Rufus Beck bei den Literaturtagen

Meisterhafter Vorleser

Vor ausverkauftem Haus las Rufus Beck aus dem Roman „Garp und wie er die Welt sah“ von John Irving und hatte auf der Bühne selbst seinen Spaß mit den skurrilen Szenen. Foto: Kirchmayer2014/11/91744_rufusbeckinlauf_New_1415555764.jpg

LAUF — Schauspieler und Hörbuchsprecher Rufus Beck war der Stargast bei den 19. Laufer Literaturtagen. Mit Ausschnitten aus „Garp und wie er die Welt sah“ von John Irving brachte er das Publikum und auch sich selbst zum Lachen. Es war das erste Mal, dass auf dem Lesefestival ein Werk nicht durch den Autor selbst, sondern von einem Sprecher präsentiert wurde.

Den großgewachsenen Mann, der da im Anzug, mit grauen Haaren und einer einprägsamen Nase auf der Bühne steht, kennen die erwachsenen Gäste vielleicht aus seinen Schauspielrollen („Der bewegte Mann“), die Jugendlichen kennen ihn eher als Sprecher von J. K. Rowlings „Harry Potter“-Romanen. Die Aula der Laufer Bertleinschule ist jedenfalls ausverkauft, 560 Besucher wollen Rufus Beck sehen und vor allem hören. Denn nicht als Autor, sondern als Sprecher ist der 57-Jährige nach Lauf gekommen.

Vor allem geht‘s um Sex

Im Gepäck hat er einen seiner Lieblingsromane. „Garp und wie er die Welt sah“ von John Irving ist im englischsprachigen Original 1978 erschienen und wurde ein voller Erfolg, hierzulande floppte er allerdings. Die deutsche Gesellschaft, so Becks Erklärungsansatz, sei damals einfach noch nicht reif gewesen für ein so skurriles und auch sehr explizites Werk. Es geht darin um die große Themen der Literatur, um Liebe, Familie und Verlust. Aber vor allem, und das verdeutlicht Becks Szenenauswahl, geht es um Sex.

Die Schilderungen kopulierender Körper sind dabei alles andere als pornografisch. Manchmal sind sie drastisch: Explizit, ohne Details auszulassen und dabei mit der Präzision eines Skalpells, schildert Irving beispielsweise eine Vergewaltigung so jovial wie andere ein Kaffeekränzchen. In einer anderen Szene, dem ersten Kapitel des Romans, wird beschrieben, wie der Protagonist des Werks gezeugt wird. Eine Krankenschwester „bedient“ sich während des Zweiten Weltkriegs eines schwachsinnig gewordenen Soldaten.

Beck seziert die Szene genüsslich mit seiner wunderbar wandelbaren Stimme, wohl dosierter Gestik und perfekt gesetzten Pausen. Ein verstörender Akt als Hörvergnügen? Tatsächlich gelingt es dem Schauspieler scheinbar ohne Anstrengung, das gesamte Publikum zu amüsieren. Und bei aller Professionalität, manchmal muss der Vorleser über die aberwitzigen Geschichten Irvings, die er gut gelaunt erzählt, selbst lachen.

Rund zwei Stunden fesselt Beck die Laufer und kommt dabei auch selbst auf seine Kosten, wie er der PZ danach erzählt: „Wenn du als Schauspieler auf einer Bühne stehst, ist das wie bei einem Fußballer, der auch beim tausendsten Spiel noch Spaß hat. Solche Abende genieße ich zusammen mit dem Publikum.“ Er mache nur Dinge, von denen er überzeugt sei, sagt er. „Garp und wie er die Welt sah“ sei wunderbar komponiert. Der Schauspieler schwärmt von den ineinander verschachtelten Geschichten.

Etliche Wünsche nach Autogrammen muss Beck am Ende des heiteren Abends erfüllen. Er kündigt eine Rückkehr nach Lauf an. Nicht nur die Zuhörer wird das freuen. Die Leiterin der Laufer Bücherei und Organisatorin der Literaturtage, Beate Hafer-Drescher, fand ihn schlicht „grandios“.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer