Steffi Zachmeier mit Musik und Geschichten im Riedner

Mundart als Programm

Bei der Musik und den Texten Steffi Zachmeiers braucht es keine Ersatz-Welten fürs Empfinden. Foto: Spieß2014/12/altdorfkulturimriedner_New_1417446301.jpg

ALTDORF – Bestens unterhalten mit traditionellen Musikstücken und viel fränkischem Humor wurden die Besucherinnen und Besucher am Mittwochabend im Altdorfer Café.

Die Nürnbergerin Steffi Zachmeier ist mit fränkischen Melodien und Geschichten aufgewachsen und mit verschiedenen Gruppen und Solo auf den Bühnen in der Region unterwegs. Dieses Vertrautsein mit der fränkischen Volksmusik und den dazugehörigen kleinen Erzählungen in Mundart ist bei ihr vom ersten Moment an zu spüren. Die Moderatorin bei Volksmusiksendungen des Bayerischen Rundfunks wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, so von der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg beim Fränkischen Liedermacher-Wettbewerb und mit dem Kulturkreis vom Frankenbund. Die Mitherausgeberin von Notenmaterial und Liederbüchern setzt auf ihre Art die Arbeit ihres Vaters Erwin Zachmeier fort, der nicht nur „Kopf“ der Loonharder Sänger und Musikanten war, sondern darüber hinaus als Volksmusikpfleger für Franken beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege gewirkt hat. Steffi Zachmeiers Musik und ihre Geschichten besitzen eine natürliche Nähe zur Tradition, die sie pflegt, ohne aber die Gegenwart aus den Augen zu verlieren.

Alte Musikantentradition

Zachmeiers musikalisches Programm reichte von einem Stück aus der „Seibiser Handschrift, der ältesten fränkischen Musikantenhandschrift (1784), einem „Altfränkischen Menuett“ über den „Bullenheimer Ländler“ – er stammt aus der „Bullenheimer Handschrift von 1821 – bis ins 20. Jahrhundert, alles in bester fränkischer Tradition. Als besondere Überraschung hatte sie außer dem Akkordeon auch ihr Hackbrett mitgebracht.

Zwischen den Musikstücken, die Zeit zum Nachdenken ließen, besonders innig das „Abendlied nach Barth“, erzählte Zachmeier in der ihr eigenen Weise, fränkisch-frisch von den alljährlich wiederkehrenden Phänomenen, die so typisch sind für die Zeit vor Weihnachten. Dabei gewann das Thema Herbergsuche – gewollt – einen sehr aktuellen Aspekt. Sie las eigene Texte ebenso wie Dialekt-„Klassiker“ von Franz Bauer oder Klaus Schamberger, aber auch unbekanntere Autoren kamen zu Wort.

Da wurde kritisch auf den Konsumwahn geblickt und herrlich grotesk die Lichterwahn-Orgien demaskiert, wenn die Nachbarschaft zum unbedingt erforderlichen „Nachrüsten“ einen Osram-Berater braucht und die Wiese vorm Haus „komplett unter Strom steht“. Hintersinnig ihre „wunderliche“ Weihnachtsvorstellung: Was wäre geschehen, wenn Maria abgetrieben oder ein Mädchen zur Welt gebracht hätte?

Vergangenheit als Quelle

Die Nachkriegsjahre bilden bei vielen der Geschichtenschreiber einen inhaltsreichen Fundus, waren sie doch in ihrer materiellen Not gezwungen gewesen, mit Wenigem auszukommen und sich dadurch auf Wesentliches zu konzentrieren. Besonders eindringlich in diesem Sinn eine Erzählung ihres Vaters, als dessen erste „Quedschn“ (Akkordeon) unter dem Christbaum lag, natürlich erst nach einem quälend langen Tag, an dem der kleine Bub natürlich nichts anderes im Sinn hatte wie die lang ersehnte Bescherung.

Und dass die Heiligen Drei Könige auch in Nürnberg waren, das konnte ihr der Großvater glaubwürdig vermitteln, schließlich habe er seine Zigarrenspitze ja von Melchior geschenkt bekommen … Auch die Geschichte vom Christbaumschmuck, der immer noch am Baum vom letzten Jahr hing, nämlich in der „Goudn Schdumm“, die ja nur an Weihnachten genutzt wurde, reichte in frühere Jahrzehnte zurück.

Mit feiner Ironie auf den Punkt gebracht: Jürgen Gahns Weihnachts-Cyber-Space-Miteinander mit virtuellen Kerzen, das, jeder für sich, am Bildschirm verbringt – da „naadld nix mehr“.

Umso schöner dann das wirkliche Miteinander beim gemeinsamen Singen von „Draußen im Wald“. Das Café-Publikum entpuppte sich ganz spontan als großer Chor – „miteinander“.

Zachmeier beleuchtete manches aber auch kritisch: So das urplötzlich kollektiv auftretende Mitleid, das in der Weihnachtszeit bei vielen Menschen in Erscheinung tritt. In der Geschichte von Wilhelm Wollert wird es zum bestens funktionierenden Verkaufstrick genutzt. Und der grassierende Konsumwahn bekam natürlich auch sein Fett weg.

Am Schluss zitierte sie Egon Helmhagen: „Weihnachten ist nicht der Kitsch oder das Spenden, Weihnachten ist, nicht alleine sein und innere Freude.“

Manchmal sind es gerade die einfachen Wahrheiten, die wirklich guttun.

Erich W. Spieß

N-Land Der Bote
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