Benefizkonzert für Flutopfer in Pakistan

Mit fränkischem Blues

In unerwartete Klangwelten wurden die Zuhörer von Heinrich Hartl und Andrea Fleissner geführt.2011/02/benefizpellerschloss1_New_1298037602.jpg

FISCHBACH – Verheerende Regenfälle führten in weiten Teilen Pakistans zu großen Überschwemmungen. Sechs Monate danach leiden nach Angaben von Unicef immer noch zehntausende Babys und Kleinkinder an akuter Mangelernährung. Rainer Köhler, der Leiter der Nürnberger Arbeitsgruppe von Unicef, und Heinrich Hartl, vielfach ausgezeichneter Nürnberger Komponist und Interpret, entwickelten daher die Idee eines Benefizkonzertes zur Unterstützung der Flutopfer in Pakistan.

Im gut besuchten Pellerschloss wurden die Zuhörer von Heinrich Hartl, Andrea Fleissner und Markus Rießbeck in unerwartete Klangwelten geführt. Gleich zu Beginn eine Komposition von Hartl, von der Sopranistin Andrea Fleissner mit eigenem Text gesanglich untermalt. Ein erster Schreck – das ist ja fränkisch. Und auch im nächsten Schritt fränkelt es. Fleissner, bekannt unter anderem durch die Trillergirls und Mogos interpretiert die von Hartl vertonten Haikus von Fitzgerald Kusz. Kurz, knapp, treffend – Haiku eben – wird über Wasserpfützen philosophiert.

Als Kontrast setzt Rießbeck, Saxophonist aus Nürnberg, Stücke von Johann Sebastian Bach dagegen. Im Barock sei mit allen vorhandenen Instrumenten gespielt worden, eine Umsetzung für das Saxophon sei deshalb durchaus nicht ungewöhnlich, so der Musiker in einer erläuternden Einführung. Vor der Pause wechselt dann Andrea Fleissner vom Fränkischen ins Berlinerische und trägt trotz leichter Erkältung stimmgewaltig die nachdenklich traurige Geschichte eines Jahrmarktmädchens vor.

Der zweite Teil des Konzerts beginnt mit einem von Heinrich Hartl bearbeiteten Kanon von J. Pachelbel sehr stimmungsvoll, gefolgt von einer Komposition für Klavier und Saxophon. Gut gelaunt gibt der Komponist noch zum Besten, was denn Opos 1 und 2 gewesen wären, bevor er zusammen mit Markus Rießbeck dann Opos 3 vorträgt. Seine Vielseitigkeit als Komponist zeigt Hartl mit dem in Gedenken an Astor Piazolla komponierten „Tango per Piazolla“. Danach folgen vertonte Gedichte von Fitzgerald Kusz, mit einem Intermezzo aus der Rocky Horror Picture Show.

Man spürt den Spaß an der Musik, und wenn Andrea Fleissner voller Inbrunst singt „I wanna be dirty“, drängt immer auch die Wasserpfütze aus dem Haiku ins Bild. Ruhiger wird es wieder mit Walther von der Vogelweide – natürlich ins Fränkische, dem schönsten aller Dialekte, übersetzt, von Fitzgerald Kusz – „Ou weih“.

Beim „Lou mi gäi Blues“ steht dann endgültig fest: keine Sprache, kein Dialekt hat soviel Blues wie das Fränkische. Und so viel Bodenständiges, wie die Zugabe beweist: Mit „Heit mous rohe Kniedla gehm“ begeistern Heinrich Hartl singend, jodelnd und Klavier spielend und Andrea Fleissner singend und jodelnd zum Schluss das Publikum. Der Ausklang ist dann die vertonte Weisheit: „Der Vollmond über Nämberch is a blous a Lebkoung“. GERDA KOLB

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