Gemeinschaftsausstellung im Bernstein

Lieblingsgedichte und -gemälde

Ein realistisches Bild von Richard Wagner, bezogen auf ein Gedicht von Pablo Picasso | Foto: Gisa Spandler2020/08/Feucht-Bernstein2.jpg

FEUCHT – Am Freitag eröffnete die jüngste Gemeinschaftsausstellung in der Galerie des Café Bernstein mit einem besonderen Konzept: Tandems aus Gedicht und Gemälde beherrschen den Ausstellungsraum.

Wem Gedichte bisher immer zu schwer zugänglich und Bilder allein zu wenig aussagekräftig waren, der erhält derzeit beim Themenkunstverein Feucht eine Chance. In der Galerie des Bernstein sind seit Freitag künstlerische Tandems zu sehen, jeweils ein frisch gestaltetes Kunstwerk, das von einem ebenfalls ausgestellten Gedicht inspiriert wurde. Bereits nach einer ersten kurzen Inspizion lässt sich sagen, dass dieser Ansatz ein spannender ist, der zu unerwarteten, teils lustigen und spannenden Ergebnissen geführt und angesichts der ansonsten recht offenen Aufgabenstellung auch recht unterschiedliche künstlerische Resultate gezeitigt hat.

In Schichten gucken

„Ein weites Feld“ sei das Thema Gedichte, meinte dann auch der erste Vorsitzende des Themenkunstvereins Ernst Klier bei der Eröffnung. Das Hygiene-Konzept sah vor, dass nicht mehr als 15 Besucher die Galerie gleichzeitig betreten sollten, damit die Abstände gewahrt blieben. Dies würde dazu führen, so Klier, dass man in Schichten die Arbeiten begutachten müsse und sie nicht in aller Ausführlichkeit betrachten und alle Gedichte in Gänze lesen können würde. Aus diesem Grund rieten er und auch der zweite Vorsitzende des Vereins und Hausherr, Hans Joachim Strauß, zu einem weiteren Besuch in Ruhe. Bilder und Gedichte machten ähnliche Aussagen, stellte der Vorsitzende fest, sie fingen Stimmungen und Emotionen ein in Form beziehungsweise in Farbe.

Besondere Gedichtinterpretation

„Eine Gedichtinterpreation durch Malerei“, nannte Strauß das Ausstellungskonzept, der sich selber zu dem bekannten anonymen Liebesbrief „Du bist min, ich bin din“ aus dem 12. Jahrhundert Gedanken gemacht hatte und diese in einem Chagallesk anmutenden Bild zum Ausdruck brachte.
Ingrid Marx hatte als einzige keine Leinwand zu Grunde gelegt, sondern Steine farbenfroh bemalt und sich von einem Gedicht über die Weisheit der Erde dazu anregen lassen. Den Spieß umgedreht hat der Künstler Richard Wagner, der sich auf Zeilen des Malers Pablo Picasso bezog und dazu einen sehr gegenständlichen Bücherturm zeichnete. Ein farbenfrohes und sehr lebendiges lachendes Frauenporträt zu einem Gedicht von Heinrich Heine mit dem passenden Titel „Ein Weib“, fertigte Olga Nikol an, während Jürgen Lasser sein Werk „Am Rand der Welt“ einem Poem von sich und Petra Lasser widmete, das schon zur Vernissage einen Käufer gefunden hatte. Von Max Giesingers Songtext „Und wenn sie tanzt“ beeinflusst schuf die Feuchter Künstlerin Eva Eiber ein Gemälde von klassischen Tänzerinnen, expressionistisch schwebend, während Dr. Pia Becker ein Gedicht von Walter Benjamin ihrer flotten jungen Dame zu Grunde legte.

Fantastisches und Surreales

Als Kontrast zu den Porträts gab es auch fantastische, surreale Szenen oder etliche Landschafts- oder Stadtimpressionen. „Alte Orte“ sind die Verse von Hermann Lenz überschrieben, die Ernst Klier zu einer Bildidylle mit Bergen und See oder Meer inspirierten, und die US-Schriftstellerin Dorothy Parker beeinflusste Eberhard Hess, der in einem bunten und von Yellow Cabs beherrschten Gemälde eine Times-Square-Impression auf die Leinwand bannte.

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