„Hands on Strings“ spielte im Kick

Musik von Welt auf zwei Gitarren

Stephan Bormann mit seiner Aliquot-Gitarre und vielen weiteren Gitarren jeglicher Couleur im Hintergrund. | Foto: S. Baderschneider2017/01/Gitarre.jpeg

HERSBRUCK – Die Gitarristen Thomas Fellow und Stephan Bormann sind keine Fremden in Hersbruck. Im Rahmen des Internationalen Gitarren-Festivals waren beide schon hier zu Gast. Diesmal traten sie gemeinsam als Duo „Hands on Strings“ auf. Erfreut darüber, endlich einmal in einem Kino zu erscheinen − auch wenn in diesem Fall körperliche Anwesenheit erforderlich war − servierten die beiden Gitarren-Virtuosen im ausverkauften Kick ein Konzert auf hohem Niveau.

Stilrichtungen oder der Bekanntheitsgrad eines Liedes spielen bei Fellow und Bormann keine Rolle. Bekannte Songs wie unter anderem „Fragile“ von Sting werden auseinandergenommen umsortiert und wieder neu zusammengesetzt. Man erkennt sie irgendwie schon wieder, aber es fühlt sich an, als würden die beiden Künstler die musikalischen Dimensionen stets neu ausdiskutieren, und zwar gerade jetzt und hier vor dem Publikum.

Die eigenen Kompositionen sind daher auch auf den wortlosen und doch aussagekräftigen Dialog zwischen Fellow und Bormann zugeschnitten. Inspiriert von Science- Fiction-Filmen („Prometheus“, „Star Wars“) oder internationalen Genres zeichnet die Stücke der schnelle Wechsel der Begleitung, treibende Melodien und rasantes Tempo aus. Auch vor schrägen Takten, wie sie in der Volksmusik vom Balkan verwendet werden, schreckt das Duo nicht zurück.

Aus diesem Grund wohl werden Fellow und Bormann mitunter in einem Atemzug mit dem Begriff „Weltmusik“ genannt. Diese Bezeichnung wird ihnen aber nicht gerecht. Die Gitarristen bedienen sich zwar bei Musikrichtungen aus der ganzen Welt, schaffen daraus aber etwas sehr Eigenes, das eigentlich nicht wirklich in die üblichen Schubladen wie Jazz oder Weltmusik passt.

Das Handwerkszeug ist — klar — die Gitarre. Und während Thomas Fellow sich mit einem Instrument begnügt, ist Stephan Bormann umringt von mehreren Varianten: von der Mandoline bis hin zur E-Gitarre. Das spektakulärste Instrument packt er allerdings erst während des Konzerts aus: Die „Aliquot“-Gitarre (lat. aliquot „einige, ein paar), die Standard-, Bass- und Resonanzseiten in sich vereinigt und es dem versierten Gitarristen ermöglicht, seine eigene Begleitung zu spielen. Ein anspruchsvolles Instrument, das für Solisten ganz neue Möglichkeiten erschließt.

Das durch das Gitarrenfestival geschulte Hersbrucker Publikum weiß ein Konzert dieser Güte zu schätzen und bedachte „Hands on Strings“ mit dem ihm zustehenden Applaus. Mit dem furiosen „Libertango“ von Piazolla und der eher nachdenklichen Filmmusik aus „Schindlers Liste“ als Zugaben setzten Fellow und Borman gleich zwei akzentuierte Schlusspunkte für ein grandioses Konzert.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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