchskünstler im Hersbrucker Kunstmuseum

Bei der Eröffnung der „Jungen Künstler“ ging es so eng zu, dass ein Abstand zu den Werken kaum herzustellen war. | Foto: U. Scharrer2019/03/Vernissage.jpg

HERSBRUCK – Videoclips, digitale Zeichnungen oder 3D-Drucke? Wer unter dem Label „Junge Kunst“ entpersonalisierte Machwerke des Computerzeitalters erwartete, wurde angenehm enttäuscht. Meist ganz klassisch mit Zeichenstift, Pinsel und Linolschnittmesser rücken die acht jungen Kunstschaffenden den Themen zu Leibe, die sie beschäftigen. Das stieß auf enormes Interesse, wohl weil die Anliegen der nachkommenden Generation wie ein Blick in die Glaskugel erscheint. Die abwechslungsreiche und knackfrische Schau ist noch bis 5. Mai im Kunstmuseum am Spitaltor zu sehen.

Was fesselt den Betrachter an junger Kunst? Karin Plank-Hauter, Kunsterzieherin am Paul-Pfinzing-Gymnasium und somit in täglicher Berührung mit jungen Talenten, macht sich in ihrer einfühlsamen Laudatio viele Gedanken über den Reiz der Unfertigkeit, das unverstellt Persönliche und das zaghaft Tastende des frühen kreativen Schaffens: Was bildwürdig ist, was man schön findet und was man fühlt liegt noch ganz obenauf und ist auch nicht ganz leicht den Urteilen fremder Betrachter auszusetzen.

Das Interesse der Hersbrucker an ihrem künstlerischen Nachwuchs, das im kleinen Torwärterhaus zu fast beklemmender Enge führte, dürfte für manch Ausstellenden überraschend gewesen sein.  Federica Burzi aus Bologna läuft sich warm für ihre große Einzelausstellung im Stadthaus Ende März und steuert zwei federleichte und hauchzarte Ölskizzen auf Papier bei, deren diffuse Farbflächen durch poetische, gekonnt umrissene Fantasiewesen zu Räumen und Stimmungen definiert werden.

Alena Scharrer, die dieser Tage als Meisterschülerin das Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg beendet, bevorzugt ebenfalls die eher ungewöhnliche Technik, mit Ölfarben auf Papier zu malen. Sie geht aber mit ihren Arbeiten von der Wand in die Dreidimensionalität der Installation. Ihre ausgesägten und bemalten Figuren aus einem engen Kreis ihr vertrauter Menschen wirken mit ihrer unbehandelten Rückseite wie eine Kulisse. Sie suggerieren verspielte Anwesenheit und spröde Abwesenheit und machen der malerischen Illusion einen Strich durch die Rechnung.

Ebenfalls in den Raum hinein wirken die umgestalteten Stühle Marius Hutzlers. Durch Abbeizen, Reparieren, Schleifen, Bemalen und Bekleben entwickelt sich das Fundstück „Stuhl“ zu der Persönlichkeit, die er immer schon sein wollte – mit allen Ecken und Kanten.

Seit Jahren „angekommen“ in der Kunstszene ist Johannes Stahl, dessen Pseudonym „Joe made this“ eine moderne Entsprechung des altertümlichen „fecit“, der Signatur des Künstlers, darstellt. Seine Zeichnungen in perfekter Ausgewogenheit von Schwarz und Weiß in Holzschnittoptik zeigen Piraten- und Amazonenschlacht als fiese Wimmelbilder für über Achtzehnjährige – möglicherweise auch eine Kritik an immer raueren Umgangsformen in der Öffentlichkeit.

Typografie auf dem Hijab

Leoš Olpp, der seit 2016 die Bauhausuniversität in Weimar besucht, hat typografische Arbeiten mit politischen Inhalten eingebracht. Er überführt Buchstaben in eine immer reduziertere Form. Seine an die amerikanische Flagge erinnernde Fahne offenbart ein Kunstkonzept, das Stellung bezieht. Denn die Fahne ist mit islamfeindlichen Tweets des amerikanischen Präsidenten Donald Trump beschrieben. Als Hijab verwendet, stehen Objekt und Text in einem – gelinde gesagt – Spannungsverhältnis.

Die zwei jüngsten Teilnehmer der Ausstellung sind Mathis Hauter und Paul Schober, die beide im vergangenen Herbst ihr Akademiestudium begonnen haben. Bereits das Ergattern der begehrten Studienplätze stellt ein Qualitätskriterium dar.

Die fein gezeichneten und sensibel kolorierten, kantigen Figuren von Paul Schober schweben schwerelos im unendlichen Bildraum. Assoziationsketten altvertrauter Dinge erscheinen auf dem Papier und transportieren eine nicht so leicht zu entschlüsselnde Botschaft. Schober legt tatsächlich auch ein mit den technischen Möglichkeiten der digitalen Zeichnung gefertigtes Comicheft vor.

Mathis Hauter betitelt seine Häuser mit Landschaft bescheiden als „Übungen“, Probieren und Forschen gehört ja unbedingt an den Beginn eines Kunststudiums. Bisher in Hersbruck eher als Filmemacher aufgefallen, ist er als Maler dabei, sich im Dickicht genialer Vorläufer und abwertender Kritik über Idylle und Schönmalerei seinen eigenen Weg freizuschlagen. Auf seinen Ölbildern wuchert die bedrängte Natur über die Bildfläche und das überzivilisierte Umfeld aus Wohlstandshäusern.

Zu sehen ist die Ausstellung „Junge Künstler“ bis 5. Mai jeweils Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 18 Uhr im Kunstmuseum Hersbruck, Amberger Straße 2. Eintritt frei, weitere Infos unter www.kunstmuseum-hersbruck.de.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer