Szenen für die BR-Dokureihe „1806: Die Nürnberg-Saga“ entstanden in der Kreisstadt

Laufer Industriemuseum als Drehort

„Wir sind nicht in Hollywood“, sagt der Produktionsleiter zwar, aber das Industriemuseum gibt schon eine fast hollywoodreife Kulisse ab. Gedreht wird unter anderem in der historischen Schmiede (im Bild). | Foto: Turba2021/09/deharbeiten-industriemuseum-lauf-scaled.jpg

Lauf – Starkstromkabel sind im kompletten Industriemuseum verlegt, überall stehen Transporter, technisches Equipment, Filmleuchten, Kameras. Menschen in eigenartig aus der Zeit gefallener Kleidung laufen über das Gelände. Der Schmiedehammer dröhnt, es raucht und qualmt, rußverschmierte Gesellen hämmern auf glühende Eisen ein. Kein völlig ungewohntes Bild für stellvertretenden Museumsleiter Peter Kraus und sein Team, kommen doch immer öfter Filmproduktionsfirmen in das historische Areal, um für unterschiedliche Zwecke zu filmen.


Heute ist eine Produktion des Bayerischen Rundfunks zu Gast, die für die dreiteilige Dokureihe „1806: Die Nürnberg-Saga“ dreht. In dieser Reihe soll ausnahmsweise mal die Nürnberger Perspektive auf diese wegweisende Zeit für Bayern und die eigene Stadtgeschichte eingenommen werden.


Kurz nachdem Napoleon die Europäische Ordnung gehörig durcheinander geworfen hatte, begann eine Blütezeit für Bayern, von der Nürnberg im Zuge der Industrialisierung gehörig profitierte – auch wenn viele Reformen, die die Bayern in Nürnberg durchsetzten, bis heute nicht verziehen sind.


Die Idee für die Produktion stammt vom Nürnberger BR-Studioleiter Tassilo Forchheimer, der nun auch die Gesamt-Produktionsleitung hat: „Es wird nicht nur eine Doku, die im Hier und Jetzt spielt. Wir werden auch viele historische Spielszenen einbauen, sodass die Zuschauer sich wirklich in diese Zeit hineinversetzen und nacherleben können, wie es den Menschen damals erging.“


Zwei Hausmeister als Komparsen


„So einen großen Aufwand haben wir eher selten“, meint Peter Kraus vom Industriemuseum, dessen zwei Hausmeister Matthias Neubing und Ewald Janson selbst als rußverschmierte Schmiede vor der Kamera mitwirken. „Hier wuseln seit heute Morgen um 7.30 Uhr etwa 50 Techniker, Kameraleute, Masken- und Kostümbildnerinnen, Schauspieler und Komparsen herum – und das wird wohl mindestens zwölf Stunden so gehen. Gedreht wird im Hammerwerk, vor der Dampfmaschine und in der Gesenkschmiede“, so Kraus weiter.


Für den Bayerischen Rundfunk öffnet das Museum gern seine Pforten, ist man doch eine der wenigen so vollständig erhaltenen historischen Industriestätten im Freistaat. Gefilmt wird von der Produktionsfirma Loopfilm aus München.

Deren Produktionsleiter Peter Hohenstatter antwortet auf die Frage nach der Authentizität der Drehorte: „Wir sind nicht Hollywood, das ist eine BR-Produktion, da haben wir kein Kinofilm-Budget. Wir müssen also auf existierende Orte zurückgreifen, die historisch so nah wie möglich an potenziellen Originalschauplätzen sind, auch wenn die vielleicht nicht ganz genau in die Zeit passen. Wir wählen dann schon bewusst die Bildausschnitte so, dass man sagen kann: Das passt. Außerdem ist es natürlich schön, wenigstens in der Original-Region zu filmen.“ Zwischen all den Leuten, die zum Filmset gehören, filmt auch noch der BR selbst und dokumentiert die Dreharbeiten.


Bayern-3-Moderatorin macht mit


Durch die dreiteilige Dokureihe führt die junge Bayern-3-Radiomoderatorin Kadda Gehret. Sie spielt nicht mit, sondern ist die „zeitreisende“ Presenterin aus der Gegenwart, die die Fragen stellt, die dem Zuschauer vielleicht auch einfallen würden.


Der Ansbacherin, die mittlerweile ihren Lebensmittelpunkt in München hat, war das alte Thema „Wir sind Franken, keine Bayern!“ immer etwas fremd. Jetzt, mit diesem lebensnahen Einblick in den historischen Hintergrund, wird ihr einiges klarer – zumindest, wo diese Haltung herkommt, auch wenn sie sie immer noch nicht nachvollziehen kann.


Die 15 angesetzten Drehtage sind immer wieder spannend und führen sie in Ecken von Franken, die sie unter diesem Aspekt noch nicht kannte: „Klar kannte ich das schöne Lauf, aber noch nie aus so einer historischen Perspektive.“ Auch wenn sie vorhat, in erster Linie Radiomoderatorin zu bleiben, kann sie sich aber noch weitere Drehs vorstellen, vor allem, wenn sie sind wie dieser: Sie darf sprechen, wie ihr „der Schnabel gewachsen ist“, nämlich Fränkisch.

„Aber Film ist schon ein spannendes Medium, mit ganz anderen Möglichkeiten, als man sie im Radio hat. Hier muss zum Beispiel nicht chronologisch gearbeitet werden, oder hier machst Du halt eine Szene noch mal, wenn was schiefgeht. Im Radio ist das dann quasi ‚versendet‘.“

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