Ensemble Varié bezauberte im Fischbacher Pellerschloss

Mediterrane Klänge im Schloss

Passend zum sonnigen Donnerstag: Das Ensemble Varié mit seinem Programm „Mediterrano“. Foto: Spieß2015/05/varie_New_1431092702.jpg

FISCHBACH – Der Kulturkreis hatte – mit freundlicher Unterstützung durch den Bürgerverein – ins Fischbacher Pellerschloss eingeladen und präsentierte mit dem Ensemble Varié aus München ein lebendiges Kammermusiktrio in ungewöhnlicher Besetzung.

Dass sich Querflöte, Gitarre und Violine bzw. Saxophon zusammentun, um Kammermusik aus verschiedenen Jahrhunderten und Stilen darzubieten, ist außergewöhnlich. Die Musiker haben es sich zur Aufgabe gemacht, vor allem auch unbekannte und häufig übersehene Werke aufzuführen, überwiegend – der Besetzung entsprechend – mit eigenen Arrangements.

Den Anfang bei ihrer Reise durch die Musikwelt des Mittelmeerraumes machte Italien mit der Ouvertüre von „Il Barbiere di Siviglia“ von Gioacchino Rossini (1792–1868). 1816 uraufgeführt, wurde sie eine der berühmtesten Opern des Komponisten. Die Ouvertüre bot vor allem gegen Ende der Geigerin Olena Savka die Gelegenheit, ihr Können zu zeigen.

Frankreich war mit drei Komponisten vertreten: Ibert, Debussy und Chabrier. Zwei musikalische Zwischenspiele, „Deaux Interludes“, von Jacques Ibert (1890–1962) lieferten wehmütige und sehnsuchtsvolle Klänge.

Von Claude Debussy (1862–1918) hatten sie „La Soirée dans Grenade“, eine geistig-musikalische Reise nach Andalusien, und den flotten Ragtime „Gollwog’s Cake-Walk” ausgewählt, ein teilweise gefällig daherkommendes, manchmal aber auch irritierendes Stück, das Debussy seiner dreijährigen Tochter gewidmet hat.

Mit „Habanera“ von Emanuel Chabrier (1841–1894) ging es deutlich Richtung Spanien. Sehr stimmig, wie die drei Musiker die Sehnsucht der Romantik mit der Lebensfreude des Südens verbanden. Zum Abschluss des ersten Konzertteiles hatten sie Debussys „Rhapsodie“ ausgewählt. Diese Auftragsarbeit für Orchester und Saxophon hatte der Komponist nicht beendet – er war mit dem erst Mitte des 19. Jahrhunderts erfundenen Saxophon einfach nicht wirklich zurechtgekommen. Das Trio bot mit seiner Bearbeitung eine gelungene Gitarrenbasis und spielerisch-erzählende Saxophon- und Querflötentöne.

Virtuose Spielfreude

Die Flötistin Barbara Wagner vertiefte nach dem Studium ihre Flötenausbildung bei verschiedenen Lehrern. Sie ist festes Mitglied des Trio Klangsinn sowie verschiedener Projektorchester, ein weiterer großer Teil ihrer musikalischen Tätigkeit besteht in der Kirchenmusik.

Olena Savka, Violine und Alt-Saxophon, wurde in Lwiw (Ukraine) geboren. Dort begann sie auch ihre musikalische Ausbildung. Sie setzte ihr Musikstudium im Hauptfach Geige mit Nebenfach Saxophon fort und vertiefte ihr Saxophonstudium an der Hochschule für Musik und Theater München (Meisterklassen Diplom).

Gitarrist Wolfgang Renner – der mit unterhaltsamen Informationen durch das Programm führte – stammt aus Altdorf und begann zunächst Trompete zu spielen. Seinen ersten Gitarrenunterricht erhielt er mit 16. Neben Ausflügen in die Folk- und Rockmusik galt seine Vorliebe jedoch immer der klassischen Gitarre. Derzeit wird er von Prof. Susanne Schöppe (München) betreut. Im Ensemble Varié zeigt er sich für die Arrangements verantwortlich.

Drei Tänze von Enrique Granados (1867–1916) beeindruckten durch flotte, doch stets kontrastierend dazu, auch träumerisch-langsame Passagen mit einem lebensfrohen, temperamentvollen Schlussteil. Von Isaac Albéniz (1860–1909) hatten sie „Còrdoba“ (aus „Cantos de Espana“) und „Evocación“ (aus „Iberia“) im Programm.

Geige und Flöte lieferten sich dabei ein teils elegisches, teils lebendiges Frage-und-Antwort-Spiel und der Gitarrist zauberte dazu harmonische Läufe und Akkorde: komplex, raffiniert und virtuos.

Mit dem Standardwerk „Danza Espanola No. 1“ von Manuel de Falla (1867–1946) aus der Oper „La vida breve“ grüßte dann auch der Flamenco, und die drei Künstler zeigten am Ende noch einmal ihre Fingerfertigkeit in quirligen Ton-Tänzen.

Das Publikum im voll besetzten Schloss war begeistert und bekam die gewünschte Zugabe: „Opus 2/12“ von Arcangelo Corelli beruhigte mit unbeschwerter Leichtigkeit – ganz im Sinne barocker Gestaltungsform – mit geordneten Klängen die Gemüter.

Erich W. Spieß

N-Land Der Bote
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