Freilufttheater am Originalschauplatz

Mord in der Obermühle

Der Tagelöhner verspricht, den alkohol- und spielsüchtigen Müller umzubringen. | Foto: M. Ermer2020/02/IMG-7214-scaled.jpg

OBERMÜHLE – Zum ersten Mal veranstaltete Alexander Schalber-Müller um die Obermühle bei Kirchensittenbach einen Wintermarkt mit Ausstellern der Region. In diesem Rahmen zeigten Darsteller des Act-Center Nürnberg das Theaterstück „Via Mala“ nach der Buchvorlage von John Knittel, dessen Originalschauplatz die ehemalige Mühle war.

Dabei führten zwei der Schauspieler auf der Open-Air-Bühne mit einem Dialog zwischen Schriftstellerfigur und Erzähler in die Geschichte ein und immer wieder mit kurzen Zwischentexten durch sie hindurch. Selbst dem Zuschauer, der die historische Geschichte, die sich 1817 in der Obermühle zugetragen hatte, nicht bekannt war, erschlossen sich so und durch das kurzweilig aufgeführte Stück schnell alle Zusammenhänge.

So wurde man Zeuge, wie die Müllersfamilie unter dem gewalttätigen Vater litt, der zu oft dem Alkohol und Spiel zusprach. Sogar seine Tochter, die eine kleine Erbschaft gemacht hatte, bestahl er, um seine Schulden bezahlen zu können.

Kopf flog durch die Luft

Das rief einen Tagelöhner auf den Plan, der im Auftrag von Mutter und Tochter den Müller umbringen sollte und dies auch anschaulich durchführte: Nach einem Streit zwischen den beiden im Hauptgebäude der Obermühle – Szenen, die die Akteure der Nürnberger Theaterakademie an geöffneten Fenstern ziemlich raffiniert umsetzten – flog dessen Kopf (glücklicherweise aus Plastik) vor die Zuschauer auf den Boden.

Der Tagelöhner ward daraufhin nicht mehr gesehen, aber für die verbliebene Müllersfamilie ging es am Hersbrucker Amtsgericht um das Finden des Schuldigen. Freigesprochen wurde die Hauptbeschuldigte Müllerswitwe aus Mangel an Beweisen. Auch der Tochter, mit dem Richter in einer heimlichen Liebesbeziehung, konnte nichts nachgewiesen werden. Und zwar sowohl in der schnellen Close-Up-Theatershow als auch im Roman von John Knittel.

Vatermord liegt Buch zugrunde

Der Autor veröffentlichte das Buch „Via Mala“ 1934, das in der gleichnamigen Schweizer Schlucht spielt und heute als Klassiker gilt. Die reale Geschichte, die ihm zugrunde liegt, ist aber Vermutungen zufolge eben jener, nie vollständig aufgeklärte Vatermord in der Obermühle.

In Langform zu sehen ist das Stück vielleicht im Sommer, etwa bei einem Krimidinner am Originalschauplatz. Bis dahin boten mehrere Aufführungen am Wochenende schon einen guten Vorgeschmack und zogen trotz regnerischen Wetters viele Interessierte an.

N-Land Michelle Ermer
Michelle Ermer