Kultfilm auf der Bühne

Indien liegt auch an der Pegnitz

Die Reise durch die Provinz endet im Krankenhaus: Regisseur Bernd Schramm, Peter Reiser als Arzt, auf dem Bett Arnd Rühlmann als Bösel und Jürgen Heimmüller als Fellner (von links) bei den Proben in Dehnberg. Foto: Krieger2012/07/47643_DHTIndienProben-ik0001_New_1343142964.jpg

DEHNBERG — Mit dem Wörtchen „Kult“ sollte man vorsichtig umgehen, denn es ist schon abgenutzt. Dennoch gibt es Filme, die haben Kultstatus. „Indien“ gehört dazu. Das 1993 gedrehte Roadmovie der Kabarettisten Josef Hader und Alfred Dorfer wurde mit dem österreichischen Filmpreis ausgezeichnet und erhielt hervorragende Kritiken. Zugrunde liegt dem skurrilen Drama ein Theaterstück, das das Dehnberger Hof Theater (DHT) jetzt auf die Bühne bringt.

Am Donnerstag ist Premiere im Hof des DHT und Intendant Ralf Weiß ist sich hundertprozentig sicher, dass es diesmal mit dem Freilichtauftritt klappt: „Bisher haben wir das meiste drinnen spielen müssen, aber diesmal hält das Wetter.“ Die Tische und Bänke sind schon aufgebaut und auf der Bühne steht schon das Krankenbett, das den zweiten Teil des Stücks dominiert. Es geht, darauf müssen sich die Premierengäste einstellen, auch um Krankheit und Tod, aber Josef Hader und Alfred Dorfer gehören nicht umsonst zu den gefragtesten Kabarettisten Österreichs – und so liegt über all dem die komische und zuweilen auch bitterbös-ironische Sicht zweier Ekelpakete, die sich auf ihrer einsamen Tour durch die Provinz näherkommen und zum ersten Mal im Leben echte Freundschaft erfahren.

„Das Stück wird nicht zu 100 Prozent den Geschmack aller Zuschauer treffen, doch wir wollten auch mal etwas anderes machen“, sagt Weiß, der bei den Recherchen für das Sommerfilmkino auf „Indien“ gestoßen war. Helmut B. Günther hat das Theaterstück, das ursprünglich in Niederösterreich spielt, ins Fränkische übertragen, das schafft Identifikation und war aus Sicht der Macher unerlässlich. „Wir wollten nicht, dass man die Geschichte wegschiebt“, sagt Weiß, „sie soll und wird das fränkische Gemüt bewegen.“

Im Unterschied zum Film kommt das Bühnenstück deutlich unvermittelter daher. Auf das im Kino unvermeidliche versöhnliche Ende werden die Zuschauer vergebens warten. „Dafür sind die Charaktere sehr präsent“, sagt Arnd Rühlmann, der Darsteller des ruppigen Heinz Bösel, „ihren Wandel zu zeigen, ist unsere Herausforderung.“

Gemeinsam mit Regisseur Bernd Schramm und den Schauspielkollegen Jürgen Heimüller und Peter Reiser, der die Wirte, den Arzt und den Pfarrer spielt, ist er seit Tagen im Hof des DHT am Proben. Immer wieder feilt Schramm am Ausdruck. „Das mit der Freundin, das muss noch besser rüberkommen“, sagt er zum Beispiel zu Heimüller, der den Kurt Fellner gibt. Kein Leichtes, in die Rolle eines so sperrigen Charakters wie die des gehemmten Yuppies zu schlüpfen, gibt Heimüller zu, „er ist immer so nach innen gekehrt“. Einfacher tut sich da Rühlmann. „Ich habe schon immer gerne fiese Typen gespielt“, sagt der Bamberger.

Bereits 2005 haben Rühlmann und Heimüller „Indien“ in Bamberg inszeniert, für das DHT wurde das Stück noch einmal aufgearbeitet und an die Spielbedingungen der Freilichtbühne angepasst. Es sei das stumme Abgründige an den Figuren, sagen die beiden Schauspieler übereinstimmend, das das Stück so gut mache, die leise Intimität, die sich zwischen den beiden unterschiedlichen Männern entwickle, „und dass das Stück selbst in den schlimmsten Situationen noch komisch ist“.

Indien übrigens ist für Bösel und Fellner, wie für viele Menschen, das Utopia der modernen Gesellschaft, der Gegenentwurf zum Jetzt, der Sehnsuchtsort. Den Mut, dahin zu reisen allerdings, sind sich ihre Schauspiel-Alter-Egos sicher, hätten sie nie gehabt – „aber sie träumen davon“.

Sowohl für die Premiere am Donnerstag um 20 Uhr als auch für die Aufführung am Samstag im DHT gibt es noch Karten.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger