Neue Ausstellung

Mutter und Tochter im Hersbrucker K5

Walburga und Eva Herrmann (v. links) vor einer bearbeiteten Fotografie auf blauem Untergrund, eines von Eva Herrmanns „Sommerbildern“. | Foto: M. Gundel2021/09/DSC-2379.jpg

HERSBRUCK – Ein typisches „Mutter-Tochter-Thema“ soll sie nicht haben, die neue Ausstellung im K5 unter dem Titel „herrmann+herrmann“. Gerade die Unterschiede der beiden Generationen aber seien reizvoll, sagt Walburga Herrmann, die die Räume aktuell gemeinsam mit ihrer Tochter Eva mit Steinskulpturen, Malereien, Zeichnungen, Collagen und Installationen füllt.

Ein Motto wollten sich die beiden Frauen für ihre erste gemeinsame Ausstellung nicht setzen, auch ihre Beziehung sollte nicht im Vordergrund stehen. „Das hätte ich langweilig gefunden“, sagt Eva Herrmann, die in Wien Kunst und Englisch auf Lehramt studiert. Die 24-Jährige legt sich ohnehin ungern fest, wenn es um ihre Kreativität geht: „Ich habe kein fixes Medium. Meist nehme ich das, was sich für eine Idee passend anfühlt“, versucht sie, ihr Tun zu erklären. An der Uni gebe es genug fixe Themen, denen sie sich fernab vom Campus nicht auch noch unterwerfen wolle.

Dolce Vita im Bild

Eines hätten ihre Werke im K5 dann aber doch gemeinsam: Mit jedem versuche sie, ein ganz bestimmtes Lebensgefühl auszudrücken, das sie in den vergangenen Monaten erlebt habe. Ein bisschen Dolce Vita, ein bisschen was von den „schönen, netten Dingen“, von der Leichtigkeit des Sommers, von einem Tag am Donauufer. Wie kleine Ausflüchte von der allgegenwärtigen Pandemie. Ihre „Sommerbilder“, zwei bearbeitete Fotografien scheinbar beliebiger Badeutensilien, eines verblichen, eines knallig, würden für sie genau das ausdrücken.

Doch die junge Frau fühlt sich auch mit Stift und Pinsel wohl. Die packt sie zum Beispiel gerne spontan im Café aus und portraitiert die Leute, mit denen sie gerade unterwegs ist. Manchmal wählt sie dafür nicht einfach nur Papier, sondern Stoff, der dem Werk eine etwas andere Struktur verleiht. So zeugen beispielsweise zwei nebeneinander gehängte Portraits aus der Reihe „SonnenBrillenBilder“, bei denen nur der Hintergrund und wenige Details einen Farbtupfer bekommen haben, von solchen Momenten.

Liebe zum Stein

Im Gegensatz zu den freundlichen, luftigen Arbeiten ihrer Tochter hat sich Walburga Herrmann schon früh dem schweren Stein verschrieben. Nach einer Ausbildung zur Steinmetzin und Steinbildhauerin machte sie sich schnell selbstständig und ist dem Material immer treu geblieben, bis allmählich die körperlichen Kräfte nachließen. „Ich schätze den Widerstand des Steins, dass das Arbeiten langsam geht und er sich entwickeln darf“, beschreibt die Erkelsdorferin ihre Leidenschaft. Die zwei dunklen Stelen im Hersbrucker Skulpturengarten stammen aus ihrer Hand. Im K5 finden vor allem figürliche Arbeiten Platz, die den Mensch in den Mittelpunkt stellen und vor allem eines ausstrahlen: viel Gefühl.

Mittlerweile nähere sie sich aber immer mehr einem leichteren Handwerk an, wie drei mit sehr feinem Strich gezeichnete, minimalistische Bilder im Obergeschoss zeigen: „Ich mag monochrome Zeichnungen“, erklärt die 57-Jährige. So seien im K5 auch noch nie veröffentlichte Exponate ausgestellt, die einige überraschen dürften, sagt Herrmann.

Mit Wiener Slang

Die Malerin aber, die sich gerne farblich austobt, das sei eindeutig ihre Tochter Eva. Die wiederum findet die Arbeit mit Stein eher „anstrengend“. Die Malerei sei viel spontaner. „Da kann man auch einfach mal drauf losbatzn“, sagt sie in leichtem Wienerisch.

In einer Künstlerfamilie aufgewachsen, sei sie sicherlich etwas durch den Beruf ihrer Mutter beeinflusst worden, meint Eva. „Schon als Kind konnte sie stundenlang in eine Arbeit eintauchen“, erzählt Walburga, die sich freut, dass ihre Tochter einen ähnlichen Berufsweg eingeschlagen hat wie sie. Freie Künstlerin wolle sie aber nicht werden, entgegnet Eva entschieden. Zum einen, weil sie miterlebt habe, was unstetige Einkommensverhältnisse bedeuten, zum anderen, weil sie das Unterrichten reize. „Ich habe gerne zwei Standbeine“, erklärt sie, weshalb sie Englisch als zweites Studienfach gewählt habe. Sie wollte ihren eigenen Weg finden.

Portrait der Mutter

Und genau diese Unterschiedlichkeit in Stil und Material, die Farbigkeit auf der einen und das Reduzierte auf der anderen Seite, ist es, was den Reiz dieser Ausstellung ausmacht. Jeder Raum ist zur Hälfte mit Werken der Mutter und zur anderen mit denen der Tochter bestückt. So stehen sich zwei Generationen gegenüber, die verschiedener nicht sein könnten und doch durch ihr familiäres Band untrennbar verwoben sind. Denn wer genau hinsieht, erkennt doch hier und da Gemeinsamkeiten. Nicht zuletzt das wunderbare Portrait von Walburga Herrmann, das ihre Tochter gemalt hat. „Aber das ist unverkäuflich“, sagt die Mutter stolz.

Coronabedingt ist die Eröffnungsfeier entfallen. Die Ausstellung ist bis 12. Dezember im K5 in der Kirchgasse zu sehen. Walburga Herrmann ist jeden 1. und 3. Sonntag im Monat anwesend. Es gelten die Hygiene- und Abstandsregeln.

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