Erste Theaterführung im Laufer Industriemuseum kam gut an

Mühlentag einmal anders: als Schauspiel

Wie lässt sich aus Körnern müheloser Mehl machen? Mit Klamauk demonstrierten Dondola und Scivola das Problem.2015/05/Industriemuseum_Mu__hlentag_Scivolo_Dondola__Mahlen.jpg

LAUF — Am gestrigen Mühlentag gab es im Industriemuseum eine gelungene Premiere: Zwei Schauspieler machten aus der üblichen Führung durch die historische Roggenmühle erstmals ein kleines gewitztes Spektakel, in dem die Museumspädagogin die großen und kleinen Zuhörer mit allen nötigen Informationen versorgte. Das neue Angebot – in Kooperation mit dem Dehnberger Hof Theater – ist für Gruppen gedacht und ist empfehlenswert, wie am Ende auch der Beifall zeigte.

Schon bei der Mittagsführung, oder besser: -vorstellung, herrscht einiger Andrang. 23 Kinder und fast noch einmal doppelt so viele Erwachsene versammeln sich im Erdgeschoss der Roggenmühle, wo sonst auch die Führungen zum Beispiel am Deutschen Mühlentag beginnen. Diesmal erwarten die Gäste aber mehr noch als die von Museumspädagogin Renate Schmidt kindgerecht aufbereiteten Informationen, nämlich das angekündigte Theater-Erlebnis.

Deshalb formieren sich Kinder und Erwachsene im Halbrund und machen so Platz für zwei ganz besondere Detektive: Scivolo und Dondola, gespielt von Hannes Hoffmann und Veronika Conrady, stolpern reichlich ungeschickt und polternd herein, obwohl sie eigentlich nicht entdeckt werden wollen auf ihrer Schatzsuche. Sie, die überdrehte Vernünftige, und er, das tapsige Spielkind, bieten in den kommenden anderthalb Stunden allerhand Nonsens und einige clowneske Situationskomik auf, über die nicht nur die Kinder lachen. Aber eigentlich wollen die beiden Freunde ja „das Geheimnis des Müllers“ lüften und Gold finden.

Das „Theater im Museum“ ist inszeniert im Wechsel von Schauspiel und Führung. Bald schon hat das Versteckspiel Scivolos und Dondolas ein Ende, sie erforschen gemeinsam mit Renate Schmidt die historische Mühleneinrichtung in den Räumen, in denen von 1894 bis 1912 tatsächlich Laufer Müller Roggenmehl herstellten. Auch das sich drehende „Riesenmühlrad“ draußen fehlt dabei nicht.

Auf sieben Stationen lernt das Museumstheater-Publikum in groben Zügen das alte Handwerk kennen. Am stärksten im Gedächtnis dürfte dabei der Satz „Mahlen mit Mühe“ bleiben. Nicht, weil ihn Scivolo und Dondola als Geheimbotschaft des alten Müllers entziffern und ihn fortan fantasievoll als Handlungsanweisung und wirkungsvollen Zauberspruch gleichermaßen nutzen. Sondern vielmehr, weil Scivolo an der vorletzten Station eindrucksvoll vorführt, wie hart die Müllersarbeit doch war. Drei Mal muss er sich und seine Last treppauf, treppab schleppen, um das gemahlene Korn immer noch einmal in die Mahlsteine zu schütten. „Bis zu fünf Mal musste früher gemahlen werden“, erläutert die Museumspädagogin. Erst dann war das Mehl fein genug.

Am Ende haben Scivolo und Dondola tatsächlich Gold gefunden, besinnen sich aber auf die Lehre des alten Müllers, der zwar reich, aber kalt und gemein war. So beantworten die Freunde die Frage, was der eigentliche Schatz ist, ganz anders: „ein treuer Freund und ein Stückchen Brot“.

Die Regie hatte Nicole Schmyizcek. Zu buchen ist die Theaterführung über das Dehnberger Hof Theater oder das Industriemuseum.

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