19. Internationales Gitarrenfestival Hersbruck

Kontraste aus Gypsy Swing, Jazz und Crossover

Joscho Stephan, Volker Kamp am Kontrabass und Günter Stephan an der Rhythmus-Gitarre waren das erste Highlight des Abends. | Foto: A. Meyer2018/08/IMG_3649.jpg

HERSBRUCK – Zum Wochenstart ließen es sich Liebhaber ausgewählter Gitarrenmusik in der Geru-Halle Hersbruck richtig gut gehen. Die deutschen Künstler Joscho Stephan und „Hands on strings“ boten den Zuschauern beim Gitarrenfestival Gypsy Swing vom Feinsten.

Eingeleitet wurde der musikalische Montagabend durch Bürgermeister Robert Ilg. Mit dem künstlerischen Leiter Johannes Tonio Kreusch resümierte er kurz die bisherigen zwei Tage des diesjährigen Festivals. Dabei war die erste Veranstaltung am Samstagabend von Jazz geprägt, der Sonntag war der klassischen Gitarrenmusik gewidmet.

Am Montagabend hingegen waren alle Zeiger auf „Gypsy Swing – Crossover“ gestellt. Hierbei betonte Kreusch, dass die Vielzahl an Richtungen und die unterschiedlichen Künstler die Veranstaltung zum „Festival der Kontraste“ mache.

Kurz darauf hieß es dann Bühne frei für den ersten Hochkaräter des Abends, das Trio um Joscho Stephan. Mit Stephan an der Solo-Gitarre, Vater Günter Stephan an der Rhythmus-Gitarre und Volker Kamp am Kontrabass spielten die drei lockere und schwungvolle Jazz-Musik. Besonders die schnellen Soli von Frontmann Joscho Stephan begeisterten. Die Zuschauer zeigten sich eingenommen von dessen Fingerfertigkeit – seine Hände flogen nur so über die Saiten.

Charmant moderierte Stephan jun. zudem durch die Stücke. Einige Lacher erntete dabei die Entstehungsgeschichte eines ihrer Lieder, das sie als „Warteschleifenmusik für eine Wohnungsbaugenossenschaft“ komponiert hatten. Dabei wurde die Empfehlung mit einem Augenzwinkern ausgesprochen, ein Anruf bei der Genossenschaft wäre ein billige Alternative zum CD-Kauf.

Bescheiden lenkte Stephan die Aufmerksamkeit auch auf seine Mitspieler und lobte Papa Günter Stephan für sein Talent an der oft unterschätzten Rhythmus-Gitarre sowie seinen Kollegen Volker Kamp für seine Kontrabass-Soli. Als musikalisches Vorbild nannte das Trio Django Reinhardt, den Begründer des europäischen Jazz, dem die Gruppe auch eine Komposition gewidmet hat. Weitere Stücke waren beispielsweise eine Eigeninterpretation von Jimi Hendrix‘ „Hey Joe“ sowie ein Klassiker aus den 30er/40er Jahren von Theo Mackeben „Bei dir war es immer so schön“.

Der zweite Höhepunkt des Abends war das Duo „Hands on Strings“, bestehend aus Thomas Fellow und Stephan Bormann, die sich in der Richtung Jazz/Crossover wohlfühlen. Für den Laien klang diese Art des Jazz im Vergleich zu vorher lauter und dramatischer.

Die Künstler Fellow und Bormann haben es sich zur Aufgabe gemacht, Popsongs abzuwandeln und ihnen ihren eigenen Stempel aufzudrücken, so beispielsweise Gotyes „Somebody that I used to know“ oder die Musik aus den Star Wars-Filmen. Durch den Wechsel der Gitarren, wie zur E-Gitarre, erhielten die Stücke einen jazzigen, spacigen Sound, der die Zuschauer mitriss. Auf ihre ganz eigene Art und Weise werden so Klassiker und Popsongs, wie sie selbst betonen, „ausgedehnt, ausgeufert“ und sind meist erst beim Refrain erkennbar.

Zu guter Letzt zeigte das Duo weitere Facetten seines Könnens und spielte sogar einen Tango. Den Zuschauern wurde durch den Wechsel der Künstler rund drei Stunden pures Gitarrenvergnügen geboten.
Amelie Meyer

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